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Anette Schäfer im SZ-Gespräch über die Entstehung ihrer Romane
„Ich liebe einfach Krimis“

Anette Schäfer und ihr „Schnuck-Notizbuch“: Beim Schreiben braucht sie auch Nervennahrung!
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gmz - In Zeiten von Corona haben die Menschen Zeit: Sie wollen die bislang dreiteilige Reihe der Anette-Schäfer-Krimis  ganz lesen.
gmz Siegen.  Eigentlich wäre sie jetzt auf Lesetour, hätte ihren Krimi vorgestellt, wäre in Kontakt mit ihren Leserinnen und Lesern getreten. Anette Schäfer hatte schon viele Termine festgezurrt, um in Bibliotheken, in Eventlocations, Buchhandlungen oder an anderen Orten ihren dritten Siegerland-Krimi „Entzweit“ (Druck: Vorländer) vorzustellen. Wegen Corona fällt das alles bekanntermaßen aus. Was macht eine Autorin, ein Autor, wenn sie/er nicht vorlesen kann? Sie/Er schreibt.

gmz - In Zeiten von Corona haben die Menschen Zeit: Sie wollen die bislang dreiteilige Reihe der Anette-Schäfer-Krimis  ganz lesen.
gmz Siegen.  Eigentlich wäre sie jetzt auf Lesetour, hätte ihren Krimi vorgestellt, wäre in Kontakt mit ihren Leserinnen und Lesern getreten. Anette Schäfer hatte schon viele Termine festgezurrt, um in Bibliotheken, in Eventlocations, Buchhandlungen oder an anderen Orten ihren dritten Siegerland-Krimi „Entzweit“ (Druck: Vorländer) vorzustellen. Wegen Corona fällt das alles bekanntermaßen aus. Was macht eine Autorin, ein Autor, wenn sie/er nicht vorlesen kann? Sie/Er schreibt. Die SZ will es genau wissen und fragt exemplarisch bei Anette Schäfer nach, die bisher drei Krimis veröffentlicht hat, mit Hauptkommissar Holger Stein, Kommissarin Johanna Daub, deren Lebensgefährten Daniel Treude sowie ihrem Wittgensteiner Pendant Clara Sonneborn („Abgelehnt“, „Gekrönt“ und „Entzweit“) in den Hauptrollen. Dazu kommt ein Liebesroman („Ein Herz und ein Krönchen“).
Corona bremse sie im Moment bei ihrer Recherche für den nächsten Krimi ein wenig aus: Sie müsse sich dringend in einem Altenheim umschauen, um darüber schreiben zu können, aber da komme sie im Moment ja nicht rein.

Schäfer möchte ein Gefühl für die Tat-Orte bekommen

Warum ist es wichtig, dass sie einen Ort, den sie im Krimi beschreibt, selbst gesehen hat? Selbst wenn der Ort dann keine große Rolle in der Geschichte spiele, antwortet sie, wolle sie immer ein Gefühl für den Ort haben, ein Gefühl dafür, was man tatsächlich aus dem Fenster sehen kann, wie ein Raum wirkt oder auch einfach, ob das stimmt, was sie schreibt. In ihrem zweiten Krimi, „Gekrönt“, in dem es um Morde an Bräuten geht, saß sie vor dem Rechner und ließ das Brautpaar den Mittelgang der Freudenberger Kirche hinabschreiten. Und fragte sich dann dabei: „Hat die Freudenberger Kirche überhaupt einen Mittelgang?“ – Wenn man einen Regionalkrimi schreibt, weiß Anette Schäfer, müssen solche Details stimmen, denn Teil des Charmes der lokalen Krimis ist ja, dass der Leser sich auch auskennt und sich in der Geschichte wiederfindet. Ungereimtheiten stören dort! – Sie vereinbarte also einen Termin mit dem dortigen Pfarrer, sah sich in der Kirche um, deren Bankreihen übrigens durchgehen, und nahm von dort nicht nur diese wichtige Information mit, sondern erfuhr auch noch andere Details über die Kirche. Pfarrer Thomas Ijewski zeigte ihr zum Beispiel einen völlig unbekannten, verdeckten Hintereingang, der in dem Krimi „Gekrönt“ dann eine wichtige Rolle spielt.

