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Kunst-Hit gelandet: Uwe Pieper schuf mit „Mona Müller“ eine neue Ikone
Künstler wäre 80 Jahre alt geworden

Uwe Pieper kurz vor seinem 70. Geburtstag bei der Arbeit.
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gmz Siegen. Kennen Sie Mona Lisa? Klar, kennt doch jede/r. Aber kennen Sie auch die Mona Lisa des 20. Jahrhunderts? Besucher der ehemaligen Galerie Kaiser in der Siegener Häutebach werden sich an die etwas gestresst wirkende Mona Lisa erinnern, die mit leicht angespannt wirkendem Lächeln auf einem gefliesten Boden hockt, einen Putzeimer und -lumpen vor sich, und den Betrachter anschaut, mit einem Kittel bekleidet und mit Beinen versehen, die nicht elegant, sondern eher unbequem zur Seite gelegt sind. Sie ist dabei, zu einer offenen Tür „herauszuputzen“. Hinter sich, auf der gestreiften Tapete, hängt ein Bild „der „Echten“ mit ihrem unergründlich-unnahbaren Lächeln.

gmz Siegen. Kennen Sie Mona Lisa? Klar, kennt doch jede/r. Aber kennen Sie auch die Mona Lisa des 20. Jahrhunderts? Besucher der ehemaligen Galerie Kaiser in der Siegener Häutebach werden sich an die etwas gestresst wirkende Mona Lisa erinnern, die mit leicht angespannt wirkendem Lächeln auf einem gefliesten Boden hockt, einen Putzeimer und -lumpen vor sich, und den Betrachter anschaut, mit einem Kittel bekleidet und mit Beinen versehen, die nicht elegant, sondern eher unbequem zur Seite gelegt sind. Sie ist dabei, zu einer offenen Tür „herauszuputzen“. Hinter sich, auf der gestreiften Tapete, hängt ein Bild „der „Echten“ mit ihrem unergründlich-unnahbaren Lächeln. Allerdings verliert auch sie die Form …
Von Uwe Pieper stammt diese geniale Neuinterpretation des ikonischen Bildes, das beinahe hinter dem Touristenkonsum verschwindet: Louvre-Besucher in Zeitnot werden direkt zu dem kleinformatigen Bild geführt, um keine Zeit auf die übrigen Kunstwerke verschwenden zu müssen. Uwe Piepers Interpretation sagt, im Kontext seiner Auseinandersetzung mit „der Kunst“ viel aus über Kunst und ihre Rezeption – und natürlich auch das Frauenbild. Und schon in den 1970er-Jahren, in denen das Bild entstanden ist (1974), unterstreicht es Uwe Piepers Anliegen, mit Hilfe der Kunst-Zitate den Betrachter auf die Aussage zu stoßen, die im Original steckt. Gleichzeitig soll der Kunstgenießer, mit Hilfe des neuen Kontextes, in den er die bekannten Motive stellt, auf die Wirkung aufmerksam werden, die Altbekanntes heute haben kann: Schaut man es nur wirklich an!

Nachdenken über Kunst und das Leben

Dieses Anliegen verfolgte Uwe Pieper mit den früheren Arbeiten, die unter „poetischer Realismus“ firmierten, aber auch in den späteren, leichteren Arbeiten. Uwe Piepers „ „Säulen der Gesellschaft“ war so eine (neuere) Serie, in der er auf seine humorvolle, feinsinnig-kenntnisreiche und nie offensichtliche Weise uns Betrachtern den Spiegel vorhält und uns verschmitzt auffordert, doch einmal nachzudenken: über Kunst und das Leben. Und unsere Haltung zu beidem.
Die „Mona Lisa des 20. Jahrhunderts“, also „Mona Müller“, ist eines seiner bekanntesten Bilder, sagt seine Witwe Magdalena Kaiser-Pieper beim Besuch der Siegener Zeitung. Vor gut einem Jahr, am 28. September 2019, ist Uwe Pieper gestorben, an diesem Sonntag, 18. Oktober, wäre er 80 Jahre alt geworden. Der gebürtige Siegener, der in München, Wien, Paris und London studierte, u. a. in München, Berlin und im spanischen Altea lebte, kehrte in den 1970ern nach Siegen zurück und engagierte sich in der heimischen Kunstszene, in der Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstler (ASK), im Kunstverein, zu dessen Mitbegründern er gehörte, in den Schulen, in denen er als engagierter Kunstlehrer tätig war.

