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Jakob Rullhusen gibt „Konzerte für den leeren Raum“
Musik mit der Schere bei "Anne Brinkmann"

Jakob Rullhusen spielt am Sonntag ein weiteres „Konzert für den leeren Raum“, diesmal in einem Siegener Friseursalon.
  • Jakob Rullhusen spielt am Sonntag ein weiteres „Konzert für den leeren Raum“, diesmal in einem Siegener Friseursalon.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Siegen. Das Fitnessstudio, die Bar, der Friseursalon, die Schule – alles leere Räume. Warum sie nicht bespielen, ihre Atmosphäre aufnehmen, mit den darin befindlichen Gegenständen, ihren Wänden arbeiten, sie zum Klingen bringen? Jakob Rullhusen macht das: „Konzerte für den leeren Raum“ heißt das Projekt, für den der Musiker mit einem Künstlerstipendium im Rahmen der Corona-Hilfsmaßnahmen des Landes Nordrhein-Westfalen mit 7000 Euro gefördert wurde. Am Sonntag, 18 Uhr, läuft Teil 3 der Reihe auf Rullhusens YouTube-Kanal (www.youtube.com/user/jakobsoundtracks) – diesmal aus dem Friseur-, Kosmetik- & Wellnesssalon „Anne Brinkmann“ an der Siegener Juliusstraße.

zel Siegen. Das Fitnessstudio, die Bar, der Friseursalon, die Schule – alles leere Räume. Warum sie nicht bespielen, ihre Atmosphäre aufnehmen, mit den darin befindlichen Gegenständen, ihren Wänden arbeiten, sie zum Klingen bringen? Jakob Rullhusen macht das: „Konzerte für den leeren Raum“ heißt das Projekt, für den der Musiker mit einem Künstlerstipendium im Rahmen der Corona-Hilfsmaßnahmen des Landes Nordrhein-Westfalen mit 7000 Euro gefördert wurde. Am Sonntag, 18 Uhr, läuft Teil 3 der Reihe auf Rullhusens YouTube-Kanal (www.youtube.com/user/jakobsoundtracks) – diesmal aus dem Friseur-, Kosmetik- & Wellnesssalon „Anne Brinkmann“ an der Siegener Juliusstraße.

Ursprüngliche Idee: Theaterprojekt im dee2

Ursprünglich habe er ein Theaterprojekt namens „Der leere Raum“ im dee2 in Kaan-Marienborn geplant gehabt, erzählt Jakob Rullhusen. Doch durch die Renovierung des Clubs und andere widrige Umstände sei es dazu nicht gekommen. Um sich solidarisch mit denjenigen zu zeigen, deren Räume coronabedingt leerstehen, hat er das Projekt umformuliert und die „Konzerte für den leeren Raum“ entwickelt.

"Wir sind alle systemrelevant"

„Ich gucke viel Nachrichten und mache mir Sorgen, was die Corona-Pandemie und der Lockdown für uns als Gesellschaft bedeuten“, sagt der Musiker. „Keiner steht alleine da, wir sind alle vernetzt als Gesellschaft“, möchte er mit seinen Konzerten signalisieren, „wir sind alle am Kämpfen, es geht uns allen gleich.“ Er möchte über die Kunst – „etwas anderes kann ich nicht“ – seinen Teil zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen. Seine Botschaft: „Wir sind alle systemrelevant, denn wir alle sind das System.“

Im Herbst 2020 nach Siegen zurück

Der 43-Jährige, der 1997 zum Kunst-Studium nach Siegen kam, wurde hier u. a. mit dem Musik-Projekt Hemmschuhleger (HSL) mit Sven Surauf, Auftritten beim Kunstwechsel und der Musik für die freie Theaterproduktion „Kaspar“ (2001) in der Stadtbühne Siegen bekannter. Nach fünf Jahren in Köln und Auftritten und Arbeit in Deutschland und der Welt (von Straßentheater bis Theatermusik und -technik) lebt der Musiker seit Herbst wieder in Siegen.

