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Egbert Hohmann arbeitet mit großen Masken
Identität und andere Zustände

Unterschiedliche Masken-Arbeiten aus fast elf Jahren umgeben Egbert Hohmann in seinem Atelier. Immer noch ist der Künstler fasziniert von ihnen und dem grundsätzlichen Thema dahinter: der Identität.
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  • Unterschiedliche Masken-Arbeiten aus fast elf Jahren umgeben Egbert Hohmann in seinem Atelier. Immer noch ist der Künstler fasziniert von ihnen und dem grundsätzlichen Thema dahinter: der Identität.
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

pebe Siegen. Die lebensvollen Augen faszinieren, schauen auf den Besucher im Atelier und doch auch über ihn hinweg. Fast fotografisch genau sind sie gemalt, das noch nicht fertiggestellte Gesicht füllt beeindruckend die Leinwand. Und zwar bis in die Konturen, der Umriss ist aus vielen gesägten Dachlattenstücken geformt. Das Gesicht zeigt sich damit als überlebensgroße Maske – oder ist es ein Porträt?Es handele sich durchaus um Masken, nicht um Porträts, erklärt Dr. Egbert Hohmann, während er Farbe für die Feinarbeit an Augen und Fältchen abmischt. Aber, schränkt er ein, „es sind nicht die Personen, die abgebildet werden.“ An den Wänden seines Ateliers „Freiraum“ in der Siegener Hinterstraße hängen weitere dieser Arbeiten, und manche der Dargestellten scheinen sofort identifizierbar.

pebe Siegen. Die lebensvollen Augen faszinieren, schauen auf den Besucher im Atelier und doch auch über ihn hinweg. Fast fotografisch genau sind sie gemalt, das noch nicht fertiggestellte Gesicht füllt beeindruckend die Leinwand. Und zwar bis in die Konturen, der Umriss ist aus vielen gesägten Dachlattenstücken geformt. Das Gesicht zeigt sich damit als überlebensgroße Maske – oder ist es ein Porträt?Es handele sich durchaus um Masken, nicht um Porträts, erklärt Dr. Egbert Hohmann, während er Farbe für die Feinarbeit an Augen und Fältchen abmischt. Aber, schränkt er ein, „es sind nicht die Personen, die abgebildet werden.“ An den Wänden seines Ateliers „Freiraum“ in der Siegener Hinterstraße hängen weitere dieser Arbeiten, und manche der Dargestellten scheinen sofort identifizierbar. Andere Gesichter entziehen sich dem deutlichen Wiedererkennen, lassen das Maskenhafte deutlicher, zuweilen auch gröber hervortreten.

Foto, Maske bauen, Malen

Das Wiedererkennen ist tatsächlich nur scheinbar leicht. Denn ginge es Hohmann nur um das Konterfei seiner Bekannten und Freunde, könnte er es sich malerisch einfacher machen. So jedoch sind die Arbeitsschritte aufwendiger. Am Anfang steht ein Foto, „Ich fotografiere die Menschen frontal, um das Maskenhafte hervorzubringen“, erklärt er. An einer Arbeitsskizze, die von der fotografischen Vorlage gefertigt wurde, muss er dann die Winkel ausmessen, die anschließend auf die Dachlatten übertragen und akkurat zugesägt werden. Sind die einzelnen Holzteile zusammengefügt, bekommt die Kontur eine „Haut“, das heißt, sie wird mit Leinwand überzogen, die Hohmann anschließend grundiert.
Nach dem Bespannen und Grundieren beginnt der nächste Schritt: das Malen des Gesichts – eben kein Konterfei, auch wenn die individuellen Menschen, deren Einverständnis er sich für die aufwendigen Arbeiten eingeholt hat, als „Katalysatoren“ für einen spezifischen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsprozess dienen.

