Rubenspreisträgerin Bridget Riley wird 90 Jahre alt
"Ich male, um zu sehen!"

Bridget Riley vor ihrer Arbeit „Rajasthan“, die zum ersten Mal in Siegen aufgeführt wurde.
  • Bridget Riley vor ihrer Arbeit „Rajasthan“, die zum ersten Mal in Siegen aufgeführt wurde.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

sz/gmz Siegen. In den 1960er-Jahren fand die in London lebende und arbeitende Künstlerin Bridget Riley, die im Jahr 2012 den Rubenspreis der Stadt Siegen erhielt und mit einer großen, ebenso heiter wie nachdenklich stimmenden und optisch wie gedanklich fordernden Ausstellung im Museum für Gegenwartskunst Siegen (MGKSiegen) geehrt wurde, zu ihrer unverwechselbaren Bildsprache. Sie schuf abstrakte Gemälde in auffallend starken Schwarz-Weiß-Kontrasten, die die Wahrnehmung ihrer Betrachterinnen und Betrachter herausfordern, heißt es in einer Mitteilung des MGKSiegen. Riley möchte grundlegende visuelle Kräfte zur Wirkung bringen. Das Sehen, besser noch, das „Sehereignis“, spielt dabei eine wichtige Rolle. Mit dieser Position erzielte die Künstlerin den internationalen Durchbruch. Riley gehört zweifellos zu den herausragenden Malerinnen unserer Zeit. Ihre Arbeiten sind in den wichtigsten Museen weltweit vertreten. An diesem Samstag wird Bridget Riley 90 Jahre alt.

MGK und Stadt Siegen senden Glückwünsche

Zu diesem Ehrentag senden Museum für Gegenwartskunst Siegen und Universitätsstadt Siegen gemeinsam Glückwünsche und einen Blumengruß nach England. Die Künstlerin liebt weiße Blumen und wird ihren Geburtstag in Cornwall verbringen. Riley hatte bei der Rubenspreisverleihung und noch einmal zwei Jahre später, bei der Eröffnung ihrer Wandarbeit „Quiver“, mit ihrem englischen Charme das Siegener Publikums begeistert. Bridget Riley, so die einstimmige Meinung aller Gratulanten, ist nachhaltig in Erinnerung geblieben.

"Rajasthan" erstmals im MGKSiegen aufgeführt

Anlässlich der Ausstellung zum Rubenspreis ließ die Engländerin im MGKSiegen erstmals ihre Wandarbeit „Rajasthan“ aufführen: Schwingende, schwebende Rot-Orange-Grün-Formen tanzten an der und über die Wand, nahmen den Betrachter mit in die Erfahrung von Raum, Licht und Farbe. Ihre Assistenten brachten diese und andere Arbeiten in den Räumen an, lange Zeit befand sich eine großformatige, strenge Arbeit in Schwarz-Weiß in der Eingangshalle über dem Eingang und nahm die Besucherinnen und Besucher in einen Entdeckungsflug hinein. Oder war es eine mathematische Gleichung? „Natur“, sagt sie damals, interessiere sie nicht als Landschaft, sondern als „Zusammenspiel visueller Kräfte“, Farbe und Form seien dabei „elementare Identitäten“, die von deskriptiven und funktionellen Rollen befreit sind. Farbenwerden deshalb zunächst in elementaren Linien dargestellt, als Streifen nebeneinander gestellt. Von da aus entwickelten sich weitere Formen, die die Bewegung mit ins Bild nahmen. Sie male schließlich, sagte sie bei der Pressekonferenz zur Ausstellung, „um zu sehen“. Und das Sehen-Lernen wolle sie auch vermitteln, sagte sie in ihrem Dank für den Preis.

22 Rileys in der Sammlung Lambrecht-Schadeberg

22 Werke von Riley gehören aktuell zum Bestand der Sammlung Lambrecht-Schadeberg des MGKSiegen. Neben frühen Schwarz-Weiß-Gemälden umfasst die Sammlung Arbeiten aus allen wichtigen Schaffensphasen. Bereits in den 1970er- Jahren überführte Riley das künstlerische Spiel mit Kontrasten und rhythmisch gesetzten Formen in die Farbe, um in ihrem Spätwerk, beispielsweise für großformatige Wandbilder, wieder zum alles dominierenden Schwarz-Weiß-Kontrast des Frühwerks zurückzukehren. Liebhaberinnen und Liebhaber ihrer Kunst können sich trotz Corona-Schließung diese Werke im Sammlungsbereich der Museums-Website ansehen: www.mgksiegen.de.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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