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„Die Seele zwischen schwarz und weiß" im Siegerlandmuseum
Kleine zeichnerische Liebhaberstücke aus der Sammlung Pompe

Diese „Landschaft in der Dämmerung“ atmet den Geist, die Stimmung, die Landschaftsvorstellung des 19. Jahrhunderts (von Jocobus-Theodorus Abels).
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  • Diese „Landschaft in der Dämmerung“ atmet den Geist, die Stimmung, die Landschaftsvorstellung des 19. Jahrhunderts (von Jocobus-Theodorus Abels).
  • Foto: Armin Clemens/Siegerlandmuseum
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gmz Siegen. Er hatte ein gutes Auge für Qualität, der niederländisch-belgische Sammler Dr. Kees Pompe. Der Pathologe war leidenschaftlicher Kunstliebhaber, und so trug er Zeichnungen, Grafik und Kunsthandwerk zusammen. Seine Sammlung, die auch schon in Verviers gezeigt wurde, ist derzeit (bis Anfang August) im Sonderausstellungsbereich des Siegerlandmuseums zu sehen, das jetzt endlich, mit telefonischer Anmeldung, auch in echt besucht werden kann. Und es lohnt sich, die kleine, feine Schau mit dem poetischen, vielversprechenden Titel „Die Seele zwischen schwarz und weiß“ anzuschauen.
Denn das Versprechen wird gehalten: Die rund 70 Blätter mit Zeichnungen und Grafik aus dem 17. bis 20.

gmz Siegen. Er hatte ein gutes Auge für Qualität, der niederländisch-belgische Sammler Dr. Kees Pompe. Der Pathologe war leidenschaftlicher Kunstliebhaber, und so trug er Zeichnungen, Grafik und Kunsthandwerk zusammen. Seine Sammlung, die auch schon in Verviers gezeigt wurde, ist derzeit (bis Anfang August) im Sonderausstellungsbereich des Siegerlandmuseums zu sehen, das jetzt endlich, mit telefonischer Anmeldung, auch in echt besucht werden kann. Und es lohnt sich, die kleine, feine Schau mit dem poetischen, vielversprechenden Titel „Die Seele zwischen schwarz und weiß“ anzuschauen.
Denn das Versprechen wird gehalten: Die rund 70 Blätter mit Zeichnungen und Grafik aus dem 17. bis 20. Jahrhundert zeigen die Kraft der handwerklich gekonnten Reduktion „der Welt“ auf die Linie, lassen den Betrachter eintauchen in die Faszination für die „kleine Szene“, die zwischen Vervielfältigung (inhärent in der grafischen Arbeit) und der individuellen, vielleicht flüchtigen, jedenfalls einmaligen Zeichnung steckt.

Blick in die Ausstellung „Die Seele zwischen schwarz und weiß“ im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss. Ein Besuch ist nach telefonischer Anmeldung möglich.
  • Blick in die Ausstellung „Die Seele zwischen schwarz und weiß“ im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss. Ein Besuch ist nach telefonischer Anmeldung möglich.
  • Foto: Armin Clemens/Siegerlandmuseum
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Sammler kauft mit "kleinem Geld"

Der Sammler folgte keinem Programm, sondern kaufte mit „kleinem Geld“, wie Museumsleiterin Prof. Dr. Ursula Blanchebarbe beim Rundgang mit der SZ erläutert, alles, was ihn interessierte und ansprach. Die Blätter bedienen thematisch alle Genres, stammen oft von (in Deutschland) eher unbekannten Künstlern oder sind anonym. „Es sind“, sagt Ursula Blanchebarbe, „kleine Liebhaberstückchen“.

Doppelblatt von zwei Händen

Rares und Kurioses ist dabei, wie das Doppelblatt, das ganz offensichtlich von zwei Händen stammt (176./18. Jahrhundert): Eine Seite zeigt „Amor und den Alten“, die andere einen „Mann mit Geste der Begrüßung“. In Stil und „Geist“ sind sie völlig unterschiedlich: Während Amor, ein kleiner, unbedarfter Junge, dem selbstbewusst wirkenden Alten eine Rose überreicht, die der aber fast zögernd, mit einem versonnenen Blick nach innen, entgegennimmt, gibt sich der andere Mann geradezu unterwürfig, seine Begrüßungsgeste ist devot. Wir kommen diese beiden Szenen auf ein Blatt?

