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Universitätsensembles und Gäste konzertierten in Siegen
Lustige Musikanten in der Nikolaikirche

Zu den rund 110 konzertierenden Musikerinnen und Musikern beim Semesterabschlusskonzert des Orchesters und des Chores der Uni unter der Leitung von Ute Debus gesellten sich Gäste wie der Knabensopran Friedemann Sobanski.
  • Zu den rund 110 konzertierenden Musikerinnen und Musikern beim Semesterabschlusskonzert des Orchesters und des Chores der Uni unter der Leitung von Ute Debus gesellten sich Gäste wie der Knabensopran Friedemann Sobanski.
  • Foto: Olaf Neopan Schwanke
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ne Siegen. Lustige, junge, tanzbare, einfach launige Musik, fast wie bei einem Neujahrskonzert – bloß mit einer zusätzlichen Portion der dort eher selten wahrnehmbaren Selbstironie –, brachten am Samstagabend Musikensembles der Universität unter der Leitung von Dozentin und Kirchenmusikdirektorin Ute Debus zur Aufführung. Die schöne romanische Kirche war so gut besucht wie sonst vielleicht nur an Heiligabend um fünf, die ganze Kirche glühte vor Erwartung und Vorfreude. 
Dann stieg Ute Debus auf das Dirigentenpodest, und Benjamin Brittens...

ne Siegen. Lustige, junge, tanzbare, einfach launige Musik, fast wie bei einem Neujahrskonzert – bloß mit einer zusätzlichen Portion der dort eher selten wahrnehmbaren Selbstironie –, brachten am Samstagabend Musikensembles der Universität unter der Leitung von Dozentin und Kirchenmusikdirektorin Ute Debus zur Aufführung. Die schöne romanische Kirche war so gut besucht wie sonst vielleicht nur an Heiligabend um fünf, die ganze Kirche glühte vor Erwartung und Vorfreude. 
Dann stieg Ute Debus auf das Dirigentenpodest, und Benjamin Brittens (1913–1975) „Simple Symphony“ (hier in der Version für Streichorchester) von 1934 erklang in ihren vier bezaubernd burlesken, fantasievoll fröhlichen, alliterativ betitelten Sätzen – angelehnt an Kindermelodien, die der seinerzeit 21-jährige Zahnarztsohn mit Sentiment und Vergnügen zu einem einfachen Stück für Schulorchester in Noten brachte und mit einem Laienorchester uraufführte. Berühmt der zweite Satz „Playful Pizzicato“, der energisch gezupft wird – dem Uniorchester gelang er ohne metallisches Schnarren und sehr präzise an den Tuttistellen. Nach dem letzten Satz „Frolicsome Finale“ gab es ersten rauschenden Applaus. Dann erklang Bob Chilcotts (geboren 1955) kleine Jazzmesse plötzlich von der Orgelempore herab, mit frechem hellem Chor gesungen und instrumental begleitet durch ein Jazztrio – Felix Oerter (E-Piano), Karl-Friedrich Wahler (Bass) und Thomas Kehren (Schlagzeug) –, in fünf Sätzen vom schnellen, emblematisch-fetzigen Kyrie bis zum groovenden Agnus Dei mit Blue Notes.

Ute Debus mit wunderbar leichtem Programm

Debus hatte mit den rund 110 Musizierenden, zumeist Studierende, aber auch Alumni und zusätzlich angefragte Gäste, ein wunderbar leichtes, von zarter religiöser Empathie bis zu vergnüglicher weltlicher Musik reichendes Programm zusammengestellt, alles aus dem jüngst vergangenen 20. Jahrhundert. Die Suite für Varieté-Orchester (im Programm auch, wie so oft, noch Nr. 2 für Jazz-Orchester genannt, aber diese Suite gleichen Namens wird erst gerade neu rekonstruiert, da streiten noch die Musikwissenschaftler) arrangierte und kompilierte der 1975 in Moskau gestorbene Dmitri Schostakowitsch wohl in den 50er-Jahren aus schon geschriebenen Kompositionen. Berühmt sind einige der acht Sätze, die so schmissig sind, dass sie – zum Teil aus eigenen Filmmusikkompositionen entnommen – wieder zur Szenenvertonung berühmter Filme herangezogen wurden. So kennt man den zweiten Walzer des siebten Satzes aus Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ oder Lars von Triers „Nymphomaniac“ – oder aus Automobilwerbungen oder der für Torten. Im zweiten Satz klingt eine Parodie auf den „Bolero“ von Ravel mit an, und in der „Kleinen Polka“ des vierten Satzes spielen Percussioninstrumente eine nicht zu überhörende wichtige Rolle – wie auch die ganzen ausgewählten Kompositionen durch perkussiven Drive begeisterten.

Jungsänger Friedemann Sobanski mit Bravour

Zum Abschluss dann, wieder nach nicht enden wollendem, rhythmischem Applaus, ein weiterer musikalischer Glanzpunkt, die „Chichester Psalms“ vom vor 30 Jahren gestorbenen Leonard Bernstein, eine Auftragskomposition für Knabensopran, gemischten Chor und Orchester. Mutig, wie der kleine Friedemann Sobanski die Kanzel erklomm, um von dort seine Soli zu singen, die – melodisch modern vertrackt – der privat unterrichtete Jungsänger mit Bravour bewältigte, nach bloß anfänglichem „Aufregungsvibrato“. Das Orchester, geführt von Konzertmeisterin Dorothea Kiess, umschloss stützend den großen Unichor und den zarten Knabensopran, die die hebräischen Texte der Psalmen sangen, und die Herzen der Hörerinnen und Hörer, die nur gelegentlich stilvoll perkussiv aufgeschreckt wurden durch die typisch Bernstein’sche Klangsprache, an der das Percussionensemble mit Christian Schneider, Felix Ludewig, Thomas Kehrer und Doktorand Marco Hoffmann wesentlichen Anteil hatte.
Ein wunderbarer Konzertabend, bei dem es nicht wunderte, dass nach fulminantem Finale stehend und anhaltend applaudiert wurde – und dass vermutlich alle glückliche Augen hatten.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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