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Vor 20 Jahren wurde das Museum für Gegenwartskunst eröffnet
Menschen schoben sich durch die Räume

Nicht nur vor, auch im Museum drängten sich am Sonntag, 6. Mai 2001, die Interessierten dicht an dicht.
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  • Nicht nur vor, auch im Museum drängten sich am Sonntag, 6. Mai 2001, die Interessierten dicht an dicht.
  • Foto: Peter Jaszyna
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 Als „kultureller Leuchtturm“ ist das MGKSiegen bis heute wegweisend für die Kunst in der Region und darüber hinaus.

gmz Siegen.  Mit einem solchen Andrang hat das Museum für Gegenwartskunst Siegen – Dialog der Medien, wie es damals noch hieß, fast nicht rechnen können, auch wenn die Museumsmacher sicher davon geträumt haben, dass die Eröffnung am 6. Mai 2001 ein Erfolg würde und auf große Resonanz stieß. Der Traum wurde wahr: Tausende strömten zur Eröffnung in das von Architekt Josef Paul Kleihues geschickt umgebaute und erweiterte ehemalige Telegrafenamt direkt neben dem Unteren Schloss.

 Als „kultureller Leuchtturm“ ist das MGKSiegen bis heute wegweisend für die Kunst in der Region und darüber hinaus.

gmz Siegen.  Mit einem solchen Andrang hat das Museum für Gegenwartskunst Siegen – Dialog der Medien, wie es damals noch hieß, fast nicht rechnen können, auch wenn die Museumsmacher sicher davon geträumt haben, dass die Eröffnung am 6. Mai 2001 ein Erfolg würde und auf große Resonanz stieß. Der Traum wurde wahr: Tausende strömten zur Eröffnung in das von Architekt Josef Paul Kleihues geschickt umgebaute und erweiterte ehemalige Telegrafenamt direkt neben dem Unteren Schloss. Man schob sich durch die Ausstellungsräume, schaute begeistert, neugierig oder vielleicht auch fragend oder voller Unverständnis auf die gezeigten Kunstwerke und genoss es, in Siegen eine solche Fülle von zeitgenössischer Kunst geboten zu bekommen. Ein Eintauchen in die Kunstwelt war möglich, ist bis heute möglich, vor Ort, in Siegen.
Das gab es vorher in Siegen in dieser Form noch nicht. Moderne und zeitgenössische Kunst auf nationalem und Internationalem Niveau ist zwar schon mit der Verleihung des Rubenspreises seit 1958 (punktueller) Teil des heimischen Kulturgeschehens geworden, flankiert von vielen weiteren kleineren oder auch größeren Initiativen wie der Galerie Nohl, dem Kunstverein, dem Ausstellungsforum des Siegerlandmuseums , dem Fachbereich Kunst der Uni, den privaten Galerien und den Kunstschaffenden vor Ort (um nur einige zu nennen).

Gegenwartskunst in Fülle

Aber diese Fülle … Die kam mit dem Museum für Gegenwartskunst Siegen, MGKSiegen, wie es heute heißt. Ohne das großzügige Mäzenatentum von Barbara Lambrecht-Schadeberg wäre die Errichtung des Museums nicht möglich gewesen, ohne ihr Engagement könnten in Siegen so gut wie keine Werke der Rubenspreisträger gezeigt werden. Mit dem Museum, das natürlich auch von der öffentlichen Hand unterstützt wurde und wird, haben zeitgenössische oder klassisch-moderne Werke von internationalem Rang in Siegen ihren Ort gefunden. Darunter sind zahlreiche Werke, die sich neben Arbeiten aus renommierten Museen in internationalen Ausstellungen behauptet können.
Die weltweite Vernetzung nahm Hans Haackes Eröffnungsinstallation „Nachrichten“ vorweg, so könnte man meinen: Ein Agentur-Ticker aus der Siegener Zeitung lieferte am Eröffnungstag eine Nachricht nach der anderen im Museum ab, darunter auch die, dass das Museum für Gegenwartskunst in Siegen eröffnet wird. Man war Teil der Nachricht, Rezipient der Nachricht und beobachtete gleichzeitig ihre künstlerische Transformation …
Die unterschiedlichsten künstlerischen Positionen hat man seit der Eröffnung sehen und erleben können, die Resonanzen darauf waren ebenso unterschiedlich wie die Positionen. Die kontinuierliche Arbeit der drei Museumsleitungen hat jedenfalls dazu beigetragen, die Gegenwartskunst fest im Siegener Kulturleben zu verankern, etliche Skeptiker zu überzeugen und die Zahl der „Afficionados“ zu erhöhen. – Der 20. Geburtstag ist eine Gelegenheit, innezuhalten und ein Resümee zu ziehen. Bzw. drei: Die SZ fragte Stifterin Barbara Lambrecht-Schadeberg, Museumsleiter Thomas Thiel und Kurator Prof. Dr. Christian Spies nach ihrer Einschätzung der Entwicklung, Bedeutung und Zukunft des Museums. Hier die Antworten.


