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„MysterRiOOM“ Freudenberg und „Escape Game Siegen“
Heiratsantrag in Draculas Katakomben

Dirk Krumpholz (l.) und Thomas Hammermann von "Escape Game Siegen" verweilen in den Katakomben Draculas – in der Hoffnung, nicht von der „Hexe“ erwischt zu werden.
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  • Dirk Krumpholz (l.) und Thomas Hammermann von "Escape Game Siegen" verweilen in den Katakomben Draculas – in der Hoffnung, nicht von der „Hexe“ erwischt zu werden.
  • Foto: Jana Albrecht
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

jca Freudenberg/Siegen. Man stelle sich vor, es bleiben gerade einmal 60 Minuten, Dracula aus den Fängen des Hexenkessels zu befreien. Oder 60 Minuten, um alle Zeichen zu entschlüsseln, um dem „Vermächtnis des Uhrmachers als Erbe würdig zu werden“. Man stelle sich vor, dieses Szenario wird „Realität“, und alles, was kommen mag, hängt von einem selbst und den Entscheidungen des eigenen Teams ab: Dann befindet man sich vermutlich in einem „Escape (the) Room Game“ – einem interdisziplinären Arrangement aus Storytelling, Kunst, Musik und einer peniblen Liebe zum Detail innerhalb einer fantastischen Raumgestaltung.
Neu: "Die Erben des Uhrmachers"„Ich selbst nenne es lieber ‚Abenteuer Erleben‘, weil wir natürlich nicht wirklich Menschen in einen Raum einsperren.

jca Freudenberg/Siegen. Man stelle sich vor, es bleiben gerade einmal 60 Minuten, Dracula aus den Fängen des Hexenkessels zu befreien. Oder 60 Minuten, um alle Zeichen zu entschlüsseln, um dem „Vermächtnis des Uhrmachers als Erbe würdig zu werden“. Man stelle sich vor, dieses Szenario wird „Realität“, und alles, was kommen mag, hängt von einem selbst und den Entscheidungen des eigenen Teams ab: Dann befindet man sich vermutlich in einem „Escape (the) Room Game“ – einem interdisziplinären Arrangement aus Storytelling, Kunst, Musik und einer peniblen Liebe zum Detail innerhalb einer fantastischen Raumgestaltung.

Neu: "Die Erben des Uhrmachers"

„Ich selbst nenne es lieber ‚Abenteuer Erleben‘, weil wir natürlich nicht wirklich Menschen in einen Raum einsperren.“ Es gehe vielmehr um das Abenteuer des Rätselns als darum, tatsächlich aus einem Raum auszubrechen, erzählt Timo Nöh vom „MysteRiOOM“ in Freudenberg beim Blick hinter die Kulissen. „Gerade basteln wir an dem neuen Indoor-Raum ‚Die Erben des Uhrmachers‘“, lässt er einen Blick in die entstehende Uhrmacher-Werkstatt zu. Antike Uhren berichten in ihrem Erklingen über vergessene Zeiten. Kerben im Holz lassen nur erahnen, welchen Alters sie tatsächlich sein mögen und welche Geschichten sie hinter ihrer Fassade flüstern.

Adolf Haas und das Gebäude "Zum Knoten"

Mit Liebe zum Detail und tiefgründiger Recherche soll der Raum die Spieler in eine Zeit des klassischen Handwerks eines Uhrmachers versetzen. Wird im Indoor-Teil die Historie des Fachwerkgebäudes „Zum Knoten“ um die Geschichten des einstigen Uhrmachers Adolf Haas wiederbelebt, werden die Outdoor-Missionen „Das Magische Portal“ und „Operation Mindfall“ zum gelungenen Ersatz eines Reiseführers: „Wir konnten so manch Einheimischen an Orte führen, die er noch nicht kannte“, sagt Nöh. Die dazugehörigen Rätsel und die Story werden dabei in einem kreativen Akt selbst entwickelt und konstruiert – „so lange, bis es ein realistisches und schlüssiges Erlebnis wird“.

Welt von Virus befreien - hat nicht geklappt

In den Outdoor-Missionen werden die Kunstrichtungen Fantasy und Science-Fiction zur vermeintlich real erlebbaren Wahrheit. Über ein Holo-Pad wird der Spieler Teil einer fantastischen Welt aus Fabelwesen oder zum Agenten einer kriminalistischen Rettungsaktion, die die Welt – realistischer als ursprünglich geplant – von einem Virus befreien muss. „Na ja, hat leider nicht ganz geklappt“, merkt der gelernte Veranstaltungstechniker mit Blick auf den anhaltenden Lockdown an.

