Sommerfestival: Mr. Leu mit „Invitation To The Blues“
Große Gefühle bei der Hommage an Tom Waits

Mr. Leu (und Daniel Stelter) verzaubern das Publikum mit einer facettenreichen musikalischen Achterbahn. 	F

anwe Siegen.  Vielen sicher aus der Burlesque-Show „Evi & das Tier“ bekannt, mit der Rainer Leupold alias Mr. Leu bereits drei Mal mit seiner Frau in Siegen auftrat, zeigte er bei „Invitation To The Blues“ mit seiner Hommage an Tom Waits und andere Musik-Legenden beim Siegener Sommerfestival seine ganz andere Seite, nämlich die des verrückten Bühnenfreaks und Genre-Multitalents mit beeindruckender Stimme und Virtuosität, mal wehmütig-schwülstig, mal explosiv wie ein Vulkan. „Aufgelesen“ hat er auf seinem Weg nach Siegen, wie er augenzwinkernd sagte, Daniel Stelter, seinen kongenialen Mitstreiter an Gitarre, Banjo und Mandoline, einen Meister des Fingerpicking, Dozent und bei „Sing meinen Song“ in mehreren Staffeln im Einsatz.

Nach Platzregen: Auf Tuchfühlung auf der Bühne

Aber es sollte anders kommen als geplant, fürs Publikum ungewöhnlich hautnah: Pünktlich um 21 Uhr fegte ein stürmischer Wind, gefolgt von einem kurzen Wolkenbruch, durch den Schlosshof. Das wusste Mr. Leu sofort als „Invitation to the Stage“ zu nutzen und bat kurzerhand das versammelte Publikum auf die Bühne und unters schützende Dach, was man und frau nur allzu gern tat. Mit und ohne Stuhl verweilte man dort dann auch fast bis zum Ende des ersten Sets auch als der Regen längst aufgehört hatte. Auf Tuchfühlung mit dem Meister am Piano verfolgten die Zuschauer gebannt seine rasante Performance.
Die nicht mehr benötigten Vampir-Zähne abgelegt und wie Pierrot clownesk geschminkt, lud er sein Publikum ein, mit ihm auf die Suche nach der Magie und der Stadt der Träume zu gehen, die irgendwo „zwischen Paris, London, New York, oder Siegen“ liegen könnte. Und so ging es mit herrlich skurrilen Einlagen raus aus der kleinen Welt, hin zu Cafés oder auch zu Tankstellen, zu denen einen „dieses Gefühl“ zieht. Bis man zu „Burma Shave“ kommt und damit an Orte, an denen man immer gut rasiert ist. Monologisierende Mutter-Sohn Dialoge lösten schenkelklopfende Witze ab, und Stücke wie „The Piano Has Been Drinking“ oder „Halt mich“, versetzten die Zuhörer in schwermütige Stimmung. Sie wurde aber rasch wieder abgelöst von Pop-Balladen wie „Jersey Girl“ oder „Dock Of The Bay“ oder zungenbrecherischen, schweißtreibenden Rap-Songs wie „Pasties And A G-String“, in denen er sich alles abverlangte und einen neuen Wort-Geschwindigkeitsrekord hinlegte.

Mr. Leu und seine Stimme: genial!

Überhaupt seine Stimme: Sie wandelte sich von fast opernsängerhaftem Timbre und sonorem Vibrato zu bisweilen animalisch anmutenden oder auch perkussions- und instrument-ähnlich klingenden Lauten, die er seinen puterrot geschminkten Lippen entweichen ließ. Wenn er zungentechnisch das Innere seines Pianos und sein Mikro traktierte, bot er neben fast überirdischer Vokalkunst auch eine tolle Performance, mit ausdrucksstarkem Gesicht, begleitet von fast akrobatischen Slapstick-Einlagen. Er ist ein musikalischer Berserker und Tausendsassa.
Und wenn er mit Daniel Stelter seine Frage-Antwort-Spielchen, ekstatisch aufgeladen zwischen Piano und Gitarre, darbot, mutierte der Abend, noch gekrönt von drei Zugaben und dem Klassiker „Waltzing Mathilda“, zum bizarr-genialen Gesamtkunstwerk, dem man sich nicht mehr entziehen konnte. Ja, die Magie hat man sowas von gespürt …!

Autor:

Anna Maria Weber (Freie Mitarbeiterin) aus Siegen

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