Geschichte entwickelt sich beim Schreiben

So, fährt sie fort, entwickelten sich die Geschichten auch beim Schreiben: „Man wird in die Geschichte geschoben!“ Das ist eine Erfahrung, die sie immer wieder macht. Informationen entwickeln zwar kein Eigenleben, wohl aber eine Eigendynamik, die den Fortgang der Erzählung beeinflusst. Manchmal muss sie die Storyline auch ändern, weil die Fakten es verlangen. Ihrem Krimi „Entzweit“ wollte sie ursprünglich um die Entführung eines Babys aufbauen, bis sie aber beim Schreiben merkte, dass es viel zu kompliziert sei, ein Baby zu entführen, mit dem Betreuungsaufwand, den es erfordert. Also wurde ein siebenjähriger Junge daraus … Der übrigens in Wittgenstein wieder auftaucht, womit Anette Schäfer ihren kriminalistischen Aktionsradius zum ersten Mal ins Wittgensteiner Land ausdehnt und im dritten Krimi eine neue Hauptfigur, eben Clara Sonneborn, einführt. Wie es mit ihr wohl weitergeht? Sie schwelgt ja sehr gerne in Sprichwörtern und Redewendungen. Warum verleiht sie einer Figur einen so ungewöhnlichen und distinktiven Zug? Weil sie sich selbst sehr für Redewendungen und Sprichwörter und ihre Historie interessiere, verrät Anette Schäfer …
Ins Wittgensteiner Land ist sie übrigens auch durch einen „Informationszufall“ gekommen. Im zweiten Krimi wird Holger Stein, der väterliche Ermittlerfreund von Johanna Daub, durch einen Schuss in den Oberschenkel schwer verletzt. Und Anette Schäfer fragte sich, als sie das dritte Buch plante: „Was mache ich jetzt mit dem?“ Als sie durch Zufall erfuhr, dass es in Wittgenstein eine Reha-Klinik für genau solche Patienten gibt, war klar: Der geht dorthin! Ein zweiter Ermittlungsort ist geboren, neue Figurenkonstellationen nehmen den Leser mit auf andere Wege.

Figuren haben auch ein Eigenleben

Das passiere ihr immer wieder, berichtet sie. Sie habe zum Beispiel schon „erlebt“, dass sich ein ganz normaler Dialog ihrer beiden Ermittler zu einem handfesten Streit ausgewachsen habe, der es unmöglich mache, die beiden gemeinsam zu Nachforschungen loszuschicken. Also habe sie sie getrennt losfahren lassen, zu unterschiedlichen Zielen, wo beide verschiedene Erkenntnisse gewonnen hätten, die sie dann wieder zusammenführen konnte: „Da kann man gar nichts zu“, als Autorin, meint sie mit einem Lachen. Auf diese Art von Eigenleben ihrer Figuren lässt sie sich oft ein, sie machen den Fortgang lebendig. Und da sie ein gutes Organisationstalent hat (sie war u. a. 13 Jahre lang im Marketing bei der Sparkasse Siegen tätig), kann sie die Stränge auch mühelos wieder zusammenführen.
Vieles entwickelt sich also während des Schreibens. Sie weiß aber von Anfang an, wer der Täter ist (manchmal weiß das auch der Leser), seine (oder ihre) Lebensgeschichte hat sie „fest“, damit sie auch immer wieder im Laufe der Erzählung Details einstreuen kann, die die Auflösung des Falls für den Leser am Ende auch plausibel scheinen lassen. Und er sagen kann: „Ach ja …!“
Und was muss man noch besonders beachten beim Schreiben eines Regionalkrimis? „Namen sind schwierig“, sagt Anette Schäfer. Die Namen der „Guten“ sind leichter, manch einer freut sich, wenn sein oder ihr Name in Anette Schäfers Krimi auftaucht. Zum Beispiel nutzt sie den Namen einer Person, die ihr bei der Recherche geholfen hat, im Roman – eine Form von Dank. Aber wie ist das mit den Bösewichten oder Unsympathen? Da geht sie die Liste ihrer Verwandt- und Bekanntschaften sehr sorgfältig durch, um nicht den Eindruck zu erwecken, die Wahl des Namens eines Bösewichts sei eine Aussage von Anette Schäfer über die ihr bekannte Person. Oder sie fragt nach, wie im Fall einer Unsymphatin im Buch, für die sie den Namen ideal fand, den zufällig auch eine Verwandte trägt. Aber die hatte nichts dagegen, dass „ihr“ Name so im Buch auftaucht.

