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Musical "Martin Luther King" in der Siegerlandhalle (Bildergalerie)
Mit großem Chor auf der Spur einer Vision

Von einem guten Geist (Karolin Konert) begleitet: Martin Luther King (Andreas Wolfram), dessen Geschichte am Samstag in gleich zwei monumentalen Aufführungen in der Siegerlandhalle erzählt wurde.
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ciu Siegen. Ein Strauß roter Plastikblumen – in einer Kulisse, die auf viele und vieles setzt, die großen Gesten, das große Ganze, den bildhaften und klanglichen Effekt, ist er ein Zeichen für das, was bleibt, was nicht verwelkt, verblasst, vergeht. In der Farbe der Liebe, des Zueinanderstehens, Miteinandergehens, des immer wieder neuen Versuchs, versöhnliche Wege zu wagen. Dieser rote Plastikblumenstrauß ist Coretta geblieben, wie das Kleid mit dem schwarzen Schleier von der Beerdigung ihres ermordeten Mannes, die ein Ende markierte und einen Anfang auch. Denn Martin Luther Kings Traum von einer friedlichen Welt ist tatsächlich um die Welt gegangen; sein „I have a dream …“, am 26.

ciu Siegen. Ein Strauß roter Plastikblumen – in einer Kulisse, die auf viele und vieles setzt, die großen Gesten, das große Ganze, den bildhaften und klanglichen Effekt, ist er ein Zeichen für das, was bleibt, was nicht verwelkt, verblasst, vergeht. In der Farbe der Liebe, des Zueinanderstehens, Miteinandergehens, des immer wieder neuen Versuchs, versöhnliche Wege zu wagen. Dieser rote Plastikblumenstrauß ist Coretta geblieben, wie das Kleid mit dem schwarzen Schleier von der Beerdigung ihres ermordeten Mannes, die ein Ende markierte und einen Anfang auch. Denn Martin Luther Kings Traum von einer friedlichen Welt ist tatsächlich um die Welt gegangen; sein „I have a dream …“, am 26. August 1963 am Lincoln Memorial in Washington formuliert, ist zum Meilenstein in der globalen Geschichte des Rechts und der Gerechtigkeit geworden. Er trug entscheidend dazu bei, dass im Jahr darauf in den Vereinigten Staaten von Amerika die Rassentrennung (zumindest formal) aufgehoben wurde.

Mit "We Shall Overcome" gegen Gewalt

Und doch … steht dem Traum bis heute der Alptraum entgegen, der sich zeigt in der grässlichen Fratze des Rassismus, der Ausgrenzung, der Be- und auch Abwertung dessen, was anders ist oder scheint. Auch deshalb ist es wichtig, die Botschaft des Baptistenpastors King weiterzutragen, zu singen und sagen – eben so wie es derzeit die Stiftung Creative Kirche (Witten) mit dem Chormusical „Martin Luther King“ unternimmt. Mit Shows, die mit Mega-Chören ein Mega-Publikum anziehen, dieses zum Teil zu Tränen rühren und damit das Pflänzlein Hoffnung nähren, dass am Ende das „We Shall Overcome“ immer lauter und stärker ist als die Parolen, Parteien und Aktionen derer, die ihre Sache mit Gewalt vorantreiben wollen.

Musik von Gäbler und Terbuyken

Am Samstag wurde die Geschichte von Kings weltveränderndem Traum gleich zweimal in der Siegerlandhalle erzählt. Schon am Nachmittag blieben im großen Saal nur wenige Plätze frei, am Abend war das Haus dann rappelvoll. Beide Aufführungen (Regie: Andreas Gergen) bestachen mit einer ausgewogenen Mischung aus monumentalen Passagen im Miteinander des rund 550-köpfigen Chores (Leitung: Susanne Utsch, Peter Scholl) mit dem Solisten-Ensemble. Erstklassig war die gospelig-soulige Musik von Hanjo Gäbler und Christoph Terbuyken (die mit einer bravourösen Band variabel aufspielten), auch anekdotischen Charakter hatten die Spielszenen (Beispiel: Kings West-Ost-Passage mit „American Express“). Es gab wunderschöne Balladen und eine Choreographie, die die fein formulierten Worte (Texte: Andreas Malessa) unterstrich.

Starke Frauen an der Seite von King

Natürlich nimmt dieses Stück King (Andreas Wolfram/Gino Emnes) in den Fokus, und doch waren die Macher klug genug, auch das, was dessen Bewegung anschob, deutlich zu benennen. Hier nämlich kommt Rosa Parks ins Spiel, die sich im Bus eines Tages nicht mehr von ihrem Sitz vertreiben lässt. Sie steht innerlich auf, um Schritt für Schritt die Regeln der Weißen zu brechen. Bonita Niessen (in der Maske der echten Rosa täuschend ähnlich) gibt diese starke Frau mit ganz viel Energie, es ist eine Freude, sich von ihr in die 60er-Jahre entführen zu lassen! Überhaupt sind die weiblichen Partien bei „King“ besonders bemerkenswert. Peti van der Velde agiert als Coretta Scott King, ob sie Robe oder Schürze trägt, mit Glamour in Stimme und Statur; Karolin Konert mimt den guten Geist, der mit fast unsichtbarer, stets gnädig gereichter Hand die Geschicke letztlich lenkt. Die Darsteller-Riege komplettieren Dominik Doll (am Samstagnachmittag ein sehr präsenter Malcolm X), Stefan Stara, Benjamin Eberling/Dirk Siebenmorgen u. a. als Cop Bull Connor und Kathleen Bauer.

Regenbogen als Zeichen der Treue

Dass der eigentliche Star der Chor ist, ist das Credo der Creativen Kirche. Zu Recht: Denn ohne die Sängerinnen und Sänger, die in einem guten Dutzend regionaler und eigens gebildeter (Projekt-)Chöre punktgenau auf die Konzerte vorbereitet worden sind, ginge das auch auf Identifikation setzende Konzept nicht auf. Tatsächlich macht es echt etwas her, wenn soooo viele Singbegeisterte die Vision Kings zu ihrem Traum machen: um aus „Steinen der Hoffnung“ der Gerechtigkeit ein Haus zu bauen.
Und so fügen sich die neun variablen Würfel, die Mauer waren und „Stars and Stripes“ und auch Martins Konterfei zeigten, am Ende zu dem bunten Bogen, den Gott zwischen Himmel und Erde geschlagen hat. Ein Zeichen der Treue, das bleibt.

Peter-Thomas Stuberg: "So aktuell wie damals"

Engagiert unterstützt hat das Chor-Projekt „Martin Luther King“ in der Region der Kirchenkreis Siegen. Superintendent Peter-Thomas Stuberg wies in seinem schriftlichen Grußwort auf die Bedeutung des Stückes hin, dessen Botschaft „in Deutschland so aktuell wie damals“ sei. „Denn zunehmend werden heute wieder Stimmen laut, die Abgrenzung fordern.“ Stuberg weiter: „Alle Menschen sind Gottes geliebte Kinder (…), alle haben die gleiche Würde und die gleichen Rechte. Wie damals sind wir (…) dazu aufgerufen, für diese Überzeugungen mit friedlichen und demokratischen Mitteln einzutreten.“

Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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