Schau aus Verviers passt gut nach Siegen

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand begann Pompe mit seinen Forschungen: Er wollte versuchen herauszufinden, wer die Künstler der anonymen Arbeiten sind, bzw. aus welcher Zeit und welchem Land sie stammen. Nach seinem Tod setzte der mit Pompe befreundete Kunsthistoriker Dr. Paul Verbraeken die Arbeit fort und organisierte die Ausstellung in Verviers. Da er die Siegener Museumsleiterin kennt, fragte er sie, ob diese Schau mit ihren vielen kleinformatigen Blättern nicht gut in das Siegerlandmuseum passen würde. Und so kommt es, dass sie jetzt im Oberen Schloss zu sehen ist.

Diese „Studie eines Astes“, eine Kohle- und Bleistiftzeichnung, stammt von Paul Joseph Constantin Gabriël (1828–1903).
  • Diese „Studie eines Astes“, eine Kohle- und Bleistiftzeichnung, stammt von Paul Joseph Constantin Gabriël (1828–1903).
  • Foto: Armin Clemens/Siegerlandmuseum
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Weitere Infos durch Katalog und Film

Der informative (französische) Katalog zur Ausstellung in Verviers ist für die Siegener überarbeitet und übersetzt sowie mit einer niederländischen Übersetzung versehen worden. Ein Film ergänzt in der Ausstellung den Eindruck der Arbeiten auf Papier: Da, wo die Künstler bekannt sind, bietet er ergänzende Bilder des Malers, zeigt die ausgestellte Studie neben dem Gemälde, in dem sie verwendet wurde, platziert die Arbeiten auf Papier in den Kontext des Gesamtwerkes.

Entwicklung der Grafik durch die Jahrhunderte

Und so kann man in den Sonderausstellungsräumen eintauchen in die Fülle der Grafik-Welt, die Entwicklung der Themen und Stile im Laufe der Jahrhunderte nachverfolgen. Man begegnet der heroischen Geste, dargestellt am neutralisierenden Bild der Antike, das genau in die Zeit der niederländischen, der politischen Auseinandersetzungen in Europa mit der Idee der Freiheit passt: Cäsar und Pompeius stehen im Zentrum. Man genießt die idealisierte Landschaft der Niederländer, die vom vollen Landschafts-Gesamtentwurf zur Fokussierung auf ein scheinbar unbedeutendes Detail führt.

Biblische Szene, familiäre Tragödie

Paul Gavarni (1804–1866) zeigt eine „Familientragödie“, die wie eine Illustration zu einem Zola-Roman wirkt.
  • Paul Gavarni (1804–1866) zeigt eine „Familientragödie“, die wie eine Illustration zu einem Zola-Roman wirkt.
  • Foto: Armin Clemens/Siegerlandmuseum
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Man begegnet dramatischen oder paisiblen Seestücken, beobachtet, wie aus der Tradition der Veduten das romantische Ruinenkonzept wird, die ländliche Geborgenheit oder dann die Verbindung von Stadt und Landschaft. Die Mühen der bäuerlichen Arbeit, die sozialkritische Darstellung der armen Stadtbevölkerung und das satirische Lächeln über verschrobene Typen und ihre Attitüden nimmt man als sich ergänzende Darstellung wahr. Man geht von der biblischen Szene zur familiären Tragödie, von der romantischen Idylle des Lebens zur Zerrissenheit des Individuums.
Es ist eine unaufdringliche Ausstellung, für die man sich Zeit nehmen kann, weil sie nicht das Offensichtliche bedient, sondern den Blick auf „die Seele zwischen schwarz und weiß“ lenkt.

„Die Seele zwischen schwarz und weiß“. Siegerlandmuseum, Oberes Schloss, Burgstraße, Siegen.
Bis Anfang August, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr.
Derzeit nur mit telefonischer Anmeldung unter (02 71) 2 30 41 13.
Das Museum ist am Pfingstsamstag geschlossen, am Pfingstmontag geöffnet.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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