Bruchwerk-Theater streamt dritte szenische Lesung
„Kauf-Land“ will Bewusstsein schaffen

Die szenische Lesung „Kauf-Land“ (im Bild Valentin Stroh und Kyra Lippler) streamte das Bruchwerk-Theater in seiner Reihe „Endzeitdekadenz“.
  • Die szenische Lesung „Kauf-Land“ (im Bild Valentin Stroh und Kyra Lippler) streamte das Bruchwerk-Theater in seiner Reihe „Endzeitdekadenz“.
  • Foto: Veranstalter
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

pav Siegen. „Verkaufen, verkaufen, verkaufen.“ Unter diesem gemeinsamen Motto agieren die Figuren in dem Stück „Kauf-Land“ von Philipp Löhle. Damit zeigte das Siegener Bruchwerk-Theater zum dritten Mal in seinem Quarantäne-Livestream „Endzeitdekadenz“ ein Stück als szenische Lesung. Nachdem es bei der ersten Lesung, „Atem“, um private Sehnsucht nach Nähe und bei dem zweiten Stück, „Nach dem Ende“, um Zerfall und Besitztum ging, hat sich der Kreis mit dem dritten Stück nun am Donnerstagabend thematisch geschlossen.

Konsum aus Sicht der Verkäufer

„Kauf-Land“ – es spielten Valentin Stroh, Kyra Lippler und Milan Pešl – behandelt im Kern den Konsum. Aber nicht etwa aus der Sicht der Konsumenten (für die der Konsum mittlerweile die Erlösung in ein Stück Normalität bedeuten kann), sondern aus der Sicht der Verkäuferinnen und Verkäufer, die mit Konkurrenz und Krisen umgehen müssen und dabei als Speichellecker, Taschenträger, Parkhausauskunft sowie Verkaufsroboter fungieren. Sie benötigen die Kunden als Sauerstoffquelle. Besonders die Figur Tibor, Leiter der Bettenabteilung im Kaufhaus, strahlt eine gewisse Besessenheit und einen Verkaufsrausch aus, der aber aufgrund der fehlenden Kundschaft keine Erfüllung findet. Stattdessen führt er Selbstgespräche mit einer Schaufensterpuppe, die er liebevoll Martin nennt und immer wieder mit dem passenden Schlafanzug bekleidet und auch wieder entkleidet. Doch am Ende muss auch er seinen Platz räumen. Denn das Kaufhaus stirbt.

Experimentelles Lichtkonzept

Mit der Auswahl dieses Stückes wurde wieder die aktuelle Lage befragt und eine „grenzwertige“ Situation aufgezeigt. Mithilfe von transparenten Vorhängen wurden die einzelnen Figuren voneinander abgekapselt. Auch Inventar-Fragmente eines Kaufhauses tauchten auf. Außerdem entstand dieses Mal mithilfe von Farbfiltern der verschiedenen Webcams, mit denen das Stück wieder gefilmt wurde, ein experimentelles Lichtkonzept, das mit einem aufwendig gestalteten Akustikset zusammengeführt wurde.

Nach Talk und "Liebling" in die Sommerpause

In der Hoffnung, dass das Stück gezeigt hat, wie wichtig es doch ist, den Einzelhandel in diesen verrückten Zeiten zu unterstützen und ein neues Kauf-Bewusstsein bei den Konsumenten zu schaffen, freut sich das Bruchwerk-Theater noch auf zwei weitere Veranstaltungen seiner „Endzeitdekadenz“: Am 14. Mai gibt es einen Talk mit Landrat Andreas Müller und Ann-Katrin Drews vom Museum für Gegenwartskunst, in dem es unter anderem um die Überführung von Kunst in eine digitale Form gehen soll. Am 28. Mai folgt dann die Abschlussvorstellung mit einem Publikumsliebling. Noch einmal wird eine der insgesamt drei Lesungen gestreamt, die mithilfe einer Publikumsabstimmung ausgewählt wird. Danach wird sich das Bruchwerk-Theater in die Sommerpause verabschieden, um dann im September (hoffentlich) mit einer neuen Inszenierung auf die Bühne und vor das Publikum zurückkehren zu können.

Autor:

Pauline Vollpert (Freie Mitarbeiterin) aus Siegen

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