Eine gewisse Unschärfe in der Identität

Was ist das Besondere, Eigenartige an einer Maske? Hohmann überlegt kurz: „Es geht um Identität“, erklärt er dann. „Weder ein Foto noch eine Maske ,sind’ diejenigen, die dort abgebildet werden. Die eigentliche Identität ist zu ,verwaschen’“, sie habe eine Unschärfe ähnlich der in der Quantenphysik gemeinten. Identität „fluktuiere“, sei ein „überlagerter Zustand“. „Ich finde es schön, dass das alles nicht so genau ist.“ Wenn er die Masken malt, „dann verarbeite ich Wahrnehmung“.Masken, seien sie klassisch oder modern, haben mehrere Leben: eines, das ihnen durch ihre Gestaltung innewohnt, aber auch eines, das ihre möglichen Träger ihnen zusätzlich verleihen, das also durch sie „hindurchtönt“, was im lateinischen Begriff „persona“ für „Maske“ sogar zum Bezeichnungsmerkmal geworden ist. „Ja“, nickt, Egbert Hohmann, „aber der Maskenträger ist nur der Träger, er leiht dem, was in der Maske konzentriert ist, seine Lebendigkeit.“

Bilder bringen Betrachter in Bewegung

Für einen klassischen Einsatz auf der Bühne sind Hohmanns Masken zu groß. Das darf jedoch als ein Hinweis auf die Vieldimensionalität gewertet werden, die hier ins Spiel kommt: Es wird etwas ins Material, hier: auf die Leinwand projiziert, das mit Persönlichkeit und Wesen zu tun hat. Zugleich ragt es, spürbar gemacht durch seine Größe, über die Leinwand hinaus und fordert deutlich Raum für sich ein. Das ist dann ein Prozess, der rasch ins Dialogische hineinreicht: Mit wem habe ich es zu tun? Wer blickt mir da entgegen? Und: Wer bin ich, wenn ich dem mir Entgegenblickenden gegenübertrete? Hohmann bestätigt das: „Die Bilder bewegen sich nicht. Aber sie bewegen etwas im Betrachter.“ Und wie geht es ihm selbst im „Dialog“ mit seinen Masken? Der Künstler und Arzt schaut sich um: Er wisse noch genau, welche Gefühle er beim Erarbeiten der Masken hatte, meint er dann. Dazu komme die Intuition „aus dem Nichts“, die Masken zu machen. Die Fotovorlage zu befolgen, sei ein „ganz eigener Prozess“, in dem es darum gehe, „möglichst nah ans Bild drankommen für die Illusion: Das ist Person A oder B.“

Früher war mehr Abstraktion

Dass das „Durchtönen“ des „Wesens“ nicht auf Personen im menschlichen Sinn beschränkt bleibt, zeigen frühere Masken des Künstlers, die sich zum Beispiel mit den Elementen (Feuer, Wolken/Wasser oder Wind) beschäftigen. Hier sprechen sich ganz andere „Wesenszüge“ aus. Nachdenklich und „ferner“, distanzierter kommen zudem die frühen Personenmasken daher, in denen abstrahierende Elemente noch eine wichtige Rolle spielen, in denen auch das „Durchtönende“ mit hölzernen Augen- oder Mundöffnungen stärker akzentuiert wurde.

Kräftiger und feiner Humor ist dabei

Immer wieder blitzt in seinen Arbeiten ein kräftiger, aber auch feiner Humor auf: Da schmiegen sich zwei „Kartoffeln“ aneinander – eigentlich heißt die Arbeit „Paarmaske“, aber er habe sie schnell als „verliebte Kartoffeln“ bezeichnet, lacht Egbert Hohmann –, oder da krümmt sich provozierend irreal eine signalgelbe Banane. Es gibt viel zu entdecken und zu schmunzeln. Der Künstler hat einige seiner Arbeiten im vorigen Jahr im Schaufenster der Bibliothek Kreuztal ausgestellt. Und sucht jetzt nach Räumlichkeiten, die groß genug sind, um mehr vom mittlerweile großen Maskenensemble zu präsentieren und so einen Raum zu schaffen, in dem die Betrachtenden angesehen werden und auch sich selbst anschauen können...

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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