Evolution Dance Theater gab "Night Garden"
KulturPur mit Tanztheater eröffnet

Poetischer "nächtlicher Garten" - eine Szene aus "Night Garden".
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ciu/aww Grund. Licht aus, Schwarzlicht an – und der funkelfreudige Tanz kann beginnen: ein Reigen aus Formen und Farben, ständiger Bewegung, immer wieder neuen Entdeckungen einer Welt, die aus dem Nichts entsteht und sich häufig auch wieder in einem Irgendwo auflöst. Der Spuren hinterlässt, in Kopf und Herz. Dieser „nächtliche Garten“, in den das Evolution Dance Theater zum Auftakt von KulturPur mit seiner Show „Night Garden“ am Donnerstag entführte, wartete mit jeder Menge magischer Momente auf, zog das Publikum von Minute eins an in seinen Bann, warf Fragen auf, um Antworten zu geben – oder auch offen zu lassen. Kapitelweise entfalten sich Szenen wie zarte Blüten in einem fein bepflanzten Beet, in dem aus der Raupe ein Schmetterling werden kann („Chrysalis“), wo sich hohe Gräser („Tall Grass“) im Wind wiegen. Manche Nummern sind tröstlich, auch weil sie sichtbar machen, wie in (fast) jedem Dunkel ein Licht verborgen ist; anderes ist kitschfrei romantisch (der Sternenmensch unterm Sternenfirmament, das auch noch drei kleine rote Sternschnuppen herschenkt!), wieder anderes verblüffend heiter. Denn dass die Farbball für Farbball zusammengeworfene kunterbunte Figur von einem größeren, ziemlich gefräßigen Augen-Mund-Etwas einfach so aufgegessen wird, ist zunächst empörend. Gut, dass diesem Wesen die Sache dann doch aufstößt …

Anthony Heinl gründete die Company 2008

Poesie pur sind die beiden „Light-Wall”-Nummern, in denen Licht wie
Regentropfen an einer riesigen Plane herunterfließt, auf der zur glockenklaren Stimme von Joni Mitchell eine Naturszenerie gemalt wird. Die Silhouetten der Tänzer werden zu Standbildern eingefroren, verschwinden langsam wieder im Nichts, nachdem ihre Konturen mit zauberhaftem Lichtstrich nachgezogen worden sind. Ab hier ist auch Anthony Heinl (der die Company 2008 in Rom gründete) selbst mit von der Partie.
Mit „Spectral” wird das Tempo erhöht: Nach einer packenden Lichtjonglage legen die Tänzerinnen und Tänzer zu den Klängen von Woodkids „Run Boy Run” eine starke Choreografie zwischen Streetdance und Ballett hin. Die Musik ist inzwischen dankenswerterweise auf eine immer noch gut hörbare, aber nicht mehr vor Bässen dröhnende Lautstärke reduziert – das tut der Show keinen Abbruch, kommt ihr vielmehr durchaus zugute.

Tanz mit den Sternen

Wunderschöne Bilder zaubert eine schwarze Fee vor eine tiefblaue Wand: „In The Night Garden”, im nächtlichen Garten, lässt sie Blumen aus dem Boden wachsen und tanzt mit den Sternen. Dann krabbeln Hände mit spinnenhaften Fingern über die Wand, und das Farbspektrum wechselt zwischen schwarz-weiß und psychedelisch angehaucht. Dann das Highlight (besser gesagt: eines der vielen): eine überdimensionale dunkle Hüpfburg, die die Bewegungen der in fluoreszierenden Anzügen herumtollenden Akteure manches Mal wirken lässt, als seien an diesem Abend die Gesetze von Schwerkraft und Physik außer Kraft gesetzt. Zum Finale lassen es die je vier beweglichen Damen und Herren unerwarteterweise ruhiger angehen, zeigen sich erstmals so richtig – und fast als ganz „klassische” Tänzer.

KulturPur mit gelungenem Start

Die Truppe sorgte für einen grandiosen KulturPur-Auftakt. Immer wieder wurden die Tänzerinnen und Tänzer (beweglich, akrobatisch, feinfühlig, artistisch, stark!) mit Szenenbeifall belohnt – und am Ende auch mit Jubel und enthusiastischem Applaus. Was die Festivalmacher freuen kann, setzten sie so doch gleich zum Start des internationalen Musik- und Theaterfestivals ein stimmiges Ausrufezeichen. Ein herzliches Willkommen entboten sie sowohl beim Empfang für geladene Gäste (Landrat Andreas Müller) als auch bei der Begrüßung im Zelttheater (Festivalleiter Jens von Heyden) den rund 950 Besucherinnen und Besuchern. Und die durften sich gut aufgehoben fühlen. Beim Gang hinaus in die klare Nacht ging ein Stück des „Night-Garden“-Zaubers mit. Und funkelten die Sterne am hohen Himmel nicht plötzlich viel heller als sonst?!

Autoren: Claudia Irle-Utsch und Alexander W. Weiß

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