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Neuer Krimi "Kein Feuer kann brennen so heiß"
Ingrid Noll: "Frauen morden mit List"

Sex, Liebe, Lügen, Eifersucht, Enttäuschung – Bestsellerautorin Ingrid Noll spart in ihren Romanen nicht an Emotionen. Da macht auch der Krimi „Kein Feuer kann brennen so heiß“ keine Ausnahme.
  • Sex, Liebe, Lügen, Eifersucht, Enttäuschung – Bestsellerautorin Ingrid Noll spart in ihren Romanen nicht an Emotionen. Da macht auch der Krimi „Kein Feuer kann brennen so heiß“ keine Ausnahme.
  • Foto: Diogenes/Renate Barth
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

la Siegen/Weinheim/Zürich. Anruf in Weinheim an der Bergstraße, bei der Grande Dame der deutschen Krimi-Literatur mit Millionen-Auflage in 27 Sprachen: Ingrid Noll. Der Grund: Die vitale Autorin, im vergangenen Herbst ist sie 85 Jahre alt geworden, hat ihren neuen Kriminalroman „Kein Feuer kann brennen so heiß“ auf den Buchmarkt gebracht. Und der hat wie immer alle Chancen, sich auf den vorderen Plätzen der Buchcharts zu platzieren. „Ach“, sagt Ingrid Noll, „Sie rufen aus der Rubensstadt an!“ Sie war schon mal in Siegen, nicht zur Lesung, sondern um eine Schulfreundin, die Professorin für Romanistik an der Uni Siegen war, zu besuchen. „Wir hatten Klassentreffen in Bad Godesberg, und da bin ich mit dem Auto über Siegen gefahren und habe sie abgeholt.

la Siegen/Weinheim/Zürich. Anruf in Weinheim an der Bergstraße, bei der Grande Dame der deutschen Krimi-Literatur mit Millionen-Auflage in 27 Sprachen: Ingrid Noll. Der Grund: Die vitale Autorin, im vergangenen Herbst ist sie 85 Jahre alt geworden, hat ihren neuen Kriminalroman „Kein Feuer kann brennen so heiß“ auf den Buchmarkt gebracht. Und der hat wie immer alle Chancen, sich auf den vorderen Plätzen der Buchcharts zu platzieren. „Ach“, sagt Ingrid Noll, „Sie rufen aus der Rubensstadt an!“ Sie war schon mal in Siegen, nicht zur Lesung, sondern um eine Schulfreundin, die Professorin für Romanistik an der Uni Siegen war, zu besuchen. „Wir hatten Klassentreffen in Bad Godesberg, und da bin ich mit dem Auto über Siegen gefahren und habe sie abgeholt.“

"Was wurde lange unter den Teppich gekehrt?"

Mit Ingrid Noll, die in Shanghai geboren wurde, weil ihre Eltern nicht im Nazi-Deutschland leben wollten, und die nach dem Abitur in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte studierte, am Telefon zu plaudern, ist genauso ein Vergnügen wie ihre Bücher zu lesen. Die Mutter dreier erwachsener Kinder und vierfache Großmutter kam erst zum Schreiben von Kriminalgeschichten, als die Kinder das Haus verlassen hatten. „Wer Krimis schreibt“, so die Autorin, „der muss auch irgendwann morden! Doch eigentlich geht es in meinen Büchern immer um die psychischen Befindlichkeiten von Frauen und die Fragen, warum macht man so etwas, wie kommt es dazu und was sind die Gründe? Was wurde vielleicht lange unter den Teppich gekehrt, bis es plötzlich eskalierte?“

Auch Lorina löst Probleme mit Mord

Denn die Damenwelt der Ingrid Noll löst ihre Probleme überwiegend mit Mord. Wie die 30-jährige Altenpflegerin Lorina in ihrem aktuellen Krimi. Sie kann kochen, sie kann anpacken. Nur eine Schönheit ist sie nicht. Eher etwas plump und ungeschickt. Ihr Vater nennt sie auch „Plumplori“ – nach der stämmigen Affenart mit den Glubschaugen. Deshalb hat sie einen Beruf gewählt, bei dem es nicht auf Schönheit ankommt, und findet eine Anstellung bei der reichen, pflegebedürftigen Frau Alsfelder. Ein Glücksfall, nicht nur was das Finanzielle betrifft, denn zu der alten Dame kommen Masseure, deren Hände nicht nur heilen, sondern auch erotisieren.