Ein "Tatort" und eine Lesung

Auch mit den Orten, an denen Morde geschehen, sei sie vorsichtig, verrät sie. Den Besitzer des Zollpostens, an der gleichnamigen Haltestelle unterhalb der Ginsburg, fragte sie, ob sie den dazugehörigen Wanderparkplatz als Tatort „nutzen“ könne. Der hatte nichts dagegen und schlug den Wanderparkplatz sofort als einen Ort für eine besondere Lesung vor.
Ihre Krimis inspirieren also. Und sie selbst wird manchmal durch kleine Episoden, Fragen, Erlebnisse zu einem „Kriminalfall“ angeregt. Eine Verwandte, die jahrelang als Hostess bei Events der Sparkasse Siegen gearbeitet hat, erzählte ihr einmal, dass sie sich in ihrem roten Kostüm ein bisschen wie auf dem Präsentierteller fühle, vor allem, wenn sie zum Beispiel nach der Eröffnungsnacht bei KulturPur, wenn alle Gäste spätabends gegangen sind und das Zelt aufgeräumt ist, in ihrem roten, leuchtenden Kostüm durch den Wald zu ihrem Auto laufe. Anette Schäfers „kriminalistische Fantasie“ setzte sich in Gang, und das rote Kostüm wurde in ihrem ersten Krimi zum „Aufhänger“.
Übrigens auch konkret, denn ihre Lesungen staffiert sie immer mit einem Kleiderständer und dem dazugehörigen Kleidungsstück aus: dem roten Kostüm, dem Brautkleid oder der Kinderkleidung.

Anette Schäfer genießt die Spurensuche

Und warum schreibt sie überhaupt Krimis? Simple Antwort: „Ich liebe einfach Krimis“, sagt sie, „ich mag es spannend.“ Sie genieße es, egal ob im Film oder im Buch, auf Spurensuche zu gehen, mitzuermitteln, die verschiedenen Fäden zu entwirren. Als Autorin macht es ihr Spaß, Spuren zu legen, denen die Leser folgen können, mit denen sie die Leser auch verwirren und auf falsche Fährten locken kann. Die Lösung am Ende ist dann irgendwie befriedigend, aber nie simpel …
Und wie ist das mit der Liebesgeschichte, die sie auch geschrieben hat („Ein Herz und ein Krönchen“)? Für eine Hochzeitsrednerin ist es ja nicht erstaunlich, dass sie einen Liebesroman verfasst hat … Eigentlich hatte sie sich vorgenommen, Krimis und Liebesgeschichte im Wechsel zu schreiben, aber stellte dann fest, dass ihr Krimis wichtiger sind.
Nach der Recherche beträgt die reine Schreibzeit drei bis vier Monate. Sie schreibt meist im Winter, weil sie ab Mai dann oft als Rednerin bei Trauungen unterwegs ist. Im Oktober, wenn die Hochzeitssaison vorbei ist, kann sie sich um die Fertigstellung des inzwischen lektorierten und korrigierten Buches kümmern – die Lesetour planen und mit den Recherchen für das nächste anfangen. Auch wenn sie diesmal keine Lesungen veranstalten konnte, weil das Veranstaltungsverbot ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, haben ihre Bücher sich gut verkauft. Viele fingen mit der Lektüre (dazu hat man ja jetzt Zeit) bei ersten Band an, der auch stark nachgefragt sei, sagt sie: Mit dem dritten habe sie sich ein „kleines Standbein“ im Krimisektor erarbeitet, sagt sie. – Gespielt wird demnächst wieder …

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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