Bruchwerk-Theater im Livestream-Gespräch mit Drews und Müller
Mit Mattscheiben sprechen

Aufnahmestudio-Atmosphäre statt Veranstaltungsflair: Milan Pešl und seine Gäste Ann-Katrin Drews und Andreas Müller, die Musiker Achim Weiss und Mario Mammone, David Penndorf an den Kameras und Tim Lechthaler am Aufnahme- und Übertragsungstisch – und dennoch wird es nicht nur eine „Sendung“, sondern birgt für alle Anwesenden eine Runde emotionalen Seins, ein Miteinander-Erleben.
  • Aufnahmestudio-Atmosphäre statt Veranstaltungsflair: Milan Pešl und seine Gäste Ann-Katrin Drews und Andreas Müller, die Musiker Achim Weiss und Mario Mammone, David Penndorf an den Kameras und Tim Lechthaler am Aufnahme- und Übertragsungstisch – und dennoch wird es nicht nur eine „Sendung“, sondern birgt für alle Anwesenden eine Runde emotionalen Seins, ein Miteinander-Erleben.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ne Siegen. Die Livestreams aus der Kreativschmiede Bruchwerk-Theater am Fuße des Siegberges unter dem Motto „Endzeitdekadenz“ (die SZ berichtete mehrfach) gingen vergangenen Donnerstagabend pünktlich nach der „Tagesschau“ in die achte Runde, die vorletzte vor der Spielzeitpause des Sommers. Milan Pešl begrüßte sein Publikum, die Musiker und die beiden eingeladenen Talkgäste auf den Mindestabstands-Couches zum Endzeittalk „Nullen und Einsen“, oder kurz und knapp: „Digitalisierung und Kunst – und wie geht das zusammen?“

Chillige Atmosphäre mit Weiss und Mammone

Wieder suggerierte das adrette Bühnenbild von Teresa Pešl Nähe, Vertrautheit, Heimeliges, schufen die eingeladenen Jazzmusiker Achim Weiss und Mario Mammone eine chillige Atmosphäre – und Atmosphäre wird in den Gesprächen, die versuchten, eine Selbstpositionierung im Dilemma aus künstlerischem Shutdown und möglichem kreativen Handeln zu formulieren, Perspektiven des Umgangs mit der Pandemie-Situation zu benennen und vorsichtige Utopien für die Zeit ohne restriktive Freiheitsbeschränkungen, also „nach Corona“ zu skizzieren, eine entscheidende Rolle einnehmen.

Vorteile und Probleme virtueller Wege

Zuerst allerdings ging es um den digitalen Status quo in den Einrichtungen der Protagonisten, stellte Landrat Andreas Müller vor, was der Kreis für die Versorgung mit Breitbandnetz in der Region tut, wie Verwaltung digital gestrafft wird und weiter werden könne, welche Vorteile die virtuellen Wege böten und mit welchen Problemen man sich auf dem Weg zu einem Mehr an digitalen Lebenseinflüssen und Arbeitsbedingungen konfrontiert sieht.
Ann-Katrin Drews, Leiterin des Teams Bildung und Kommunikation des Museums für Gegenwartskunst Siegen, stellte das schon existierende Digitalangebot ihrer Institution vor, berichtete von dessen möglichen Erweiterungen und räumte auch ein, dass das Museum in Bezug auf die scheinbar immer publikumsrelevantere „Social-Media-Aktivität“ noch Defizite habe. Es wurde eine fein austarierte, zweimal mit Lounge-Musik strukturierte Befindlichkeitsrunde, die schnell über das ein oder andere Erlebnis zum Thema, über eigene und beobachtete Erfahrung mit virtueller Kommunikation, den Umgang mit möglichen Missverständlichkeiten durch rudimentäre Information, die schnelle, praktische Oberflächlichkeit des Miteinanders über die smarte Mattscheibe zum Konsens fand: Kunst und Kultur leiden unter dem Entzug der freien Entfaltung, analoger Austausch von und über Kunst und Kultur ist nachhaltiger.

„Fehlende Tiefe“ der Auseinandersetzung

Andreas Müller sprach über die „fehlende Tiefe“ der Auseinandersetzung, das Nicht- wahrnehmen-Können der „Nuancen“ einer Chat- oder Streaming-Kommunikation gegenüber klassischer, echter „Face-To-Face-Kommunikation“, eben, „dass man nicht mit Menschen, sondern nur mit einer Mattscheibe kommuniziert“.

Die Aura ist nicht digitalisierbar

Auch Drews konstatiert: „Social Media zum Trotz bekommen wir unser häufigstes und differenzierteres Feedback über unser ausliegendes Gästebuch. Sich handgeschrieben im Museum zu verewigen, da gewesen zu sein, vielleicht noch eine kleine Zeichnung zum Kommentar setzen, ist immer noch beliebter, als auf der Homepage einen ,Daumen hoch‘ zu klicken oder ein Herzchen an.“
Kunst und Kultur in Zeiten von Verhaltenseinschänkungen zur Gesundheitsprävention schränkt massiv das Erleben, die emotionale Wahrnehmung der Kunst ein. Ihre Aura, die Atmosphäre im Raum, in dem Menschen zusammenkommen, um Musik zu hören und zu machen, um Theater oder Wortkunst zu erleben, ist nicht digitalisierbar, ist nicht zu ersetzen, muss Surrogat bleiben. Und alle hoffen auf die Realisierung des Dichterwortes: „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.“

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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