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27. Siegener Orgelnacht beschließt den Konzertreigen rund um die „Königin der Instrumente“ in Martini
Klang und Wein und Emotion

Zum Abschlusskonzert der 26. Orgelwochen, der 27. Siegener Orgelnacht, konzertierten Helga Maria Lange, Peter Scholl, Ute Debus, Ulrich Stötzel und Dr. Mathias Scheer (von vorne nach hinten) in Martini zu Siegen.
  • Zum Abschlusskonzert der 26. Orgelwochen, der 27. Siegener Orgelnacht, konzertierten Helga Maria Lange, Peter Scholl, Ute Debus, Ulrich Stötzel und Dr. Mathias Scheer (von vorne nach hinten) in Martini zu Siegen.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

ne Siegen. Alle Jahre wieder schön sind die Konzerte mit Charakter und Tradition, mit treuen Fans und neugierigen Ersttätern, die mit glänzenden Augen nach Hause gehen, die Herzen voll des gerade so berauschend emotional Erlebten. Besonders in ungewöhnlichen Zeiten. Und das Mozart zugeschriebene Bonmot von der „königlichen Orgel“ wird nirgends glaubwürdiger erfahrbar als in einem vielseitigen und abwechslungsreichen Konzert wie in dem zum Abschluss  der Siegener Orgelwochen: in der gar nicht mehr so langen Siegener Orgelnacht. Gleich eine Handvoll hiesiger Manual- und Pedalvirtuosinnen und -virtuosen brachten in fröhlichem Wechsel persönliche Lieblingsstücke und Empfehlungen zu Gehör.
Orgelnacht: Immer am Vorabend des 3.

ne Siegen. Alle Jahre wieder schön sind die Konzerte mit Charakter und Tradition, mit treuen Fans und neugierigen Ersttätern, die mit glänzenden Augen nach Hause gehen, die Herzen voll des gerade so berauschend emotional Erlebten. Besonders in ungewöhnlichen Zeiten. Und das Mozart zugeschriebene Bonmot von der „königlichen Orgel“ wird nirgends glaubwürdiger erfahrbar als in einem vielseitigen und abwechslungsreichen Konzert wie in dem zum Abschluss  der Siegener Orgelwochen: in der gar nicht mehr so langen Siegener Orgelnacht. Gleich eine Handvoll hiesiger Manual- und Pedalvirtuosinnen und -virtuosen brachten in fröhlichem Wechsel persönliche Lieblingsstücke und Empfehlungen zu Gehör.

Orgelnacht: Immer am Vorabend des 3. Oktober

Immer am Vorabend zum Tag der Deutschen Einheit gefeiert, zog es auch in diesem Jahr eine Zuhörerschaft von gut achtzig Interessierten in Siegens älteste Stadtkirche, in der Hauskantor Peter Scholl sie begrüßte. Scholl führte auch kurzweilig durchs knapp zweistündige Programm, lud alle in der (Lüftungs-)Pause zu einem Glas Wein ein und stellte seine Kolleginnen und Kollegen vor, so zu Beginn die Kantorin der Nikolaikirche, Ute Debus, die mit dem Pomposo des 1955 geborenen Andreas Willscher mit einer zeitgenössischen Komposition eröffnete. Nach dem Hamburger Willscher stellte Debus den Schweden Oskar Lindberg (1877–1955) mit einer sanften, romantischen Cantilene vor, das Adagio geriet so schlicht wie ein Kinderlied. Und ließ Raum für ein fast exzentrisches Präludium fis-Moll (BuxWV 146) von Buxtehude in formprägender „Stilus-fantasticus“-Manier, in der strenge Fugenpassagen mit freieren Fantasien und Interludien abwechseln. Ute Debus spielte, wie Orgelfans sich hochbarocken Spielfluss vorstellen: perlend, überbordend agil und flott.

Gut fürs Publikum: Orgel ist gut sichtbar

Läufe und Koloraturen auf den Pedalen zu spielen, erinnert bisweilen an Flamencotanz im Sitzen – schön, dass das Publikum in der Martinikirche die Musizierenden während des Spiels beobachten kann, die Orgel und ihre Spieler nicht im Rücken hat. Peter Scholl konterte auf Socken mit einer ebenso virtuosen Toccata F-Dur (BWV 540) vom Buxtehude-Fan Johann Sebastian Bach, bevor er mit Ulrich Stötzel seinen Amtsvorgänger hinter den Spieltisch bitten konnte.

Orgel- und Vokalmusik: ein enger Zusammenhang

Stötzel, bekannt auch für seine musiktheoretischen wie -geschichtlichen Anmerkungen zu den zu spielenden Stücken, präsentierte eine Auswahl frühbarocker Kompositionen von Heinrich Scheidemann und Samuel Scheidt, die aufleuchten ließen, wie eng die ersten Orgelkompositionen mit der Vokalmusik verbunden waren. Mit der d-Moll-Fantasie (op. 135b von 1915) von Max Reger freilich schloss Stötzel seinen Konzertblock fulminant pathetisch ab: Reger steht eben immer für die spätromantisch und grenzwertig-tonal, zerrissene Musik der Fin-de-siècle-Dystopien.

Piazolla, Buxtehude und Vierne

Nach der Weinpause, auf das beliebte traditionelle Buffet wurde diesmal pandemiepräventionsbedingt verzichtet, spielte Peter Scholl mit dem kurzweiligen, elegischen Stück „Oblivion“ vom Begründer des Tango Nuevo, Astor Piazolla, eine weltliche Komposition mit Drive, die beinahe in die Beine ging. Dr. Mathias Scheer, Organist und 1. Vorsitzender des Bach-Chores, indessen zelebrierte seine Programmauswahl ganz als Hommage an Buxtehude: Nach einer Choralbearbeitung (BuxWV 209) feierte Scheer mit dem Präludium und Fuge d-Moll flirrend-filigrane Norddeutsche Orgelschultradition.
Helga Maria Lange, Dekanatskirchenmusikerin und Kantorin von St. Joseph, nahm die 27. Orgelnacht zum Anlass, an den katholischen Komponisten Louis Vierne zu erinnern, der die französische Orgelmusik im Übergang von 19. zum 20. Jahrhundert wesentlich prägte. Vierne feiert fast auf den Tag genau seinen 150. Geburtstag (8. Oktober 1870), und Helga Lange feierte dies mit dem Publikum und bravourös interpretieren Auszügen aus der 3. Orgelsymphonie (op. 28) vom Klangerneuerer Vierne. – Das Publikum geizte nicht mit lange anhaltendem Applaus, noch vollends im Orgelrausch aus Klang, Atmosphäre und Emotion, und goutierte das prächtige Orgelwochenabschlusskonzert vor dem Feiertag: ein Kulturgenuss aus Klang, Wein und Gänsehaut.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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