SZ-Interview mit Schauspieler Florian Teichtmeister
Neuer Fall in ZDF-Reihe „Die Toten von Salzburg“

Der Rollstuhl ist für Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) kein Hindernis. Der österreichische Major in der ZDF-Krimireihe „Die Toten
von Salzburg“ ermittelt auch in luftigen Höhen. Foto: ZDF/Toni Muhr
  • Der Rollstuhl ist für Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) kein Hindernis. Der österreichische Major in der ZDF-Krimireihe „Die Toten
    von Salzburg“ ermittelt auch in luftigen Höhen. Foto: ZDF/Toni Muhr
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

la Siegen/Salzburg. Es gibt die smarten, die, die wilde Verfolgungsjagden mit Ermittlungsarbeit verwechseln, und es gibt die Kommissare, die mit Verstand und Intuition die Kriminalfälle lösen. Major Peter Palfinger von der Kripo Salzburg ist so ein Mann, der emotionslos dem Verbrechen in der Mozartstadt und Umgebung auf der Spur ist. Kühl überlegt und kombiniert. Das hat nichts damit zu tun, dass er seit seinem Absturz beim Paragliding im Rollstuhl sitzt. Für ihn ist der Rollstuhl Fortbewegungsmittel, kein Handicap. Florian Teichtmeister (49) spielt den Major Peter Palfinger in der ZDF-Reihe „Die Toten von Salzburg“ seit 2016. An diesem Mittwoch, 20.15 Uhr, läuft die Folge „Mordwasser“.

Fitz und Teichtmeister: zur deutsch-österreichischen Zusammenarbeit gezwungen

An der Seite des österreichischen Majors: sein deutscher Kollege, der bayrische Hauptkommissar Hubert Mur aus Traunstein, gespielt von Michael Fitz. Was die beiden so unterschiedlichen Kommissare verbindet: Sie sind Einzelgänger, Grantler, die zur deutsch-österreichischen Zusammenarbeit gezwungen sind. In Österreich ist die vierte Folge („Mordwasser“), in der im heißen Quellwasser des Kurortes Bad Gastein die Leiche eines jungen Mannes geborgen wird, schon gelaufen. Wie Folge fünf, „Wolf im Schafspelz“. In Salzburg stehen Teichtmeister/Fitz und das Ensemble der Salzburger Kripo gerade für die sechste Folge, „Schwanengesang“ – in der Koproduktion ORF/ZDF –, vor der Kamera. Noch bis Ende Juni.

Einer der renommiertesten und gefragtesten Schauspieler Österreichs

Florian Teichtmeister, einer der renommiertesten und gefragtesten Schauspieler Österreichs, der mit einigen Preisen ausgezeichnet wurde, kommt gerade vom Training beim Rollstuhlsportverein „Basket“ Salzburg, als er sich mit der Siegener Zeitung unterhält. Dieser sportliche Ehrgeiz, diese Lebensfreude, das hat ihn beim Training fasziniert. Und einem Kommissar im Rollstuhl, hat er dem im Fernsehen eine Chance gegeben, als er das erste Drehbuch las? „Sofort“, sagt der gebürtige Wiener, „ohne zu wissen, wie die Besetzung war. Die Krimis ,Die Toten von Salzburg‘ sind unterhaltsam, spannend bis hin zur Nabelschau, und die Drehbücher, wie die Filmcrew, exzellent.“ Gefragt hat er sich nur, ob der Fernsehzuschauer einen Kommissar im Rollstuhl sehen will. Es war der einzige Parameter, wo niemand wissen konnte, ob man so etwas erzählen konnte.

Über fünf Millionen Zuschauer in Deutschland und Österreich

Die Akzeptanz – über fünf Millionen sehen in Deutschland und Österreich jede Folge – findet Teichtmeister wunderbar. „Das ist aber auch dem Regisseur und den Autoren zu verdanken.“ Hat sich seine Sicht, seit er für die Rolle im Rollstuhl sitzt, auf Menschen mit diesem Handicap geändert? „Auf die Menschen nicht“, sagt Teichtmeister, „aber auf viele andere Dinge. Wenn ich heute ein Lokal betrete oder ein öffentliches Gebäude, dann nehme ich sofort wahr: Hier gibt es ja keine Rampe für einen Rollstuhlfahrer.“ Der Österreicher empfiehlt, man sollte mal Kinder und Erwachsene einen ganzen Tag in einen Rollstuhl setzen und sie durch die Stadt fahren lassen, dann würden sie die Normalität dieser Fortbewegung noch mehr akzeptieren. Und da kommt er wieder auf den gerade absolvierten Sport zurück. „Das ist eine gemischte Gruppe aus Gehern und Fahrern, die machen einfach Sport zusammen und haben ihren Spaß.“

Das Thema Rollstuhlfahrer war für Florian Teichtmeister nicht neu. „Ein ganz lieber Freund meines Vaters, mein Taufpate, saß im Rollstuhl. Ich bin damit aufgewachsen. Da gab es keine Hemmschwelle. Der Rollstuhl war Alltagsgegenstand, und so sollte es auch sein.“ Teichtmeister bemängelt nicht die Rücksichtnahme gegenüber Rollstuhlfahrern. „In Gesprächen habe ich manchmal den Eindruck, es wird zu viel Rücksicht genommen. Wichtig wäre es, zu einem normalen Miteinander zu finden.“ Ohne Vorurteile.

Vorliebe für außergewöhnliche Charaktere

In Berlin wird er in diesem Jahr, Ende Dezember, wieder als Frosch in der Strauß-Operette „Die Fledermaus“ (Regie: Star-Tenor Rolando Villazón) auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin stehen und ab September als Papageno in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden in 14 Aufführungen der „Zauberflöte“ (Regie: Yuval Sharon). Dazu kommen die Wiederaufnahme als Professor Ebenwald in „Professor Bernhardi“ im Theater in der Josefstadt in Wien und im September eine Premiere am Wiener Burgtheater. Mal Papageno, dann wieder Kriminalkommissar und dann wieder Professor im Schnitzler-Stück – ein schwieriger Spagat? Nicht für Florian Teichtmeister. „Für die Erfahrung auf der Opernbühne, für die ich bisher alle Rollen abgelehnt habe, bin ich sehr dankbar. Wenn ich auch manchmal die Zusage für den Papageno verflucht habe. Die Oper ist personell eine andere Welt, doch es gibt auch Berührungspunkte zum Sprechtheater. Und man konnte nur dazulernen.“ Vielleicht ist es das, was ihn so vielseitig werden ließ: seine Offenheit für Neues, seine Vorliebe für außergewöhnliche Charaktere, wie den Major Peter Palfinger. Und das spürt der Zuschauer: seine Begeisterung für den Beruf.

Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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