"S-Klassik": Chefdirigent gibt Einstand mit Beethovens Neunter (mit Video)
Nabil Shehata ist angekommen!

Ein gewaltiges Klang-Monument erschufen die Philharmonie Südwestfalen, der WDR-Rundfunkchor und ein Solistenquartett mit Beethovens Neunter am Donnerstagabend beim ersten von drei „S-Klassik“-Konzerten im Siegener Apollo-Theater.
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  • Ein gewaltiges Klang-Monument erschufen die Philharmonie Südwestfalen, der WDR-Rundfunkchor und ein Solistenquartett mit Beethovens Neunter am Donnerstagabend beim ersten von drei „S-Klassik“-Konzerten im Siegener Apollo-Theater.
  • Foto: Alexander W. Weiß
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aww – Die Philharmonie Südwestfalen und der WDR-Rundfunkchor gaben Beethovens 9. Sinfonie bei "S-Klassik" im Siegener Apollo-Theater. Nabil Shehata feierte damit einen fulminanten Einstand als Chefdirigent des Orchesters. 

aww Siegen. Nabil Shehata ist in der Region angekommen. Und beim Publikum! Der neue Chefdirigent und Nachfolger von Charles Olivieri-Munroe eröffnete am Donnerstagabend mit seiner Philharmonie Südwestfalen die Siegener Konzertsaison mit dem ersten von drei „S-Klassik“-Konzerten der Sparkasse Siegen – es ist die mittlerweile 28. Auflage seit Einführung der Reihe 1992 – im voll besetzten Siegener Apollo-Theater. Dabei kleckerte er nicht. Er klotzte! Mit Beethovens Neunter hätte sein Antrittskonzert kaum wuchtiger ausfallen können. Das beglückte Publikum dankte es hernach lang anhaltend (und stehend) applaudierend.

Intendant freut sich aufs "Haus der Musik"

Orchester-Intendant Michael Nassauer, der gewohnt entspannt und informativ moderierte, versprach einen musikalischen Abend auf dem Wege „von der Klassik zur Romantik“, ordnete die Werke – Carl Maria von Webers erste Sinfonie und eben Ludwig van Beethovens letzte – kurz in ihren historischen, gesellschaftlich-politischen Rahmen ein, berichtete von einem voll ausgebuchten Konzertkalender des NRW-Landesorchesters in der bevorstehenden Spielzeit – und zeigte sich nicht zuletzt erfreut und dankbar, dass der Weg für ein Siegener „Haus der Musik“ für die Philharmonie nun seit Kurzem frei sei (wir berichteten): „Das ist für uns sehr viel wert!“

Shehata dirigierte kontrolliert und akzentuiert

„Ganz klassisch“, so Nassauer, starteten die heimischen Philharmoniker mit Webers Sinfonie Nr. 1 C-Dur und zeigten sich nach der Sommerpause in tadelloser Spiellaune. Gefällig im besten Sinne, nahm das einleitende Allegro con fuoco die Zuhörer festlich, heiter, spritzig und auch mit der einen oder anderen Wendung ins Dramatische mit auf eine jede Sekunde höchst unterhaltsame und genussreiche sinfonische Erlebnistour. Der hier recht reduzierte Orchesterapparat im Verbund mit einer klaren, kompakten Spielweise machte die Musik transparent und gut „durchhörbar“, lenkte die Aufmerksamkeit auf die farbige Klanggestaltung unter Fokussierung auf die Holzbläser. Lob, neben Fagott und Flöte, insbesondere an Solo-Oboist Luciano Cruz, der im langsamen zweiten Satz das getragen-nachdenkliche Thema ausdrucksstark und feinsinnig in Tongebung und Dynamik vortrug und im folgenden Scherzo mit großer Agilität zu Werke ging. Der neue Chef am Pult, Nabil Shehata, dirigierte hier, wie auch später bei Beethoven, mit Understatement, ganz unprätentiös und zurückgenommen, kontrolliert vielmehr, wirkte klar in seinen Anweisungen und akzentuiert namentlich im wirbelnden Finale.

Musikalischer Donnerschlag: Beethoven

Nach der Pause der Donnerschlag mit der Beethoven-Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125, ein Meilenstein, wie Michael Nassauer sagte, der die Messlatte für folgende Komponistengenerationen enorm hoch gelegt habe. Treibende Klänge, wilde Eruptionen, wellenförmig aufwallende Pauken – das Publikum erlebte musikalische Dramatik pur, wunderbar vom hochkonzentrierten, nun freilich größeren Orchester gestaltete Spannungsbögen, kraftstrotzende Musik, durchbrochen von einem gemessenen, zuweilen schwelgerisch ausgekosteten dritten Satz.
Schließlich die Ode „An die Freude“ (Schiller), die die mehr als 50 Stimmen des von großem Gestaltungswillen zeugenden WDR-Rundfunkchors (Leitung: Robert Blank) gemeinsam mit dem gut harmonierenden, jungen Solistenquartett Kathrin Zukowski (Sopran), Irena Wèber (Mezzosopran), David Jagodic (Tenor) und Frederik Tucker (Bariton) sowie der Philharmonie Südwestfalen prachtvoll und leidenschaftlich in einem gewaltigen, furiosen Klanggefüge durch den Theatersaal fluten ließen. Wenn auch Orchester und Chor an ein, zwei Stellen intonatorisch ein wenig auseinanderzudriften schienen, blieb der letztlich alles bestimmende Eindruck: überwältigend!
Für den großen Applaus bedankten sich Nabil Shehata und die Philharmonie mit dem wehmütigen „Nimrod“-Satz aus Edward Elgars „Enigma-Variationen“. Zum Träumen schön.

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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