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Bruchwerk-Theater streamte szenische Lesung „Nach dem Ende“
Harter Stoff in harter Zeit

Auch für die Schauspieler Lisa Kusz und Valentin Stroh war die Situation ungewohnt. Sie lasen zusammen „Nach dem Ende“ von Dennis Kelly in der „Endzeitdekadenz“-Livestream-Reihe des Bruchwerk-Theaters.
  • Auch für die Schauspieler Lisa Kusz und Valentin Stroh war die Situation ungewohnt. Sie lasen zusammen „Nach dem Ende“ von Dennis Kelly in der „Endzeitdekadenz“-Livestream-Reihe des Bruchwerk-Theaters.
  • Foto: Veranstalter
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

pav Siegen. Wenn sich das Leben auf einmal in einem Atomschutzbunker abspielt und es in rationierten Mengen nur noch Chili und Thunfisch mit Mayo zu essen gibt, ist die Welt offensichtlich aus den Fugen geraten. Das Bruchwerk-Theater in Siegen bietet nun schon seit fünf Wochen jeden Donnerstag in seinem Livestream unter dem Motto „Endzeitdekadenz“ unterschiedliche Formate an, die eine willkommene Abwechslung von einem surrealen Alltag und eine kulturelle Alternative sind. Nachdem es beim letzten Mal einen Talk mit Siegens Bürgermeister Steffen Mues gab, stand diesmal wieder eine szenische Lesung auf dem Programm. Lisa Kusz und Valentin Stroh, beide Schauspieler aus Köln, lasen zusammen „Nach dem Ende“ von Dennis Kelly.

pav Siegen. Wenn sich das Leben auf einmal in einem Atomschutzbunker abspielt und es in rationierten Mengen nur noch Chili und Thunfisch mit Mayo zu essen gibt, ist die Welt offensichtlich aus den Fugen geraten. Das Bruchwerk-Theater in Siegen bietet nun schon seit fünf Wochen jeden Donnerstag in seinem Livestream unter dem Motto „Endzeitdekadenz“ unterschiedliche Formate an, die eine willkommene Abwechslung von einem surrealen Alltag und eine kulturelle Alternative sind. Nachdem es beim letzten Mal einen Talk mit Siegens Bürgermeister Steffen Mues gab, stand diesmal wieder eine szenische Lesung auf dem Programm. Lisa Kusz und Valentin Stroh, beide Schauspieler aus Köln, lasen zusammen „Nach dem Ende“ von Dennis Kelly. Zwar ist auch bei diesem Schauspiel eine Krise Auslöserder Handlung, doch geht es hierbei auch darum, was nach der Ausnahmesituation passiert und was mit den Menschen, die sich in dieser besonderen Lage befinden, psychisch geschieht.

Zwischen Harmonie und Eskalation

Mark und Louise, die beiden Figuren des Schauspiels, müssen zusammen auf engem Raum, in größter Ungewissheit und empfundener Zeitlosigkeit ausharren. Ein Wechselbad der Gefühle und Emotionen überkommt die beiden. Ihre Beziehung zwischen Harmonie und Eskalation schwankt (was auch von passender Musik untermalt wurde). Immer mehr tun sich dabei menschliche Abgründe auf, und es entwickelt sich ein perfides Spiel von Macht und Abhängigkeit zwischen den beiden, dem Louise letztlich entkommen kann. Nach dem Ende befindet sie sich in Therapie.

Dreieinhalb Stunden Probe über Skype

Ein durchaus harter Stoff in dieser harten Zeit. Doch kann die Auseinandersetzung mit Krise in diesen Zeiten auch heilsam sein, wie Milan Pešl, Künstlerischer Leiter Schauspiel am Bruchwerk-Theater, im Nachgespräch, das er unter den Titel „Eskapismus und Katharsis“ gestellt hatte, erklärte. Zwar kann der virtuelle Raum niemals das Theater ersetzen, doch zumindest in der jetzigen Zeit eine kleine Abhilfe schaffen und versuchen, dem Theater so nah wie möglich zu kommen. Doch der Austausch zwischen Schauspieler und Publikum fehle einfach, wie Lisa Kusz sagte. Zur Vorbereitung auf das Stück musste sie zum ersten Mal eine dreieinhalbstündige Probe über Skype abhalten, die sie sehr viel Anstrengung kostete, da auch technische Probleme immer wieder auftauchten.

Die Kamera als Anspielpartner

Mit zwei Webcams und einem Smartphone wurde die Lesung von David Penndorf gefilmt, der immer wieder zwischen den drei Medien wechselte, um für Abwechslung im Stream zu sorgen. Nicht nur für die beiden Schauspielenden eine neue Situation, da die Kamera als Anspielpartner herhalten musste, sondern auch für ihn selbst. Die eben noch aufgezeichneten Streams verschwinden im Anschluss an die Vorführung dann wieder von der Plattform YouTube, um die Situation so live, ungeschnitten, flüchtig und intensiv wie möglich zu halten. Denn das macht Theater aus.

Interaktion nur im Live-Chat

Das Einzige, das an Interaktion zwischen Ensemble und Publikum in dieser Zeit bleibt, ist die Live-Chat-Funktion über den Stream. Hier ist der unmittelbare Austausch auf eine neue Art noch möglich – und das ist schön, wie alle Beteiligten feststellten. Über den gemeinsamen Austausch kann der momentanen Situation der Schrecken genommen und Trost gespendet werden. Auch eine Art von Bewältigungstherapie kann dabei stattfinden.

Nächste Woche Musik mit Scobel/Mammone 

Nichtdestotrotz ist das Bruchwerk-Theater, wie viele andere kulturelle Einrichtungen zurzeit, weiterhin auf finanzielle Unterstützung durch Spenden angewiesen, damit die Kunst weiterleben kann. Zum Vormerken: Nächste Woche, am30. April, wird es wieder musikalisch. Die zwei Musiker Sebastian Scobel und Mario Mammone setzen sich ab 20.15 Uhr mit Liebesliedern in der Endzeitstimmung auseinander.

Autor:

Pauline Vollpert (Freie Mitarbeiterin) aus Siegen

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