Barbara Lambrecht-Schadeberg

Das MGKSiegen besteht seit 20 Jahren. Ist Ihre Vision (und die Ihrer Mitstreiter) Realität geworden? Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Museums, der Sammlung?
Lange vor der Eröffnung des MGKSiegen habe ich gemeinsam mit Winfried Schwarz und Gundolf Winter zwei Ziele diskutiert, die für mich bis heute gelten: Erstens soll das Museum die Kunst der Zeitgenossen nach Siegen holen. Zweitens soll sie diese Gegenwartskunst mit den Künstlern der vergangenen Jahrzehnte ins Gespräch bringen. Dies geschieht im Dialog mit den Rubenspreisträgerinnen und -preisträgern der Sammlung Lambrecht-Schadeberg, die ihr festes Zuhause im MGKSiegen gefunden hat. Dankbar bin ich den Mitstreiterinnen und -streitern, mit denen das Museum in den letzten 20 Jahren zu dem werden konnte, was es heute ist: den ersten beiden Direktorinnen Barbara Engelbach und Eva Schmidt genauso wie nun Thomas Thiel. Meine Sammlung wurde viele Jahre von Eleonore Winter betreut. Heute freue ich mich über die Diskussionen in der Antragskommission, bestehend aus dem Präsidenten der Peter-Paul-Rubens-Stiftung Hans Heinrich Grosse-Brockhoff, dem Direktor des Museums, Thomas Thiel, dem Kurator der Sammlung, Christian Spies und mir als Sammlerin und Stifterin.
Gemeinsam ist es uns gelungen, eine Sammlung der Rubenspreisträger zusammenzubringen, die sich sowohl in der Region als auch in Deutschland Ansehen erarbeitet hat. Sie bietet einen guten Einblick in das Lebenswerk der einzelnen Künstlerinnen und Künstler.

Mäzenin Barbara Lambrecht-Schadeberg

Meine Vision – eine Sammlung der Rubenspreisträgerinnen und -preisträger der Stadt Siegen in einem Museum für Gegenwartskunst in Siegen erlebbar für alle Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt und Region – ist Wirklichkeit geworden.
Zur Frage, welche Zukunft ich mir wünsche: Das Museum findet mehr und mehr Besucher und Menschen, die Freunde des Museums und seiner Sammlungen werden. Dadurch kann das Museum nicht nur in Siegen wachsen. Genauso freue ich mich über die vielen positiven Reaktionen und Unterstützungen, die wir in ganz Deutschland und inzwischen sogar weltweit erhalten. Darauf sind wir auch ein wenig stolz! Die Sammlung schafft es auch in Zukunft, mit Hilfe der Peter-Paul-Rubens-Stiftung von jedem neuen Rubenspreisträger eine ansprechende Präsentation zu erreichen.

Ich hoffe, dass die Freundinnen und Freunde unseres Hauses in unserer Region und in NRW dem Haus weiterhin so treu blieben, wie sie es auch in den letzten 20 Jahren waren.

Die Kunst der Zeitgenossen spiegelt das Leben der Gesellschaft und was es prägt. Sie ist wichtig, auch weil sie eines Tages eine Zeugin ihrer Zeit sein wird. Welche Rolle sie spielt, traue ich mich nicht zu beurteilen. Umso wichtiger finde ich aber, sie unter die Leute zu bringen, damit sie überhaupt wirken kann.

