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"Nathan der Weise" im Apollo
Letzte Vorstellung: Toleranz

Recha (Laura Antonella Rauch), Ziehvater Nathan (Peter Kremer) und die intrigante Kinderfrau Daja (Bernadette Sütholt, v. l.) im ersten Aufzug des Bühnenstücks von Gotthold Ephraim Lessing: Das Münchner A.gon Theater spielte „Nathan der Weise“ fein und unaufgeregt dramatisiert und inszeniert von Stefan Zimmermann im Siegener Apollo-Theater.
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  • Recha (Laura Antonella Rauch), Ziehvater Nathan (Peter Kremer) und die intrigante Kinderfrau Daja (Bernadette Sütholt, v. l.) im ersten Aufzug des Bühnenstücks von Gotthold Ephraim Lessing: Das Münchner A.gon Theater spielte „Nathan der Weise“ fein und unaufgeregt dramatisiert und inszeniert von Stefan Zimmermann im Siegener Apollo-Theater.
  • Foto: Olaf Neopan Schwanke
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

ne Siegen.  Es begann unpünktlich und recht geschäftig: Mitarbeitende des Apollo-Theaters führten einzelne Besucher oder Paare bis an die ausgewiesenen Plätze, arrangierten nochmals um, schauten, ob noch ein Platz zu besetzen war, damit die reichlich Schlange stehenden Theaterfans mit ihren Karten der verschobenen oder ausgefallenen Aufführungen doch noch ein letztes Theatererleben erheischen konnten, ehe der für mindestens November geplante sogenannte „Lockdown light“ greift.
„Light“ ist ein Euphemismus namentlich für die (freie) Kulturszene, für die der neuerliche Lockdown einem verordneten Hungermonat gleichkommt.

ne Siegen.  Es begann unpünktlich und recht geschäftig: Mitarbeitende des Apollo-Theaters führten einzelne Besucher oder Paare bis an die ausgewiesenen Plätze, arrangierten nochmals um, schauten, ob noch ein Platz zu besetzen war, damit die reichlich Schlange stehenden Theaterfans mit ihren Karten der verschobenen oder ausgefallenen Aufführungen doch noch ein letztes Theatererleben erheischen konnten, ehe der für mindestens November geplante sogenannte „Lockdown light“ greift.
„Light“ ist ein Euphemismus namentlich für die (freie) Kulturszene, für die der neuerliche Lockdown einem verordneten Hungermonat gleichkommt. „Ich hätte mir gewünscht“, sagte Intendant Magnus Reitschuster in seiner kurzen Begrüßung vor dem Vorhang, „dass die Theater wie die Kirchen behandelt worden wären und nicht wie die Bordelle.“

Sehenswertes Klassikerstück

Vergangenen Sonntagabend also öffnete sich vorerst zum letzten Mal der Vorhang für ein sehenswertes Klassikerstück, Abi-relevant, über 240 Jahre alt und dennoch nahezu tagesaktuell. In Gotthold Ephraim Lessings Ideendrama „Nathan der Weise“ um Glauben, Religion, Toleranz und Menschenliebe, das im Jerusalem zum Ende des zweiten Kreuzzuges spielt, verhandelt der als weise und reich geltende Jude Nathan mit Sultan Saladin, der ihn mit einer politisch spaltenden Frage auf gefährliches Terrain locken will, mithilfe der bekannten „Ringparabel“ humanistisch-philosophisches Gedankengut nicht nur zu Lessings Zeit.

Unaufgeregt schlichte Inszenierung

Und Regisseur Stefan Zimmermann redigiert und inszeniert das handlungslose didaktische Stück so unaufgeregt schlicht und dem entschlackten Wort vertrauend, dass die so geliebte Suggestion der Bühnenkunst entstehen kann: Man ist gefangen von Text und Textvortrag der durchweg stimmig spielenden Protagonisten: den bekannten Schauspielern Peter Kremer (Nathan) und Michael Guillaume (Saladin) in Sonderheit, den Darstellern der jungen Liebenden (Laura Antonella Rauch und Alexander Mattheis), den so hilfreichen wie kolorierenden Nebenrollen (Heike Ternes, Bernadette Sütholt, Christian Buse und Georg Luibl, der als einziger mit den gegensätzlichen Charakteren Klosterbruder/Patriarch eine spannungsreiche Doppelrolle ausfüllt).

Zeitloses Bühnenbild, im Heute verortet

In archaischem Bühnenbild, das in seiner schlichten Sandsteinmonumentalität so zeitlos ist, mit den offenen Stromkabelsträngen allerdings – ebenso wie mit der vom Regisseur selbst in Jerusalem aufgenommenen Soundcollage – behutsam im Heute verortet wurde, zelebrieren die Darstellenden der Münchner A.gon Theater-GmbH zum zweiten Mal nach 2017 (die SZ berichtete seinerzeit) kluges klassisches Bildungstheater, das – als Kunst ernst genommen – immer wieder seine Kraft, Erkenntnis zu illustrieren, entfalten kann – wenn man es denn lässt.

Gespräch in Umbaupause

Zur kurzen Umbaupause – eine längere, die ja sonst zur Erfrischung der Darstellenden, des Publikums und überdies zur Konversation einlädt, erlaubte das im Ganzen vorbildliche Hygiene-/Abstands-/Lüftungskonzept nicht – stellten sich Werner Hahn (Leiter Junges Apollo JAp) und Tempelherr-Darsteller Alexander Mattheis dem Publikum zum Gespräch.
Und Mattheis bat, nachdem er sich beim Publikum für das Interesse bedankt hatte: „Wenn Sie wieder dürfen und wir wieder dürfen: Kommen Sie bitte in Scharen in Ihre Theater!“

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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