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Applausordnung, Blumenschmuck und Gesten der Wertschätzung auf der Bühne
Nie ohne „Triumphgemüse“

Nach dem Konzert findet das üppige Blumengesteck noch Verwendung als Schmuck fürs Foyer.
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  • Nach dem Konzert findet das üppige Blumengesteck noch Verwendung als Schmuck fürs Foyer.
  • Foto: Werner Hahn/Apollo
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gmz - Auch das Überreichen der Blumen am Ende einer Premiere oder eines Konzertes folgt einer bestimmten Regie.
gmz Siegen. Wäre nicht Corona, und wären Kulturveranstaltungen mit Publikum nicht untersagt, dann hätten Sie dieser Tage an dieser Stelle einen Bericht über das Neujahrskonzert der Philharmonie Südwestfalen im Siegener Apollo-Theater lesen können. Doch leider nicht in diesem Jahr, aus den bekannten Gründen. Um aber an die gespannte, erwartungsvolle Stimmung beim Besuch des Neujahrskonzertes zu erinnern, an die Freude, Musik zu hören und Freunde und Bekannte in diesem noch so frischen Jahr zu treffen, wird der Blumenschmuck, der bei diesem Konzert am ersten Tag des neuen Jahres immer besondern prachtvoll ist, einmal in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.

gmz - Auch das Überreichen der Blumen am Ende einer Premiere oder eines Konzertes folgt einer bestimmten Regie.
gmz Siegen.Wäre nicht Corona, und wären Kulturveranstaltungen mit Publikum nicht untersagt, dann hätten Sie dieser Tage an dieser Stelle einen Bericht über das Neujahrskonzert der Philharmonie Südwestfalen im Siegener Apollo-Theater lesen können. Doch leider nicht in diesem Jahr, aus den bekannten Gründen. Um aber an die gespannte, erwartungsvolle Stimmung beim Besuch des Neujahrskonzertes zu erinnern, an die Freude, Musik zu hören und Freunde und Bekannte in diesem noch so frischen Jahr zu treffen, wird der Blumenschmuck, der bei diesem Konzert am ersten Tag des neuen Jahres immer besondern prachtvoll ist, einmal in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Sonst steht er immer bescheiden am Bühnenrand oder wird in die Hände der dankbar-erleichterten Akteure gedrückt, nach „getaner Arbeit“.
Er gehört zur Premiere oder zum Konzert wie der Applaus, der Vorhang und das Programmheft: der Blumendank für die Künstler und der Blumenschmuck auf der Konzertbühne. Meist registriert man nur, dass zum Beispiel bei den Philharmonie-Südwestfalen-Konzerten im Apollo rechts und links des Orchesters schöne Blumenarrangements stehen – prachtvolle Gestecke, die die beiden Säulen, auf denen sie stehen, nein: auf denen sie präsentiert werden, „herunterfließen“ und einen Rahmen bilden für das Geschehen auf der Bühne: Zum Ohren- kommt der Augenschmaus.
Blumen haben im Theater und bei Konzerten eine lange Tradition, sagt Apollo-Intendant Magnus Reitschuster im SZ-Gespräch. An zwei Stellen: als Schmuck der Bühne (bei Konzerten) und als Dankeschön für Schauspielerinnen und Schauspieler, die „Schwarzen“ und die Solistinnen und Solisten nach der Vorstellung oder dem Konzert. Magnus Reitschuster verweist auf die Applausordnung, die den Abgang der Schauspieler von der Bühne, den Applaus und das Überreichen der Blumen orchestriert: „Wenn etwas die Bühne betritt“, fügt er an, „wird es symbolisch.“

Blumen spielen am Ende die Hauptrolle!

