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Musikschulen wollen nach Wiederöffnung flexibel bleiben
Online, offline – alles geht

In der Fritz-Busch-Musikschule der Universitätsstadt Siegen darf wieder unterrichtet werden. Die ursprünglichen Corona-Beschlüsse ("Musikschulen müssen schließen") wurden geändert.
  • In der Fritz-Busch-Musikschule der Universitätsstadt Siegen darf wieder unterrichtet werden. Die ursprünglichen Corona-Beschlüsse ("Musikschulen müssen schließen") wurden geändert.
  • Foto: Axel Williams (SZ-Archiv)
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zel/pebe Siegen/Frohnhausen. Die Musikschulen in Nordrhein-Westfalen waren seit Montag geschlossen. Das hat die neue Coronaschutzverordnung des NRW-Gesundheitsministeriums so vorgesehen. Seit Donnerstag dürfen sie wieder öffnen (wir berichteten). Die SZ sprach stellvertretend für die öffentliche Musikschul-Branche mit Angelika Baumann, Leiterin der Fritz-Busch-Musikschule der Stadt Siegen, und mit Thomas Frevel, der im Netphener Stadtteil Frohnhausen eine private Musikschule betreibt, darüber, was die Schließung und Wiederöffnung für ihre Arbeit bedeutet.
Unterrichts-Kooperation mit Schulen läuft weiterBraumann klingt am Telefon ganz gelassen und will – zusammen mit den Lehrkräften – flexibel auf die erneut veränderte Situation reagieren.

zel/pebe Siegen/Frohnhausen. Die Musikschulen in Nordrhein-Westfalen waren seit Montag geschlossen. Das hat die neue Coronaschutzverordnung des NRW-Gesundheitsministeriums so vorgesehen. Seit Donnerstag dürfen sie wieder öffnen (wir berichteten). Die SZ sprach stellvertretend für die öffentliche Musikschul-Branche mit Angelika Baumann, Leiterin der Fritz-Busch-Musikschule der Stadt Siegen, und mit Thomas Frevel, der im Netphener Stadtteil Frohnhausen eine private Musikschule betreibt, darüber, was die Schließung und Wiederöffnung für ihre Arbeit bedeutet.

Unterrichts-Kooperation mit Schulen läuft weiter

Braumann klingt am Telefon ganz gelassen und will – zusammen mit den Lehrkräften – flexibel auf die erneut veränderte Situation reagieren. Für sie schon mal positiv: Überall dort, wo die Musikschule mit Schulen und Kitas kooperiert, durften die Musikschullehrer weiterarbeiten – zum Beispiel bei JeKits („Jedem Kind Instrumente, Tanzen, Singen“) in den Grundschulen und in den Bläser-, Streicher- und Bandklassen der weiterführenden Schulen. Denn der Unterricht, der dort erteilt wird, darf nicht nur, sondern muss gegeben werden – schließlich sind die Kinder ja in den Schulen und haben dort Musikunterricht.
Was den Einzelunterricht an der Musikschule betrifft, will die Leiterin hybride Lösungen anbieten. Das Gebäude an der Frankfurter Straße ist für Publikum wieder geöffnet. Terminabsprachen zwischen Schülern und deren Eltern sowie den Lehrkräften finden auf dem kleinen Dienstweg statt, spätestens am Montag soll es in der Musikschule wieder mit Präsenz-Unterricht losgehen. Musizieren im Orchester oder Chor wird es weiterhin nicht geben; musikalische Früherziehung mit bis zu zehn Kindern ist möglich – doch die Teilnehmerzahl soll nicht ausgereizt werden. „Wir sind da sehr vorsichtig, sehr sensibel“, erklärt Angelika Braumann. Auf den Fluren herrsche Maskenpflicht, zum Tragen von Masken – das geht bei den Streichern, Schlagwerkern oder Gitarristen – wird geraten. Ansonsten greift das bekannte Konzept: Trennwände aus Plexiglas, Abstandhalten, Lüften …

