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Ausstellung "Rundgang" des Fachs Kunst der Universität Siegen
"Off-Raum" am Herrengarten als Kunst-Hotspot

Viele Besucher fanden den Weg zur Eröffnung der Ausstellung „Rundgang“ 2020 des Fachs Kunst der Universität Siegen, die am Mittwochabend in der ehemaligen Boutique am Herrengarten in Siegen eröffnet wurde.
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  • Viele Besucher fanden den Weg zur Eröffnung der Ausstellung „Rundgang“ 2020 des Fachs Kunst der Universität Siegen, die am Mittwochabend in der ehemaligen Boutique am Herrengarten in Siegen eröffnet wurde.
  • Foto: Peter Barden
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pebe Siegen. Was entsteht im Kopf der Betrachter, wenn aus einem Staubsauger Hefeteig quillt? Wenn dünn ausgerollter Ton, gefaltet und gebrannt, wie ein Konvolut aus Papier erscheint? Was ist das Irritierende, wenn sich auf einer grünen Fläche eine noch grüne Banane erhebt, gestützt und durchstochen von einem hölzernen Stab? Warum macht eine Fotografin den Blick frei für ihre eigene, fast intime Privatheit? Kunst kann Fragen aufwerfen, grundsätzliche, substanzielle Anfragen an unsere Sinne, unseren Verstand, unsere Konzepte. Sie setzt mit ihren Themen Ausrufezeichen, macht bisweilen ratlos – und ist ein prägender Bestandteil der Kultur.

pebe Siegen. Was entsteht im Kopf der Betrachter, wenn aus einem Staubsauger Hefeteig quillt? Wenn dünn ausgerollter Ton, gefaltet und gebrannt, wie ein Konvolut aus Papier erscheint? Was ist das Irritierende, wenn sich auf einer grünen Fläche eine noch grüne Banane erhebt, gestützt und durchstochen von einem hölzernen Stab? Warum macht eine Fotografin den Blick frei für ihre eigene, fast intime Privatheit? Kunst kann Fragen aufwerfen, grundsätzliche, substanzielle Anfragen an unsere Sinne, unseren Verstand, unsere Konzepte. Sie setzt mit ihren Themen Ausrufezeichen, macht bisweilen ratlos – und ist ein prägender Bestandteil der Kultur.

Ein Raum im Raum auf Abruf

Davon zeugen derzeit auch überraschend viele Arbeiten der Ausstellung „Rundgang“, die die Studierenden und Lehrenden des Fachs Kunst an der Universität Siegen vorbereitet haben, um sich wieder der Öffentlichkeit zu präsentieren. Hier sind auch die genannten Beispiele zu sehen, „Staubsauger“ von Anna von Baarsen und Nijole Schaffmeister, eine keramische Arbeit von Anne Barkhausen, ein skulpturaler Beitrag von Anna van Baarsen und Fotografien von Lena Hugger. Am Mittwochabend fand die Eröffnung der Ausstellung mit Arbeiten aus drei Semestern in der leerstehenden Boutique am Herrengarten in Siegen statt – ein Raum im Raum, der bald nicht mehr existieren wird, weil das Gebäude im Zuge der Neugestaltung des Herrengartens abgerissen wird. Zu sehen sind die Arbeiten noch bis zum 2. Februar jeweils von 14 bis 18 Uhr.

Brauhaus noch in der "Update-Phase"

Die Kunst ist derzeit als Interimslösung – das Brauhaus in Weidenau als eigentlicher Praxisort der angehenden Kunsterziehrinnen und -erzieher ist feuerschutztechnisch immer noch nicht endgültig „upgedatet“ – mitten in der Stadt „gelandet“, auf weniger Fläche, aber durchaus präsenter im Stadtbild. Das habe das Fach schon etwas „durcheinandergewirbelt“, befand Prof. Stefan Wissel im Gespräch mit der SZ. Andererseits intensiviere es den Kontakt zwischen Lehrenden und Studierenden. Wissel hofft jedoch, dass die komplexen Maßnahmen im Brauhaus in absehbarer Zeit abgeschlossen werden und der Betrieb zum Sommersemester wieder aufgenommen werden kann. 
Den zentralen Ausstellungsort für die Arbeiten der mehr als 40 Studierenden griff Sebastian Freytag, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fach Kunst, in seiner Einführung auf. Die „fast verlassene“ Immobilie am Herrengarten offenbare mit der Nutzung als „Produktionsort künstlerischer Arbeiten“ eine „neue Logik“. Er erscheine als „transparenter öffentlicher Ort“, offenbare zugleich aber auch eine „Off-Raum-Charakteristik“, die das Entlegene, Abgekoppelte, Randständige betone. 

Vielfältige Arbeiten präsentiert

Der Abschied vom Herrengarten-Gebäudeensemble markiere die „Revision eines zwischenzeitlichen modernistischen städtebaulichen Konzeptes“. Seine vorübergehende Nutzung durch die Kunst kommentiere hingegen auf eigenwillige Weise gesellschaftliche Veränderungen, Pläne oder auch das Fehlen von Plänen. Insgesamt, befand Freytag, sei dies „ein wahnsinnig spannender Ort, der mich inspiriert“.
So vielfältig wie die einzelnen Ausstellenden sind die Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Plastik, Druckgrafik und Fotografie. Der Ausstellungsort wird dabei mit Sensibilität genutzt: Im „hinteren“ Raum z. B. hängen, stehen und liegen großformatige Malereien und skulpturale Arbeiten, die Druckgrafik erscheint kompakt im „Übergangsbereich“ zwischen den Ladenlokalteilen, der Fotografie ist der „vordere“ Bereich gewidmet, und selbst die Nischen der früheren Umkleidekabinen sind als Ausstellungsorte herausgehoben.

Drei Preise vergeben

Thematisch erscheinen die Exponate wie ein polyphones Riesenwerk: Qualität des Vergänglichen (Anna van Baarsen), die intensive Auseinandersetzung mit den Konzepten von Körperlichkeit (Alina Mainusch), die kraftvolle Arbeit mit Flächen (Felicitas Pollmann), eine Wand und Nische mit „Storyboards“ bis hin zur „Verrätselung“ von Materie und Raumkonzept bei Jonathan Dunkel, der laborhafte „Setzkasten“ aus Keramikarbeiten von Anne Barkhausen oder die vielfältigen Reflexionen zum Thema Bild/Abbild/Inhalt im fotografischen Bereich – die Bandbreite ist schier riesig, der Umgang mit den Materialien verrät eine solide Ausbildung.  Auch drei Preise galt es zu vergeben: Den nachgeholten Studienpreis 2019 erhielt Jana Dönneweg (dotiert jeweils mit 300 Euro), den Studienpreis Kunst 2020 Anna von Baarsen, und der von Innogy ausgelobte Förderpreis (500 Euro) wurde Lena Hugger zugesprochen.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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