Mona Lisa, die „nicht mehr unerreichbar“ ist

Mit seiner „Mona Müller“ war Uwe Pieper an einer Ausstellung im Lehmbruck-Museum in Duisburg beteiligt: „Mona Lisa im 20. Jahrhundert“ hieß die Schau. Deutschlandweit wurde in Kunstzeitschriften und auch (Tages-)Zeitungen über die moderne Mona Lisa berichtet, die „nicht mehr unerreichbar“ ist, wie es in einer Kritik heißt (Uwe Pieper hat mit Sorgfalt und auch Witz Rezensionen und Berichte und Einführungen in einem Buch zusammengetragen, in dem es u. a. eine riesige Zahl von Berichten über „Mona Müller“ gibt).
„Mona Müller“ reiste von Duisburg weiter nach Stuttgart und an andere Orte, dann nach Japan, und landete schließlich in einem Schulbuch für den Kunstunterricht von Schroedel, als Beispiel für Kunstrezeption. Uwe Pieper hat einen „Kunst-Hit“ gelandet, heißt es in einem Artikel über „Mona Müller“. – Wie sehr Kunst nach außen wirken kann, zeigt auch der Auftrag der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“, die 1978 erstmals auch in einer deutschen Ausgabe erschien, und deren erstes Titelbild Uwe Pieper gestaltete.

Der Blick für die Kunst nebenan

Aber Uwe Pieper hat, bei allen Ausstellungs- und Galerie-Erfolgen auf nationaler und internationaler Ebene nie den Blick für die Kunst nebenan verloren, hat sich für Künstler-Kollegen eingesetzt. Als 1970 die Schach-Olympiade in Siegen stattfand (die SZ erinnerte Anfang September auf ihrer Heimatland-Seite daran), organisierte Uwe Piper in seiner Wohnung im Hohlen Weg in Siegen zusammen mit seinem Künstlerfreund Walter Helsper eine Ausstellung für einen portugiesischen Schachspieler und Künstler, der in seiner Heimat Ausstellungsverbot hatte, weil seine Arbeiten für die strikte, diktatorische portugiesische Politikwelt „zu erotisch“ waren, erinnert sich Magdalena Kaiser-Piper. Da in Siegen damals ad hoc kein Ausstellungsraum zur Verfügung stand, stellte Uwe Pieper seine Dachwohnung zur Verfügung und zeigte am 17. September ab 21 Uhr (eine mediterrane, keine Siegener Zeit!) Werke von Francisco de Carvalho e Rego, einem Mitglied der portugiesischen Schach-Nationalmannschaft. Dazu kamen Arbeiten von Walter Helsper, Herbert Schäfer und Uwe Pieper. Oberbürgermeister Karl Althaus begrüßte die Gäste, die Musik kam von Eternal Light (mit dem bekannten Musiker Wolfgang Neuser). Viele Gäste tauchten ein in die fantasiereichen, originellen Grafiken des Portugiesen (wie damals in der SZ zu lesen war): Die Resonanz war so groß, dass die Ausstellung nicht nur, wie geplant, an einem Donnerstagabend zu sehen war, sondern auch noch am darauffolgenden Wochenende. Uwe Piepers Möbel standen derweil auf dem Speicher! – Mit E Rego, erinnert sich Magdalena Kaiser-Pieper, sind sie freundschaftlich verbunden geblieben. Auch das zeichnete Uwe Pieper eben aus, seine große Liebenswürdigkeit. – Magdalena Kaiser-Piper hat vor, an ihren verstorbenen Mann mit einer Ausstellung zu erinnern, wenn Corona „es wieder zulässt“.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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