Online-Musikunterricht als Zusatzangebot

Sollten Schüler in Quarantäne sein oder ängstlich, vor die Tür zu gehen, bietet die Musikschule – in Absprache mit den Lehrkräften – auch Online-Unterricht hat. Was da alles möglich ist (bzw. was die fest angestellten Lehrer und die Honorarkräfte alles möglich machen), hat die Einrichtung schon im ersten Lockdown im Frühjahr erprobt. „Vieles ist richtig gut gelaufen, gerade beim Einzelunterricht“, sagt die Musikschulleiterin. Allerdings: Richtig gut gelaufen ist vieles, weil viele Lehrkräfte sich ins Digitale reingefuchst und mit eigenem Computer und privatem Internetzugang vieles machbar gemacht haben – „eine Frage der Solidarität“ mit Honorarkräften und Schülern sei das gewesen damals. Rund 90 Prozent aller Schüler seien online mitgegangen. Neben dem Distanz-Unterricht sind auch Lernvideos entstanden, um Gelerntes zu vertiefen – das findet Braumann „total gut“ zur Unterstützung.
Noch nicht so gut sind technische Ausstattung und schnelles Internet, aber da ist Angelika Braumann dran, glaubt fest an die Unterstützung der Stadt Siegen. Schwierig sei zum Beispiel, dass Honorarkräfte, etwa aus Köln kommend, morgens in Siegener Schulen unterrichteten, dann kurz Pause machten und nicht aus dem Musikschulegebäude heraus Online-Unterricht für Einzelschüler geben könnten, weil die technischen Voraussetzungen in jedem Übungsraum (noch) nicht gegeben seien.
„Dass wir so schnell wieder aufmachen dürfen, hat uns alle sehr gewundert“, sagt Braumann. Die Entscheidung der Landesregierung, die Schließung der Musikschulen wieder aufzuheben, erklärt sie sich damit, dass die Länder in Sachen Corona-Maßnahmen ja eigentlich eine einheitliche Linie hätten fahren wollen. „Da war ein Bruch drin.“ Der ist jetzt gekittet.

Frevel: Unterricht lebt von der Präsenz

Er verstehe alle notwendigen Maßnahmen in der Coronakrise, sagt Thomas Frevel (42), der seit 23 Jahren seine Musikschule mit über 200 Schülerinnen und Schülern zwischen fünf und über 80 Jahren betreibt – derzeit im Einzelunterricht, auf mehrere Räume verteilt, ohne Kontakt zwischen den Schülern. Er selbst bleibe beim Unterricht in Entfernung. „Dauerhaft müssen wir uns neu aufstellen“, aber es heiße jetzt, flexibel zu bleiben, sagt er mit Blick auf die neuen Vorgaben für die Musikschulen. Dennoch sei die Situation jetzt „erstmal entspannter“. Er habe noch am Mittwochabend alle Schülerinnen und Schüler informiert, alle freuten sich über die Möglichkeit des Unterrichts. Solange Bildung ermöglicht werde, müsse allen Kindern auch die Möglichkeit zum Lernen gegeben werden, „da sind wir Schulen“. Wenn aber bei einem drastischen Anstieg der Infektionszahlen auch Schulen geschlossen würden, dann sähe die Situation wieder anders aus. „Mein Unterricht lebt von der Präsenz, da ist Online ein Zusatz“, betonte er im Gespräch während der alten NRW-Regelung. Was er während der Schließung als Projekt für seine Schüler erarbeitet habe, solle auch fortgeführt und im Dezember veröffentlicht werden. Finanziell hielten sich seine Einbußen noch in Grenzen, ergänzt er auf Nachfrage. „Die Leute stehen hinter mir“ und schätzten seine Mühe.
Regine Wenzel und Peter Barden

Autor:

Redaktion Kultur

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