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Junges Theater Siegen: Gelungene Premiere
Haus der Scham

Intrigen und Reflexionen über Frauenrollenklischees wurden im Bruchwerktheater vom Jungen Theater Siegen erzählt.
  • Intrigen und Reflexionen über Frauenrollenklischees wurden im Bruchwerktheater vom Jungen Theater Siegen erzählt.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

ne Siegen. Das Ensemble des Jungen Theaters Siegen, das vor zehn Jahren in der Bluebox Siegen von renommierten Theaterpädagogen um Theaterprofessor Hans Hoppe gegründet wurde und seither für feine Bereicherungen des Siegener Kulturangebots sorgt, traut sich was: Am Fuße des Siegberges, im Bruchwerk-Theater, feierte am Freitagabend die neue Inszenierung unter Leitung des Theaterpädagogen Lars Dettmer und der Assistenz von Jenni Baum Chacon (Leiterin des Jugendensembles des JTS) vor mehr denn ausverkauftem Haus – die gedruckten Tickets reichten nicht aus – in bemerkenswerten Kostümierungen (Bühnenbild und Kostüme: Kerstin Faber, Schneiderei: Sabrina Serban) eine vielfach begeistert aufgenommene Premiere.



ne Siegen. Das Ensemble des Jungen Theaters Siegen, das vor zehn Jahren in der Bluebox Siegen von renommierten Theaterpädagogen um Theaterprofessor Hans Hoppe gegründet wurde und seither für feine Bereicherungen des Siegener Kulturangebots sorgt, traut sich was: Am Fuße des Siegberges, im Bruchwerk-Theater, feierte am Freitagabend die neue Inszenierung unter Leitung des Theaterpädagogen Lars Dettmer und der Assistenz von Jenni Baum Chacon (Leiterin des Jugendensembles des JTS) vor mehr denn ausverkauftem Haus – die gedruckten Tickets reichten nicht aus – in bemerkenswerten Kostümierungen (Bühnenbild und Kostüme: Kerstin Faber, Schneiderei: Sabrina Serban) eine vielfach begeistert aufgenommene Premiere.

Monochrome Ganzkörperbemalungen

Nach einem Prolog, einer inszenatorisch geschickten Vorwegnahme möglicher Veranstaltungskritik, in der selbstironisch darauf verwiesen wurde, „Lorca und Sibylle Berg fragmentiert und aus dem Zusammenhang gerissen“ zu haben, wofür man sich „was schämen“ solle, entkleideten sich fünf Schauspielerinnen und drei Schauspieler bis zur in monochromen Ganzkörperbemalungen und sparsamen Kleidungsaccessoires gehegten Nacktheit. In rund neunzig Minuten inszenierten sie eine in Spotlights getauchte Familientragödie nach dem schwulen, linken, 1936 vom faschistischen Francoregime ermordeten Federico Garcia Lorca.

Patriarchale Rollenbilder von Frauen

Dessen im Todesjahr geschriebenes Drama  „Bernarda Albas Haus“ verhandelt patriarchale wie stereotype Rollenbilder von Frauen, etwa das der gestrengen alten Matronin Bernarda Alba (Dagmar Leidig als SM-Domina in dunkelviolett, die ihre Kinder an Ketten herumführt), ihrer rebellierenden oder kapitulierenden Töchter und zweier weiblicher Angestellten des gutbürgerlichen Haushaltes, dem das Gerede der Nachbarn wichtiger ist als das Glück derer, die unter seinem Dach wohnen. Drei der vier Töchter lieben heimlich oder offiziell den gleichen Mann, den Twen Pepe (Tim Elze, noch ganz grün), der mit der ältesten Tochter Angustas (Sinje Schnettker, hellblau) verheiratet werden soll, der aber die jüngste, Adela (Anna Lena Schmidt in maigrüner Unschuld) liebt und mit ihr ein Kind macht, was die stets als hässlich bezeichnete Martirio (Yasmin Allaoui, in deep blue) beobachtet und sehr eifersüchtig für ihre tatsächlich hässlichen Intrigen nutzt.

Starke szenische Einfälle

Magdalena (Annelie Bügling, auch blau) bleibt brav und Mama-gehorsam, bleibt auch im Roman ein bisschen blass, in dem sogar eine noch blasser agierende fünfte Tochter mitspielt, die hier konsequenterweise gestrichen wurde – wie auch die Mutter der Patronin, deren Reflexionen gelegentlich von der Rolle der alten und resoluten Hausdienerin La Poncia (Adrian Serban in flatterhaftem Apricot) übernommen werden, was deren Rolle noch prägnanter, noch wichtiger für die Dramaturgie macht.
Adrian Serban spielt die Frauenrolle naturgemäß effeminiert, was in starken szenischen Einfällen, etwa einer Befriedigungsszene zwischen Dienerin und Herrin, Gender-oszillierende Konnotationen hervorruft.

Aktuelle Positionen thematisiert

Dettmer und sein Team fügen in die Handlung gelegentlich Zwischenspiele ein, Interludien, die aktuelle Positionen etwa zum Thema Body-Shaming, Body-Positivity, Essstörungen, Frauenrollen, Familienbeziehungen und Selbstermächtigung in plakative Bilder packen, die mitunter die Ikonografie der Versuchung des Heiligen Antonius rezipieren.
Zu Beginn wird in einer Szene ein Leser eines Briefes gezeigt, dessen Inhalt aus dem Off von einer Liebe eines Antonio zu einem Carlos spricht und damit merkwürdig außen bleibt, zumindest für den Rezensenten.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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