Thomas Thiel

Das MGKSiegen besteht seit 20 Jahren. Wo steht es heute (in der regionalen und überregionalen Wahrnehmung und der der Fachwelt)? Was kann und soll es in Zukunft erreichen?
Das Museum für Gegenwartskunst ist in meinen Augen ein sehr großes Geschenk für die Region. Niemand muss in die großen Kunstzentren fahren, um Gegenwartskunst, ihre aktuellen Themen und ihre Geschichte auf internationalem Niveau zu erleben. Wo in Europa lassen sich so viele Malereien von Francis Bacon an einem Ort erleben? Wo lassen sich die Anfänge der weltberühmten Künstlerfotografen Bernd und Hilla Becher besser verfolgen als im Siegerland? Ich finde es ist eine erstaunliche Leistung, dass unser Museum sich dank aller Beteiligten mit seinem Ausstellungsprogramm, seiner stetig wachsenden Sammlung, den vielfältigen Bildungsangeboten in relativ kurzer Zeit einen festen Platz in der internationalen Museumslandschaft erobern und zugleich regional verankern konnte.

Museumsleiter Thomas Thiel

Das zeigen die vielen Kooperationen mit lokalen Kulturpartnern, die Verbundenheit mit Stadt und Universität, ebenso wie Projekte mit überregionalen Kunstinstitutionen. Anhand der vielen Leihanfragen von großen Museen aus aller Welt, stelle ich immer wieder fest, wie bekannt das Museum und unsere Sammlung inzwischen geworden ist.
Die Erfolgsgeschichte des MGKSiegen möchte ich gerne fortschreiben. Deswegen freue ich mich, gemeinsam mit dem Team für die Kunst unserer Zeit zu begeistern und ein höchst sehenswertes Programm zu gestalten.
Wir leben in einer Zeit großer Umbrüche. Ich denke, dass angesichts der kulturellen, sozialen und technologischen Veränderungen unser Bildungsauftrag in den kommenden Jahren noch wichtiger werden wird. In der Kunst spiegelt sich die Komplexität unserer Welt wider. Deswegen arbeiten wir in Siegen an einem Kunstmuseum von morgen. Wir möchten lokale und globale Perspektiven miteinander verbinden und den Möglichkeiten der Digitalisierung mit innovativen Projekten begegnen. Dabei haben wir das Publikum fest im Blick und schaffen für die Siegener schon in wenigen Tagen – das sei schon verraten – einen künstlerischen Treffpunkt auf dem Unteren Schlossplatz.

Prof. Dr. Christian Spies

Das MGKSiegen besteht seit 20 Jahren. Wie hat sich das Museum in dieser Zeit entwickelt? Was macht es heute aus?
Für mich ist es faszinierend, wie unser MGKSiegen mit seinen Ausstellungen auch nach 20 Jahren jung bleibt, der Gegenwart verpflichtet. Mit seinen Sammlungen zeugt ein Museum zugleich von unserer Vergangenheit. Dabei war es von Anfang an die Sammlung Lambrecht-Schadeberg, die mit den Rubenspreisträgerinnen und Preisträgern der Stadt Siegen eine ganz eigene und eigenwillige Geschichte der europäischen Malerei nach Ende des Zweiten Weltkriegs erzählen kann. Jedes neue Werk ist dabei wie ein Geburtstagsgeschenk – und dies waren in den letzten 20 Jahren beachtliche!
Nach Ende des Lockdowns werden Sie sich davon wieder überzeugen können. Dann werden wir einige ganz besondere Neuerwerbungen der letzten Jahre erstmals vorstellen. Auch unsere Sammlung bleibt dadurch der Gegenwart verpflichtet, dass alle fünf Jahre eine neue Künstlerin oder ein neuer Künstler hinzu kommt, sich auf Siegen einlässt und uns zugleich herausfordert.

Kurator Prof. Dr. Christian Spies

Seit Eröffnung des Museums waren dies Maria Lassnig, Sigmar Polke, Bridget Riley und Niele Toroni. Polke hat 2008 „Das Wunder von Siegen“ ausgerufen. Mit ihrem Wandbild „Quiver“ hat Riley 2014 in unserem Museumfoyer ein ganz neues Kapitel ihrer eigenen Malerei aufgeschlagen. Noch wissen wir nicht, welche Überraschungen uns mit dem 14. Rubenspreis im nächsten Jahr erwartet. In jedem Fall wird es spannend bleiben!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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