"Martiniklänge" mit Andrea und Ulrich Stötzel
Luftholen bei Orgelmusik

Ute Waffenschmidt-Leng (r.) und das Organistenehepaar Andrea und Ulrich Stötzel luden vergangenen Donnerstag zu einer geistlichen Abendmusik mit Meditation, kurz: zu „Martiniklängen“, in Siegens älteste Kirche ein.
  • Ute Waffenschmidt-Leng (r.) und das Organistenehepaar Andrea und Ulrich Stötzel luden vergangenen Donnerstag zu einer geistlichen Abendmusik mit Meditation, kurz: zu „Martiniklängen“, in Siegens älteste Kirche ein.
  • Foto: Olaf Neopan Schwanke
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Wie es sich für eine echte Einladung, ein herzliches Willkommen für alle Interessierten gehört, ist der Eintritt frei: Die Tür zur ältesten Kirche der Stadt ist geöffnet, der Raum mit Kerzen warm erhellt – und diesmal musizierten Andrea und Ulrich Stötzel an der Kemper-Mebold-Orgel der Martinikirche. Eine geistliche Abendmusik, deren Programmfolge die beiden Orgelenthusiasten schon vor gut zwei Wochen an der Baltrumer Orgel in der Inselkirche aufführten: Orgelliteratur in Chronologie.
Vom „Frühbarocker“ Thomas Tomkins aus England das Entree, „A Fancy For Two To Play“, fröhliche Pfeifen und Flöten, fast hört man den Dudelsack. Tänzelnde Alte Musik, der sich eine Sonata in C für zwei Spieler von Anton Höffner anschloss, die die ganze typische Kontrapunktik des prächtig zelebrierten Barocks auslotet.

Eine gute halbe Stunde Auszeit

Dann trat Pfarrerin Ute Waffenschmidt-Leng kurz ans Mikrofon, begrüßte die zahlreich Anwesenden, die natürlich mit den entsprechenden Abstand- und Hygieneregeln an der Abendmusik teilnahmen, und las eine kleine Meditation, einen sinnstiftenden Text, denn die Abendmusiken, die jeden Donnerstag eine gute halbe Stunde Abstand vom Arbeits- und Großstadtalltag schaffen, wollen auch Entschleunigung anbieten.

Psalm 117 über Hoffnungen

Von Beethovens Lehrer Johann Georg Albrechtsberger intonierten die beiden Stötzels ein wienerisch-prächtiges Präludium nebst Fuge in B-Dur für vierhändige Orgel (und vier Füße). Die Rokokokomposition trug die Zuhörerinnen und Zuhörer weit und hoch, man konnte die Augen schließen und durchatmen. Ute Waffenschmidt-Leng verlas den Wochenpsalm, diesmal den 117., dessen Worten und geschilderten Hoffnungen man in der nachfolgenden Zeit der Stille eigene hinzufügen konnte, oder in der man einfach ein stummes Gebet, ein Sinnieren, ein Wieder-Luft-Bekommen zulassen konnte.

„Abend ward, bald kommt die Nacht …“

Dann nach geraumer Ruhe ein Tusch aus ungezählten Pfeifen: Andrea und Ulrich Stötzel setzten mit der fulminanten Fantasia in c-Moll „für die Orgel mit vier Händen“ op. 35 von Adolph Friedrich Hesse ein frühromantisches Ausrufezeichen hinter das eben Gedachte. Breit orchestrierte Klangflächen, aufwühlende Läufe und Fortepassagen wirbelten durch Martini, machten die Rücken gerade und spülten die Köpfe frei für das anschließend gemeinsam gesprochene Abendgebet zu vier Strophen: „Abend ward, bald kommt die Nacht …“

Zum Schluss "Pomp And Circumstance"

Und nach dem Trost dann Fröhlichkeit, man mochte mitsummen, fast wie bei der „Last Night Of The Proms“: Edward Elgars Fast-Nationalhymne der englischen Herzen ertönte, der erste Marsch: „Pomp And Circumstance“, op. 39,1 für vierhändige Orgel (und vier Füße natürlich), ein frisch-festlicher „Rausschmeißer“ einer rundum gelungenen geistlichen Abendmusik. Auf die augenzwinkernde Anmerkung des Rezensenten im Gespräch mit den Akteuren, mit letzterer Musik ja nicht unbedingt nur geistliche Musik gespielt zu haben, konterte der Martinikantor im Ruhestand Ulrich Stötzel: „Ja, mit ,Land Of Hope And Glory‘ könnte ja vielleicht auch das Reich Gottes gemeint gewesen sein.“ – Nächsten Donnerstag will Stötzel ein reines Johann-Sebastian-Bach-Repertoire spielen in den „Martiniklängen“ – auch etwas, worauf man sich freuen kann.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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