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Künstler Dieter Jung wird 80 Jahre alt / In der Region aufgewachsen
Pionier der Holografie

Dieter Jung, der in Oberdielfen aufgewachsen ist, gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Hologramm-Kunst. An diesem Samstag wird der Berliner 80 Jahre alt.
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  • Dieter Jung, der in Oberdielfen aufgewachsen ist, gehört zu den bedeutendsten Künstlern der Hologramm-Kunst. An diesem Samstag wird der Berliner 80 Jahre alt.
  • Foto: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloß
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gmz/sz Oberdielfen/Berlin. „Können Sie mir zeigen, wie man Ölfarben anrührt?“ Der junge Dieter Jung, der ganz plötzlich seine Begeisterung fürs Malen entdeckt hat, steht mit seinen Ölfarben fragend vor der Haustüre des „großen Malers“ Adolf Saenger in Niederdielfen. Dieter Jung wohnt in Oberdielfen, sein Vater ist der Dielfer Landarzt Dr. Jung. Und der sehr naturverbundene Dieter, der einen großen Teil seiner Freizeit beim benachbarten Landwirt verbringt, möchte auch lernen, wie man mit Ölfarbe umgeht.
„Nein“, antwortet Adolf Saenger, einer der Siegerländer Künstler seiner Zeit. Der junge Malbegierige lässt sich nicht einschüchtern: „Darf ich denn nochmal wiederkommen?“ „Wenn de willst“, erhält er zur Antwort.

gmz/sz Oberdielfen/Berlin. „Können Sie mir zeigen, wie man Ölfarben anrührt?“ Der junge Dieter Jung, der ganz plötzlich seine Begeisterung fürs Malen entdeckt hat, steht mit seinen Ölfarben fragend vor der Haustüre des „großen Malers“ Adolf Saenger in Niederdielfen. Dieter Jung wohnt in Oberdielfen, sein Vater ist der Dielfer Landarzt Dr. Jung. Und der sehr naturverbundene Dieter, der einen großen Teil seiner Freizeit beim benachbarten Landwirt verbringt, möchte auch lernen, wie man mit Ölfarbe umgeht.
„Nein“, antwortet Adolf Saenger, einer der Siegerländer Künstler seiner Zeit. Der junge Malbegierige lässt sich nicht einschüchtern: „Darf ich denn nochmal wiederkommen?“ „Wenn de willst“, erhält er zur Antwort. Dieter Jung will, steht 14 Tage später wieder vor der Tür, und Adolf Saenger bittet ihn rein und zeigt ihm in seinem Atelier den Umgang mit den Ölfarben.

"Katzentest" bei Adolf Saenger bestanden

„Ziemlich wortlos“, erinnert sich Dieter Jung, der an diesem Samstag 80 Jahre alt wird, im Gespräch mit der SZ, lief die Unterrichtsstunde ab, aber hilfreich. Als er gehen will und fragt, warum der Maler ihm denn diesmal geholfen hat, antwortet der: „Weil die Katze sich zweimal nicht vom Fleck gerührt hat, als du vor der Türe standest.“ Den „Katzentest“ hat der junge Schüler aus Oberdielfen also bestanden … Weiterer Unterricht in Malen und Zeichnen folgt. Ist so erfolgreich, dass Dieter Jung nach dem Abitur am Löhrtor-Gymnasium in Siegen nach Berlin geht und Kunst studiert.

Besuch beim Giacometti in Paris

Er erhält ein Stipendium für einen Aufenthalt in Paris, wo er Alberto Giacometti in seinem Atelier besucht. Unter dem Arm hat er einen Stapel Tuschezeichnungen, die er mit Giacometti besprechen möchte. Er sei beeindruckt gewesen, erinnert sich Dieter Jung, wie behutsam Giacometti mit seinen Plastiken umgegangen sei, mit den mitgebrachten Zeichnungen, wertschätzend, rücksichtsvoll. Eine prägende Begegnung, sagt er.
Zurück in Berlin beschäftigt sich Dieter Jung an der Uni mit der Film- und Trickfilmtechnik, ein Boom-Thema der 1960er. Dieter Jung interessiert sich für die Aufhebung der geometrischen Perspektive, setzt Kopfbilder in Netze, deren Strukturen sich sich verweben und durch Licht sichtbar gemacht werden. Eine Annäherung an die Licht-Kunst.