Boris hat mehrere Eisen im Feuer

Wie der singende Boris. Ein kleiner, drahtiger Kerl, der nichts anbrennen lässt, weder die Spiegeleier zum Frühstück noch die Avancen der Altenpflegerin. Nur zu dumm, dass Boris noch mehr Eisen im Feuer hat und auch noch verheiratet ist. Und es kommt, wie es kommen muss, Boris verunglückt, als er am Steuer seines Wagens einschläft. Nicht rein zufällig!
Doch mit Ruben Crauth steht schon ein neuer Masseur „auf der Matte“: jung, schüchtern und unerfahren. Aber mit ungeahnten Qualitäten, was das Rezitieren von Balladen betrifft. Kein Glück ist allerdings vollkommen, denn da ist noch der misstrauische Großneffe Christian, den die Damen im Hause Alsfelder nur den Erbschleicher nennen.

Schon immer Interesse für graue Mäuse

„Ich mag diese skurrilen Typen“, sagt Ingrid Noll. „Mich haben immer die grauen Mäuse interessiert.“ Es sind Frauen, die nicht im Vordergrund stehen und nach außen unscheinbar sind. Und diesen Schutzschirm gilt es zu knacken. Denn auch Lorina ist eine Frau, die starke Minderwertigkeitskomplexe hat. „Sie findet sich selbst ziemlich hässlich. Was nicht unbedingt stimmen muss. Man sieht ja immer nur, was man über sich selber denkt. Aber das müssen andere nicht unbedingt sehen.“

"Frauen morden anders als Männer"

Die Heldinnen der Ingrid Noll haben ein Händchen dafür, sich in den falschen Mann zu verlieben, und wenn sie dann enttäuscht werden, lösen sie die Enttäuschung auf ihre Art. „Frauen morden anders als Männer“, sagt Ingrid Noll, „sie greifen nicht zur Axt und prügeln sich nicht im Wirtshaus. Wenn es schon sein muss, dann gebrauchen sie mehr List.“

Thema Altenpflege lag auf der Hand

Die Altenpflege in „Kein Feuer kann brennen so heiß“ zu thematisieren, ist für die Weinheimerin kein unbekanntes Terrain. „Meine Mutter ist 106 Jahre alt geworden und hat seit ihrem 90. Lebensjahr bei uns gewohnt. Da sind wir irgendwann ohne mobile Altenpflege nicht mehr ausgekommen.“

Glücklich mit Diogenes

Ihren ersten Roman „Der Hahn ist tot“, gleich ein Bestseller, hat sie noch im Urlaub mit der Hand geschrieben und zu Hause abgetippt. Hat sie je damit gerechnet, dass sie die erfolgreichste deutsche Krimi-Autorin würde? „Nie im Leben. Ich dachte nicht, dass das Buch gedruckt würde. Ich bin in meine Buchhandlung gegangen, habe mir zehn Verlagsadressen herausgesucht und dann mein Manuskript an Diogenes in Zürich geschickt, weil ich mehrere Diogenes-Bücher im Schrank hatte und dachte, die verlegen auch Patricia Highsmith.“
Verleger Daniel Keel nahm das Manuskript sofort an, und ein neuer Stern am Krimihimmel war geboren. „Ich habe einfach“, sagt die Autorin, „Glück gehabt. Denn es hätte auch alles anders kommen können.“ Ist es aber nicht. Zum Glück. Sonst könnte man sich nicht alle zwei Jahre auf eine Krimineuerscheinung mit dem schwarzen Humor von Ingrid Noll freuen.

Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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