Die Applausordnung hat aber auch eine praktische Seite. Sie regelt, wer sich wann wie lange nach der Vorstellung seinen Applaus „abholen“ darf. Sie schreibt vor, in welcher Reihenfolge und von welcher Seite die Schauspieler auf die Bühne laufen; sie gibt vor, dass die Schauspieler gemeinsam an den Bühnenrand treten, sich verneigen, zurückgehen, eventuell wieder nach vorne gehen, abtreten, wieder auf die Bühne kommen … Gefolgt von den Schwarzen“, wie das oft schwarz gekleidete Personal hinter der Bühne genannt wird: Regisseure, Bühnenbildner, etc. Das ganze Team wird in den Fokus gerückt, nicht nur einzelne!
Sind alle auf der Bühne, werden nach Premieren die Blumen überreicht: Die Überbringerinnen (meist sind es Frauen) fangen mir den außen stehenden Blumen-Empfängern an und arbeiten sich nach nach innen vor. Das muss schnell gehen, sagt Reitschuster, damit das Publikum nicht ungeduldig wird. Zeit für einen Privatplausch haben die „Blumengeber“ deshalb nicht.
Auch nach Konzerten werden Blumensträuße überreicht. An die Solisten und den Dirigenten, die Dirigentin. Der/die reicht seinen Strauß gelegentlich/meistens weiter an einen Orchestersolisten, die Konzertmeisterin oder wirft ihn auch mal ans Publikum. Oder dirigiert es per Blumenstrauß! Mancher bedankt sich für den Strauß mit einem Küsschen – auch da muss die „Blumenregie“ wissen, wer das möchte und wer die Blumen lieber mit einem Händedruck entgegennimmt.

Applausordnung führt  die Regie 

Währenddessen klatscht das Publikum weiter: Es ist ja Teil dieser Inszenierung. Kein Wunder, dass der Blumenstrauß, als Dank und Anerkennung überreicht, auch liebevoll ironisch „Triumphgemüse“ genannt wird, wie Werner Hahn, JAp-Leiter (Junges Apollo), verrät. Er ist enorm wichtig und muss mit Überlegung überreicht werden. Eben einer Applausordnung folgend! „Blumen spielen am Ende die Hauptrolle“, ergänzt Magnus Reitschuster. Und werden von den Empfängern auch als Geste der Wertschätzung gesehen, nicht nur als Formalität. Sie dürfen, sie sollen deshalb nicht fehlen.
„Wir bemühen uns immer“, sagt Maria Serafin, Leiterin der Apollo-Abteilung Abenddienst, die für den Besucherservice und auch die Blumen zuständig ist, „den Blumenschmuck passend auszuwählen“, saisonal passend und auch möglichst mit einem Bezug zum Stück. Im Foyer des Apollo-Theaters, das ja immer mit Blumen geschmückt ist und damit sehr willkommen heißend wirkt, stehen im Frühling Tulpen oder Osterglocken, im Herbst Astern oder Chrysanthemen und in der Vorweihnachtszeit vielleicht eher Amaryllen. Sind im Bühnenbild zum Beispiel Sonnenblumen zu sehen, dann gibt es nach Möglichkeit auch eine Sonnenblume im Blumenstrauß für die Schauspielerinnen und Schauspieler. Für die Truppe der „Blechtrommel“-Premiere fand Maria Serafin rot-weiß gepunktete Rosen, ebenfalls passend zum Stück,
Die Sträuße sollen aber nicht nur einen Bezug zum Stück haben, sondern sie müssen auch „handhabbar“ sein: Ein Musiker muss sie unter Umständen zusammen mit seinem sperrigen Instrument von der Bühne tragen, also müssen sie recht kompakt sein. Die Sträuße dürfen nicht tropfen oder mit Blütenstaub die Kleidung beschmutzen, die Blüten dürfen auch nicht zu (druck)empfindlich sein. Es gibt viel zu beachten!
Der Bühnenschmuck für die Konzerte wird ebenfalls an die Gelegenheit angepasst: Für die S-Klassik-Konzerte, die häufig die Theater- und Konzert-Saison eröffnen, werden gerne rote, also „sparkassenfarbene“ Akzente im Blumengesteck gesetzt.
 

Blumen: eine Geste der Wertschätzung

Die Gestecke am Bühnenrand dürfen ruhig auch etwas opulenter sein … Ein Blickfang, der erfreut, aber nicht ablenkt vom Geschehen auf der Bühne. Die Blumengestecke und -sträuße kamen bis zur Schließung des Geschäfts über viele Jahre übrigens vom Blumengarten Wittenberg, die uns „toll versorgt haben“, wie Maria Serafin sagt.
Ach ja: Die Presse will natürlich auch wissen, ob die Blumensträuße „recyclet“ werden, wenn an einem Tag zwei Aufführungen oder Konzerte mit dem gleichen Personal stattfinden. „Nein“, sagt Maria Serafin entschieden: „Nach jedem Konzert/jeder Aufführung wird ein anderer Strauß überreicht.“ Auch wenn manche Schauspieler oder Solisten meinen, das sei nicht nötig. Aber die Apollo-Macher meinen schon: Auch das ist eine Geste der Wertschätzung!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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