Begegnung mit ZERO-Künstler Otto Piene

Er begegnet (nach zahlreichen Stationen im In- und Ausland) Otto Piene, dem gebürtigen Bad Laaspher und weltberühmten Licht-Künstler. Durch den, aus der Distanz betrachtet, Nachbarn kommt er in Kontakt mit der Gruppe ZERO und ans MIT, da Piene dort das Center for Advanced Visual Studies leitet und Jung dorthin einlädt. Dort arbeitet und forscht Dieter Jung vier Jahre lang, taucht in die Welt der frühen Hologramme ein und entwickelt sie weiter als Medium der Kunst, als ein Medium, das, so Jung im SZ-Telefonat, in seiner Frühzeit als „geheimnisvoll“ behütet wurde, als geradezu „magische Komponente“: Licht entschlüsselt Strukturen. Ein bisschen, fügt Dieter Jung an, wie der Zauber der Perspektive, die Dürer als große „Geheimwissenschaft“ zu seiner Zeit nur in Italien erlernen konnte.

Mehr als drei Dimensionen

Blick in die Ausstellung „Dieter Jung“, die 2019 im ZKM – Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe zu sehen war.
  • Blick in die Ausstellung „Dieter Jung“, die 2019 im ZKM – Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe zu sehen war.
  • Foto: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloss
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Dieter Jung spielt in seinen Hologrammen, die er zunehmend am Rechner entwickelt, mit der Aufhebung der geometrischen Perspektive, setzt auf die Licht-Plastik im Raum, die nicht nur drei, sondern mehr Dimensionen hat durch die Eigenwirkungen der Kristalle, die die Objekte wiedergeben.
Die erste Begegnung in den 1970ern mit Hologrammen war ein Gang durch einen „magischen Garten“ mit rotem Laser und funkelnden Kristallen, beschreibt er die Erlebnisse im Gespräch: „Ich war fasziniert.“ In seinem ersten Hologramm stellt er Federn vor, die er als plastische Arbeit in die Luft setzt, wo sie schweben, ihren eigenen Schatten in der Luft sichtbar machen: Dieses Spiel mit Anwesenheit und Abwesenheit, mit Duplizität, mit dem Zusammenhang von Licht, Kristall und Farbe untersucht Dieter Jung in seinen Arbeiten, entwickelt die Technik der Holografie weiter, schafft neue Vorstellungen vom Bild, von den Dimensionen, von Farbe und Präsenz.

"Man bewegt das Hologramm"

Damit ist er weltweit in Ausstellungen unterwegs, begegnet anderen (asiatischen) Kulturen und ihren Wahrnehmungsgewohnheiten – um die geht es in seinen Arbeiten ja auch immer. „Im Kino“, sagt Dieter Jung, „sitzt man, und es bewegt sich.“ Beim Hologramm sei das genau anders: Man bewege es. Durch den Blick, die eigene Bewegung im Raum. Eine neue Art der Raum-Licht-Wahrnehmung und damit auch eine neue Gestaltungsaufgabe.
Der Kunst- und Technologiehistoriker Frank Popper bezeichnete Dieter Jung 2008 „als einen der Pioniere der holographischen Kunst“. So ist es in einer Pressemitteilung zu Jungs Geburtstag zu lesen. Seine Kunst beschreibt er als „zum Greifen nah, aber doch nicht zu fassen“. Sie begleitet den Betrachter.

„Transoptisches Mobile mit Spiegeltrommel“ (1999/2019) heißt diese Licht-Kunst-Arbeit, die ebenfalls im ZKM gezeigt wurde.
  • „Transoptisches Mobile mit Spiegeltrommel“ (1999/2019) heißt diese Licht-Kunst-Arbeit, die ebenfalls im ZKM gezeigt wurde.
  • Foto: © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Felix Grünschloss
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Malen mit Photonen statt mit Pigmenten

Der Ex-Siegerländer malt aber auch weiter. Während des Telefonats mit der SZ sagt er, er sitze gerade in seinem Atelier und warte, bis die Farbe trockne. Die konkrete Tätigkeit sei wichtig: Er müsse „was mit den Händen“ tun. Einen Gegensatz zwischen analogem und virtuellem Kunstschaffen sehe er deshalb nicht, betont er. Beides gehöre zusammen … Der Künstler ist eben ein Grenzgänger zwischen den Welten, Techniken und Technologien, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Dieter Jung bringt es so auf den Punkt: „Ich male nicht mit Pigmenten, ich male mit Photonen.“
Vielleicht gehören die Pigmente, mit denen umzugehen er u. a. bei Adolf Saenger gelernt hat, ja zu den guten Erinnerungen, die er mit seiner Jugend in Oberdielfen verbindet. Diese guten Erfahrungen tragen weiter, auch in virtuelle Kunst-Welten … – Herzlichen Glückwunsch, Dieter Jung!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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