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Liebesleid und Mordgeschichten
Katja Nix als Tratschweib Magda

Katja Nix alias Magda erzählt bei ihrer Schauspielführung rund ums Obere Schloss „Von Liebesleid und Mordgelüsten“.
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  • Katja Nix alias Magda erzählt bei ihrer Schauspielführung rund ums Obere Schloss „Von Liebesleid und Mordgelüsten“.
  • Foto: Bärbel Althaus
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

ba Siegen. „Sie werden froh sein, wenn Sie wieder im Hier und Jetzt ankommen werden“, verspricht Katja Nix den Teilnehmern, die sich an diesem Sonntagnachmittag im Innenhof des Oberen Schlosses zu ihrer Schauspielführung eingefunden haben. Denn sie plant, sich als Wirtschafterin Magda mit ihnen auf eine Zeitreise ins Jahr 1637 zu begeben. In eine Zeit, in der in Siegen so viel los war, dass die resolute Angestellte viel „Von Liebesleid und Mordgeschichten“ zu erzählen hat. „Kann ich auf eure verschlossenen Münder bauen?“, will sie darum auch vorsichtshalber wissen.Natürlich kann sie das, denn alle Teilnehmer müssen Mundschutz tragen, bevor sie mit Magda in den Schlosspark losziehen, um an markanten Orten den Pikanterien zu lauschen.

ba Siegen. „Sie werden froh sein, wenn Sie wieder im Hier und Jetzt ankommen werden“, verspricht Katja Nix den Teilnehmern, die sich an diesem Sonntagnachmittag im Innenhof des Oberen Schlosses zu ihrer Schauspielführung eingefunden haben. Denn sie plant, sich als Wirtschafterin Magda mit ihnen auf eine Zeitreise ins Jahr 1637 zu begeben. In eine Zeit, in der in Siegen so viel los war, dass die resolute Angestellte viel „Von Liebesleid und Mordgeschichten“ zu erzählen hat. „Kann ich auf eure verschlossenen Münder bauen?“, will sie darum auch vorsichtshalber wissen.Natürlich kann sie das, denn alle Teilnehmer müssen Mundschutz tragen, bevor sie mit Magda in den Schlosspark losziehen, um an markanten Orten den Pikanterien zu lauschen. Fünf geschichtlich relevante Kapitel will Magda aufschlagen, wobei sie zugibt, hier und da „rotzfrech“ etwas dazu erfunden zu haben. Grund genug für ihr Publikum, immer aufmerksam zu bleiben, denn am Schluss der Führung soll aufgeklärt werden, was stimmte und was nicht.

Erste Station: der Rubensbrunnen

Zielstrebig führt Magda die Teilnehmer in den Park – zum Rubensbrunnen, der den Streit der Städte Antwerpen, Köln und Siegen darüber darstellt, wo der Barockmaler Peter Paul Rubens geboren wurde. Hier plaudert sie munter über Wilhelm I., den Prinzen von Oranien und Grafen von Nassau, seine wohlüberlegte Ehe mit Anna von Sachsen und die dunklen Wolken, die sich am Ehehimmel zusammenbrauten, weil Wilhelm ein lockeres Händchen beim Ausgeben der Mitgift seiner Frau bewies. Dass Jan Rubens ihr als Advokat und vielleicht ein bisschen zu enger Freund beistand, womit er den Zorn des Fürsten hervorrief und sein eigenes Leben in Gefahr brachte, lässt Tratschweib Magda zur Höchstform auflaufen.

Schaurig wird's am Hexenturm

So wundert es nicht, dass mancher Parkbesucher sich spontan der Gruppe anschließt, um den spannenden Plaudereien aus Magdas Nähkästchen zu lauschen. Denn beim Hexenturm wird es erneut richtig schaurig, als es um „peinliche Verhöre und Hexerei“ geht. Machte sich doch Else Spies als Witwe von Hennes Spies „der Buhlschaft mit dem Teufel höchstselbst“ verdächtig, weil sie nicht wieder heiraten wollte und sich den Avancen des Bäckers Achenbach widersetzte. Ein offensichtlich unverzeihliches Vergehen, das sowohl Folter als auch den Tod für die vermeintliche Hexe nach sich ziehen konnte, wie Erzählerin Magda zu berichten weiß.

Seufzer am Sackturm

Deutlich liebestoller als Else war die kleine Maria, die sich in den 17-jährigen Schweden Morten verliebte, als schwedische Truppen 1632 die Grafschaft Nassau-Siegen besetzten. Am Sackturm seufzt Magda schwer, als sie an das bittere Liebesleid der Kleinen denkt, die „frisch und rosig wie ein Sommerapfel“ zu ihr kam und sich schließlich unglücklich in den Tod stürzte. Denn Morten dachte nicht im Traum daran, wegen der „katholischen Schlampe“, die sein Kind erwartete, alles aufzugeben. Zumal Eheschließungen zwischen den Konfessionen verboten waren.Bedrückt von diesem Schicksal führt Magda ihre Begleiter weiter zum Lanzengitter vom Herrngarten. Denn Magda weiß, dass Johann Moritz diesen mit einem Gitter einzäunen wollte, um allerlei seltsames Getier dort einzusperren. Angeblich hatte er sprechende Vögel, geschmeidige Tiere mit geflecktem Fell und wilde Indianer mitgebracht von seinen Reisen an den Rand der Erdscheibe.

Buntes Nebeneinander der Konfessionen

Und sie kann noch mehr berichten: von Hütten für die Indianer, von einem Tempel aus weißem Marmor für den Fürsten und von sechs fast nackten brasilianischen Jünglingen. Dass „der Brasilianer“ zudem die von seinem Halbbruder vorangetriebene Rekatholizierung wieder rückgängig machte, während Johann VIII. von Nassau in den Niederlanden und Frankreich kämpfte, führte zu einem bunt gemischten Nebeneinander der Konfessionen in der Burgstraße, wie sie sagt. „Glaubt ihr, dass das gut geht?“, fragt sie ihre andächtig lauschenden Zuhörer am Torwächterhang. Doch wer weiß das schon, wenn nicht einmal Magda es weiß?Allerdings kennt die patente Wirtschafterin noch ein letztes mörderisches Ereignis, das Schaudern verursacht. An der Oberen Marburger Pforte plaudert sie über Friedrich Flender von der Hardt,
einen Kämpfer für Recht und Freiheit, der die Misswirtschaft der Siegener Fürsten kritisierte und es tatsächlich wagte, sich gegen eine von Wilhelm Hyazinth erhobene Strafsteuer zu wehren. Dieses couragierte Verhalten brachte ihn 1707 erst in den Kerker und dann auf den Richtblock, ohne dass er jemals den Anklagepunkt erfahren hätte.

Es folgen weitere Führungen

Die Gäste der Schauspielführung erfahren am Ende der umtriebigen Tratscherei, was der Wahrheit entsprochen und an welchen Stellen Magda den Unterhaltungswert ein bisschen erhöht hat. Wer es auch wissen möchte, sollte an einer der nächsten Führungen (www.siegen-guide.de) teilnehmen, denn die Münder der Teilnehmer bleiben verschlossen – wie versprochen!

Katja Nix alias Magda erzählt bei ihrer Schauspielführung rund ums Obere Schloss „Von Liebesleid und Mordgelüsten“.
Plaudert Geheimnisse aus: Magda (Katja Nix).
Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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