Apollo-Theater Siegen präsentiert Spielzeitbuch 2019/2020
Mogli als frühe Greta Thunberg

Mit dem Stück „The Beginning Of Nature“ kommt das Australian Dance Theatre am 13. Mai 2020 ins Siegener Apollo-Theater.
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  • Mit dem Stück „The Beginning Of Nature“ kommt das Australian Dance Theatre am 13. Mai 2020 ins Siegener Apollo-Theater.
  • Foto: Chris Herzfeld/Camlight Productions
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Siegen. Eine Menge „Neuigkeiten“ gab es zu vermelden auf der gegenwärtig in eine dschungelhafte Kulisse verwandelten Apollo-Bühne: Anlass der Presserunde am Mittwoch war das Erscheinen des neuen Spielzeitbuchs (Druck: Vorländer), das mit rund 180 Veranstaltungen ordentlich vollgepackt ist. Wie immer wird es Theater, Konzerte und Kinderangebote mannigfaltiger Couleur und für diverse Geschmäcke geben – manches bleibt eben doch besser beim Alten.

„For Future“ - Motto der Spielzeit 2019/2020

Neu sein werden dagegen in der kommenden Saison 2019/2020 – die Hintern der Theatergänger werden es Intendant Magnus Reitschuster zufolge danken – 523 fürs Apollo maßgezimmerte Sitzgelegenheiten (wir berichteten), die bereits größtenteils montiert sind. Spätestens nächste Woche müssen alle Arbeiten abgeschlossen sein, wie Werner Hahn, Leiter des Jungen Apollo (JAp), im Gespräch mit der SZ sagte. Denn dann beginnen die Hauptproben fürs Kinder-Musical „Das Dschungelbuch“ in einer Fassung von Reitschuster, mit dem die Spielzeit am 15. September startet. Die Eigenproduktion ist zwar nicht neu, war sie doch schon 2012 im Apollo zu sehen, ganz neue Gesichter im Siegener Theater sind aber zwei der Mitwirkenden: Samira Vinciguerra als Pantherdame Baghira und Mark Harvey Mühlemann als Mogli. Die beiden spielen dann auch – wieder neu! – in Reitschusters „Dschungel-Trilogie“ nach den Büchern von Rudyard Kipling, er den „Mann namens Mogli“, sie dessen Frau Messua. Mühlemann outete sich im Pressegespräch denn auch als „Dschungelbuch“-Freund von alters her: „So lange ich denken kann, hat schon immer jeder Mogli zu mir gesagt.“ Der Dreiakter, der am 18. Januar 2020 seine Uraufführung erleben soll, sei ein „sehr komplexes Stück“, meinte Mühlemann. Mit ihren ökologischen Fragen und einem Mogli, der den Dschungel verlassen hat und laut Reitschuster „als eine Art frühe Greta Thunberg“ unter den Menschen lebt, bildet die Eigenproduktion das Spielzeitmotto „For Future“ inhaltlich ab. Ebenso Werner Hahns Inszenierung des im Apollo-Sommer-Camp erarbeiteten Jugendtheaterstücks „Ich atme gerne Sauerstoff“ zur Klimabewegung „Fridays For Future“, das am 18. Oktober Premiere feiert (wir berichteten ausführlich). Auch unters Zukunftsmotto sortiert: die Gastspiele des Australian Dance Theatre mit „The Beginning Of Nature“ und des Deutschen Theaters Berlin, das fragt: „Let Them Eat Money. Welche Zukunft?!“. Wie politisch Theater heute sein darf und muss, fragte seinerseits Reitschuster eingangs. Spielzeitmotto und Stücke geben die Antwort.

Eine Premiere ohne Bürgermeister

Ein weiteres Eigengewächs (und neu) im Apollo wird das Stück „Fußball.Frauen.
Siegen“ von Werner Hahn und Magnus Reitschuster um die großen Erfolge des TSV Siegen in den 1980er- und 1990er-Jahren sein. Auf die Premiere (18. April 2020) freute sich der Bürgermeister, seines Zeichens Fußballfan, besonders. Allein: „Daraus wird nichts, lieber Steffen Mues“, belehrte ihn der Intendant. Denn die Uraufführung ist nur für Frauen zugelassen. Nun, es gibt ja noch weitere Vorstellungen …

Besucherzahlen kratzten an 100.000er-Marke

Mit den Besucherzahlen darf Theaterchef Reitschuster zufrieden sein. In der abgelaufenen Saison wurde wieder an der 100.000er-Marke gekratzt. Das Apollo habe sich zu einem „Ort der kulturellen Identitäten“ (mit Betonung auf dem Plural) entwickelt, in dem diverse „Publikümer“ ein Zuhause finden. Auch in finanzieller Hinsicht war der Intendant durchaus nicht enttäuscht – eine „schwarze Null“ sei in der vergangenen, sehr erfolgreichen Spielzeit erreicht worden. Die selbst erwirtschafteten Einnahmen hätten in den vergangenen Saisons auf 63 Prozent des „künstlerischen Etats“ (der die Gebäudeunterhaltung nicht berücksichtigt) gesteigert werden können. Dass Kultur in öffentlichen Etats als „freiwillige Leistung“ geführt werde, wurmt Reitschuster allerdings. Kultur werde immer noch als Luxus, nicht als Lebensmittel begriffen. Sprach’s und zählte im Gegenzug eine Reihe der „freiwilligen Leistungen“ des Apollos auf: mehr Besucher als versprochen, mehr Metropolen-Theater als versprochen und eine Jugendtheatersparte, die nie versprochen war.

Stadt Siegen wächst auch dank Apollo

Bürgermeister und Intendant wissen indes ganz gut, was Stadt und Theater aneinander haben, auch wenn es in puncto Finanzen offenkundig schon mal unterschiedliche Interpretationsansätze gab. Mues wies darauf hin, dass das Theater als städtisches Gebäude ständig unterhalten werden müsse, sah aber die Notwendigkeit der Sessel-Erneuerung nach zwölf Jahren (die die Stadt rund 200.000 Euro kostet) als gutes Zeichen dafür, dass das Theater etabliert sei. Die Million, die die Stadt jedes Jahr für Gebäude, Personal und Spielbetrieb ausgibt, ist für Mues „gut investiertes Geld“. Des Bürgermeisters Rechnung: Die Stadt wächst, und zwar gegen den NRW-Trend, und das Apollo als einer der „weichen Standortfaktoren“ trägt dazu bei. Das Theater sei nicht ohne die Stadt zu denken und die Stadt in ihrer heutigen Form nicht ohne das Theater.

„JAp auf den Dächern“ dringend benötigt

Prof. Herbert Landau, Vorsitzender des Apollo-Trägervereins, wies nachdrücklich auf die Notwendigkeit eines „JAp auf den Dächern“ hin (auch hierüber berichteten wir bereits ausführlich). Beim „Weißen Rössl“ sei zuletzt das Theater „aus den Nähten geplatzt“, auch stünden in der „gut ausgelasteten“ Stadtbühne keine Probenräume mehr zur Verfügung. „Wir müssen was für die große Sparte Kinder- und Jugendtheater tun“, sagte Landau und betonte: „Wir brauchen dieses große Projekt dringend!“
Tickets für die Apollo-Vorstellungen gibt es unter anderem bei der SZ-Konzertkasse am Obergraben in Siegen. Alle Infos im Internet unter www.apollosiegen.de

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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