Verbindungen etwa auch zur 9bar

Durch Verbindungen, die gehalten haben, hat er die leeren Räume – „Begegnungsorte“, wie er sagt – gefunden, die er nun live bespielt: Das Fitnessstudio in Euskirchen etwa betreibt Thorsten Mesek, mit dem Rullhusen das Handtke-Projekt „Kaspar“ unternommen hat. Hier fand vor einem Monat das erste Konzert der Reihe statt; vor einer Woche streamte der Autodidakt (das ist ihm wichtig!) live aus der Siegener 9bar von Marco Eckhardt; auch Claudia Winter und Sonja Feldmann vom Friseurladen „Anne Brinkmann“ sind alte Bekannte. 

Rockmobil und Gesamtschule Eiserfeld

Geplant sind weitere Konzerte, etwa im Künstlerhaus in Dortmund, im Rockmobil von Hans-Dieter Klug und in der Gesamtschule (GS) Eiserfeld, bevor die Schüler dorthin zurückkehren und den leeren Raum wieder füllen. Das Konzert dort, geplant für den 19. Februar, soll aber nicht live sein, sondern wird aufgenommen und später ausgestrahlt.

Kultur-Corona-Hilfe "unkompliziert und schnell"

Während viele Betroffene klagen, dass die beantragten Corona-Hilfen nicht bei ihnen ankommen, hat Jakob Rullhusen mit seinem Stipendium ganz andere Erfahrungen gemacht: „Das ging unkompliziert und schnell.“ Der Musiker konnte sein Equipment aufstocken, etwa von vier auf acht Kameras, mit denen er sich selbst aufnimmt, und hat in die Technik für Livestreams investiert. „Das ist totales Neuland für mich“, sagt er, „ich komme aus der Analog-Zeit und lerne gerade superviel.“

Der Raum ist ganz Bühne

Sein Konzept sieht vor, dass er den jeweiligen leeren Raum hygienebedingt komplett allein bespielt: von der Ankunft über den technischen Aufbau bis zur Performance, die er „dramaturgisch angelegte Improvisation“ nennt. Etwa eine halbe Stunde dauern die Konzerte. Während er spielt – nicht auf klassischen, sondern auf selbst entwickelten Instrumenten (in der 9bar etwa mit Gläsern), mit Looper im Laptop und einer App im Tablet, die „visuell Musik machen“ kann –, vergesse er, „dass da eine Kamera ist“, sagt Jakob Rullhusen, der Raum ist ganz Bühne. Dabei möchte er sich so wenig wie möglich auf die Technik konzentrieren: „Die Technik kann einen künstlerisch sehr blockieren“, das weiß er aus 20 Jahren Erfahrung.

"Es geht weiter, weil ich mich bewege"

Die Ganz-allein-Konzerte in den leeren Räumen nennt er „waghalsig“ und „hart am Wind“, aber: Wenn es funktioniere, sei es fantastisch. „Ich bewege mich, es geht weiter, weil ich mich bewege.“ Wer engagiert mich mal wieder für eine Auftragsproduktion fürs Theater? Wie geht es nach April weiter? Für solche Fragen ist in dem Moment keine Zeit. Auch wie viele Zuschauer gerade live dabei sind, ist dann nicht wichtig. Jakob Rullhusen weiß: Beim ersten Konzert waren es zwischen 70 und 100. Die Performances – „ich gehe an Konzerte ran wie an kleine Theaterproduktionen“ – bleiben auf seinem YouTube-Kanal und können auch im Nachhinein angesehen werden. Für die Förderung durch das Land NRW muss er einen Abschlussbericht schreiben, als Dokumentation.

Bei "Anne Brinkmann" mit Projektionen arbeiten

„Anne Brinkmann“ mit den drei in Weiß gehaltenen Räumen, in denen gearbeitet wird, findet der Musiker knifflig. Er will sie trotzdem alle drei bespielen, mit Projektionen arbeiten. Geräusche erzeuge er mit den „schönen Gegenständen“, die er vor Ort vorfindet und – natürlich – mit einer Schere. „Meine eigene“, betont er – die Hygiene! Mit dem Friseursalon verbindet ihn noch etwas anderes. Eigentlich hätten hier – nach 20 Jahren – seine Rastas zu Boden fallen sollen, das war der Deal. Doch im Mai hat er sie selbst abgeschnitten. Zum Nachschneiden könnte er ab dem 1. März wieder hingehen. Dann wird aus dem leeren Raum wieder einer, in dem Arbeit und Begegnung möglich sind.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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