Mit Code in Draculas Arbeitszimmer

Das Treffen mit Dirk Krumpholz und Thomas Hammermann von „Escape Game Siegen“ beginnt in einem unscheinbaren Raum, in dessen „Katakomben“ sich ganz unverhofft das Arbeitszimmer Draculas befindet. „Das gehört zu unserem Konzept und zum Spiel dazu. Nur wer uns findet und den richtigen Codesatz sagt, dem wird Einlass in Draculas Zimmer gewährt“, verrät Dirk Krumpholz. Bevor es eine Wendeltreppe hinunter geht, ergänzt er schmunzelnd: „Na ja, wenn uns die Teilnehmer gar nicht finden sollten, schicken wir ihnen natürlich die Adresse zu.“

Wappen, Porträts, Totenkopf und Knochen

Seit 2015 basteln und konstruieren die beiden Freunde leidenschaftlich neue Räume – stets bedacht, diese so realistisch und perfektionistisch wie nur möglich zu gestalten. Schnell wird deutlich, wie viel Detailarbeit in den imitierten Steinwänden steckt. „Wir haben die Wände aus Styropor selbst geschnitzt. Bemalt haben sie befreundete Künstler“, bemerkt Krumpholz, als er die fein gezeichneten Linien des Gewölbes nachfährt. Die mysteriös wirkenden Wände mit eingeschnitzten Wappen und Porträts lassen den Gast in eine Welt von Mythos, Zauber und Gruft-Atmosphäre eintauchen. Beim Betrachten der im Raum befindlichen Überreste einer Totenkopf-Nachbildung und vermeintlichen Knochenteilen kommen Gruselfans auf ihre Kosten.

Die Hexe kommt näher - das hört man

Neben der Raumgestaltung legt das Duo Wert auf ein authentisches Sound-Setting: Beim Versuch, Dracula aus dem Hexenkessel zu befreien, um nicht selbst Gefangener zu werden, ertönt alle paar Minuten ein akustisches Signal, welches das Näherkommen der Hexe imitiert. Setting, Sound, das Spiel mit Licht und Schatten, Actio und Reactio, Nachdenken, Kombinieren sowie schlüssige Story sind die Schlüssel zu einem erfolgreichen „Escape Game“, betonen Krumpholz und Hammermann.
„Ein weiterer Raum ist bereits fertig – wir warten quasi nur noch auf den Startschuss, um unseren Fans ‚Die Verschwörung der Zuckerindustrie‘ endlich präsentieren zu dürfen. Da trifft Charlies Schokoladenfabrik auf Kirmes-Zuckerstangen, wenn man so will.“

Schauspieler soll ins Spielgeschehen einführen

Auch hier bleiben die beiden ihrer Tradition der „Vorstory“ treu und überraschen die Teilnehmer bereits 24 Stunden vor dem tatsächlichen Spielbeginn. Womit? Das wird natürlich nicht verraten. Außerdem soll die Vorstory um den Aspekt der sogenannten vierten Generation der „Escape Games“ erweitert und der Spieler im Vorraum über eine reale Figur in Form eines Schauspielers in das Spielgeschehen eingeführt werden. Bis die „Zuckerfabrik“ betreten werden kann, setzen die „Macher“ während des Lockdowns weiterhin auf die Online-Version „Al’s Hinterzimmer“. „Das ist quasi ein Real-alive-Computerspiel“ beschreibt Thomas Hammermann das Online-Erlebnis, bei dem der Spielmaster – mit Dashcam ausgestattet – durch den Raum gelotst wird.

Digital und analog vor Ort - nach Corona

Obgleich fortschreitende Digitalisierung die „neue Normalität“ ist und vermutlich auch nach Corona aufrechterhalten wird, hoffen Nöh, Krumpholz und Hammermann, Rätselfans bald wieder analog begrüßen zu können. „Einmal hatten wir sogar einen Heiratsantrag in Draculas Zimmer. Da haben wir den Raum noch angepasst, und am Ende wurden die Eheringe gefunden“, erinnert sich Hammermann an vergangene Normalität – in der Hoffnung, diese bald wieder (er-)leben zu können.

Dirk Krumpholz (l.) und Thomas Hammermann von "Escape Game Siegen" verweilen in den Katakomben Draculas – in der Hoffnung, nicht von der „Hexe“ erwischt zu werden.
Timo Nöh packt seinen Missions-Koffer, um in geheimer Aktion die Stadt Freudenberg von einem Virus zu befreien.
Autor:

Redaktion Kultur

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