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Herrlich hörbar: zwei Uraufführungen Neuer Musik im Konzert der Kantorei
Neue schöne Töne in der Nikolaikirche

Rosalie Vogt am Klavier, Komponist Claus Kühnl und die Sopranistin Sonja Ebel-Eisa verzauberten am Sonntagabend in der Nikolaikirche.
  • Rosalie Vogt am Klavier, Komponist Claus Kühnl und die Sopranistin Sonja Ebel-Eisa verzauberten am Sonntagabend in der Nikolaikirche.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Noch wärmte die Sonne die Treppen von Siegens Wahrzeichenkirche Nikolai, auf denen junge Menschen saßen und sich und den Abend genossen, als Sonja Ebel-Eisa vergangenen Sonntagabend drinnen vors Mikro trat und leise Rilke zitierte, von wegen „wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer allein ist, wird es lange bleiben …“ – das klassische depressive Herbstgedicht.
Aber so ging es nicht weiter: Knapp 30 interessierte Freundinnen und Freunde zeitgenössischer Kompositionen und klassischer Moderne in Liedvertonungen genossen ein knapp einstündiges Konzert unter der Ägide der Kantorei Siegen.

ne Siegen. Noch wärmte die Sonne die Treppen von Siegens Wahrzeichenkirche Nikolai, auf denen junge Menschen saßen und sich und den Abend genossen, als Sonja Ebel-Eisa vergangenen Sonntagabend drinnen vors Mikro trat und leise Rilke zitierte, von wegen „wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Wer allein ist, wird es lange bleiben …“ – das klassische depressive Herbstgedicht.
Aber so ging es nicht weiter: Knapp 30 interessierte Freundinnen und Freunde zeitgenössischer Kompositionen und klassischer Moderne in Liedvertonungen genossen ein knapp einstündiges Konzert unter der Ägide der Kantorei Siegen. Die hatte mit Rosalie Vogt und Sonja Ebel-Eisa zwei renommierte Musikerinnen eingeladen, die sieben Lieder von Alban Berg und fünf neue Liedvertonungen nach Gedichten von Conrad Ferdinand Meyer von Claus Kühnl interpretierten.

Erläuterungen von Komponist Claus Kühnl

Fein auch, dass Kühnl, viel gefragter Komponist und Professor für Komposition am Dr.-Hochs-Konservatorium in Frankfurt und seit 2016 Honorarprofessor der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt, anwesend war und Wissenswertes zu seinen Werken anmoderierte.
Das Trio harmonierte wunderbar: Rosalie Vogt begleitete den klangmächtigen Sopran von Sonja Ebel-Eisa kongenial, behutsam in der Phrasierung, orientierend in den rhythmisch diffizilen Phasen der Pausen und Punktierungen und auffordernd frisch in den Fortepassagen, die Ebel-Eisa trotz zum Teil höchster Lagen klangschön ausarbeitete. Und bezaubernd artikulierte – ganz im Sinne der Komponisten Berg und Kühnl auf Wortverständnis gesungen.
So sind die sieben frühen Lieder von Berg 1907 und der quasi als ein Coronazwangspausenprojekt 2018/19 entstandene Liedzyklus des 1957 im fränkischen Arnsberg geborenen Wahlfrankfurters denn auch komponiert: kaum Textwiederholungen, ostentativ lautmalerisch die Wortbilder illustrierend, da tropfen vereinzelte Töne, wenn „auch eine Träne fiel“, oder gibt’s Oktavsprünge zu singen, wenn plötzlich „die Rosen aufgesprungen“ sind.

Dazwischen: die "Entzückung für Klavier"

Zwischen die Liedzyklen setzen die Programmmacherinnen um Ute Debus und die Gastkünstlerinnen die einsätzige „Entzückung für Klavier“ von 2020, eine permutative Komposition, die von der Dialektik singulärer, ausschwingender Akkorde und perlender Arpeggien lebt und deren Dynamik sich analog einer anschwellenden wie abschwellenden Ekstase entwickelt – mit abschließendem Kuscheln. Zwei Uraufführungen herrlich hörbarer Neuer Musik waren wieder Ausweis dafür, dass das gelegentlich übel beleumundete Genre die Krach- und Schrillklischees längst überwunden hat.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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