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Bruchwerk-Theater wagt einen Ausblick
Hoffen auf ein blaues Auge

Resümieren in alten Kulissen: Tim Lechthaler und Milan Pešl  (v. l.) berichteten über das Bruchwerk-Theater in Zeiten der Pandemie und seine Pläne.
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pebe Siegen. „Bruch Meat“ liegt in großen weißen Lettern auf dem Boden des Siegener Bruchwerk-Theaters. „Wir haben aus unserem Namen immer wieder neue Anagramme mit Bezug zur Krise gelegt“, erklärt Geschäftsführer Tim Lechthaler. Dass beim Hinweis auf die Skandale in der Fleischverarbeitung das „W“ zu einem „M“ wurde, ist kreativ – und ändert die Sichtweisen. „Brache Meute“, ergänzt Milan Pešl als künstlerischer Leiter lachend, habe zuvor dort gelegen, ein bissig humoriger Hinweis auf das Fehlen des Spielbetriebs. Pešl und Lechthaler bilanzierten am Dienstag die zu Ende gehende Spielzeit 2019/20, die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit der Studiobühne an der Siegbergstraße in dieser Zeit und die Pläne für einen vielleicht entspannteren Herbst.

pebe Siegen. „Bruch Meat“ liegt in großen weißen Lettern auf dem Boden des Siegener Bruchwerk-Theaters. „Wir haben aus unserem Namen immer wieder neue Anagramme mit Bezug zur Krise gelegt“, erklärt Geschäftsführer Tim Lechthaler. Dass beim Hinweis auf die Skandale in der Fleischverarbeitung das „W“ zu einem „M“ wurde, ist kreativ – und ändert die Sichtweisen. „Brache Meute“, ergänzt Milan Pešl als künstlerischer Leiter lachend, habe zuvor dort gelegen, ein bissig humoriger Hinweis auf das Fehlen des Spielbetriebs. Pešl und Lechthaler bilanzierten am Dienstag die zu Ende gehende Spielzeit 2019/20, die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeit der Studiobühne an der Siegbergstraße in dieser Zeit und die Pläne für einen vielleicht entspannteren Herbst.

Shutdown machte "richtig Bauchscmerzen"

Der Shutdown habe das Theater genauso getroffen wie die gesamte Kulturszene des Siegerlandes, berichtet Pešl , der Shutdown habe auch den Verantwortlichen im Bruchwerk-Theater „richtig Bauchschmerzen“ gemacht. Dennoch habe schnell Einigkeit darin bestanden, „dass wir diese Zeit künstlerisch befragen wollen“. Man habe sich dann für die digitale Lösung entschieden und schon bald den ersten Stream produziert. Das Erlebnis sei beeindruckend gewesen, so Pešl, von der neuen Form bis hin zu Ansätzen einer austauschfreudigen digitalen Community. Also planten die Theatermacher weitere Abende: die Quarantäne-Stream-Reihe „Endzeitdekadenz“.
„Mit Zukunftsangst und dem Nicht-Vorhandensein von Publikum haben wir jede Woche eine kleine Premiere aus dem Boden gestampft. Das zehrt.“ Die Wochen seien mit der Vorbereitung ausgefüllt gewesen, doch an den Aufführungstagen habe sich gezeigt: „Es ist gut, aber es ist kein Theater! Das braucht die Präsenz des Publikums, den energetischen und Gedankenaustausch.“ Unabhängig von seinen künstlerischen Grenzen sei das Streaming ein „spannendes Experiment“ gewesen. Schließen wird das Bruchwerk-Theater das Angebot mit der vom Online-Publikum gewünschten Wiederholung von „Atem“ mit anschließender „großer Talkrunde“.

Dank an viele Spender

Die Beschäftigung sonst einnahmenloser Künstler sei bei den Streamings ein wichtiger Aspekt gewesen, betonen beide, „und wir haben alle Engagierten bezahlt – über Spenden, das hat funktioniert“. Über das unerwartet große Maß der Spendenunterstützung hinaus habe das Theater auch auf die Soforthilfe NRW zurückgreifen können, die die Kosten des Hauses aufgefangen habe. Auch der Vermieter sei eingesprungen und habe zugesagt, eine Monatskaltmiete auszusetzen. Dankbar erwähnen sie die bewilligten Projektfördermittel der „Regionalen Kulturpolitik NRW“ des Regierungsbezirks Arnsberg, die eine „substanzielle Unterstützung“ bedeuteten.
Bis zum Ende der Spielzeit am 11. Juli verfolgt das Theater noch drei Projekte: Die Begleitung des 12.-Klasse-Spiels der Rudolf-Steiner-Schule, in der das Buch „Christiane F.“ als Hörspiel erarbeitet werden soll, mit der Siegener Therapieeinrichtung LaVie sei eine Ideenwerkstatt zum Thema „Aufregen“ geplant, und am 11. Juli soll ein Performance-Projekt mit Jugendlichen über das Vertrauen in soziale Medien aufgeführt werden.

Hoffnung auf besseren Herbst

Und schließlich der hoffnungsvolle Blick in Hochsommer und Herbst: Am 11. August sollen die Proben für die nächste Produktion beginnen. Auf dem Plan steht „Fische“, ein Theaterstück von Nele Stuhler über die Unmöglichkeit zweier Individuen – Fisch und Mensch –, zueinander zu kommen und zu lieben, über den Kampf um dieses Wollen und die Unterschiedlichkeit der Individuen, umreißen die beiden das Projekt. Spielen werden Irina Ries und Lisa Sophie Kusz, die schon in „Beben“ zu sehen waren.
„Es ist gewagt zu hoffen, dass wir am 18. September Premiere haben“, sagt Lechthaler. Pešl meint: „Dann sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Ein Bühnenstück braucht Zuschauer – unter den derzeitigen Bedingungen könnten gerade einmal neun von ihnen im Haus Platz nehmen. „Aber selbst, wenn alles freigegeben wäre, hätten wir das Haus wohl noch nicht voll“, mutmaßt Pešl .
Starten sollen im August übrigens auch die Workshops, die Stücke „All das Schöne“ und „Heute Abend: Lola Blau“ sollen im September und Oktober wieder aufgenommen werden. Außerdem ist für Dezember ein „partizipatives Stück mit der Tollmut-Truppe“ geplant.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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