SZ

Marco Reiffenrath malt fotorealistisch
Pizza und Burger in Öl

Marco Reiffenrath mag es, Lebensmittel und Essen fotorealistisch in Öl zu malen – wie hier sein fast schon kultiges Pizzastück. „Ich male, was ich mag“, sagt er beim Fototermin lachend.
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  • Marco Reiffenrath mag es, Lebensmittel und Essen fotorealistisch in Öl zu malen – wie hier sein fast schon kultiges Pizzastück. „Ich male, was ich mag“, sagt er beim Fototermin lachend.
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  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

pebe Siegen. Der Käse ist fett, der backgelbe Schmelz ist ein köstlicher Kontrast zu den knusprig-roten Salamischeiben auf dem Pizzastück. Ist es noch warm? Oder doch schon kalt? Ein Reststück in der Pappe vielleicht? Was eindeutig schien, offenbart auf den zweiten Blick eine sonst verdeckte Dimension. Dieser Effekt stellt sich beim Betrachten der Bilder von Marco Reiffenrath häufig ein. Denn Reiffenrath malt fotorealistisch. Ob Katzenauge oder Kopenhagener Meerjungfrau: Der Betrachter steht verblüfft vor den Arbeiten und ist positiv irritiert, wenn aus dem vermeintlichen Foto ein Ölgemälde wird, akribisch genau, bis in die Feinheiten exakt, zuweilen ist der Pinselstrich sogar aus der Nähe nicht mehr wahrnehmbar.

pebe Siegen. Der Käse ist fett, der backgelbe Schmelz ist ein köstlicher Kontrast zu den knusprig-roten Salamischeiben auf dem Pizzastück. Ist es noch warm? Oder doch schon kalt? Ein Reststück in der Pappe vielleicht? Was eindeutig schien, offenbart auf den zweiten Blick eine sonst verdeckte Dimension. Dieser Effekt stellt sich beim Betrachten der Bilder von Marco Reiffenrath häufig ein. Denn Reiffenrath malt fotorealistisch. Ob Katzenauge oder Kopenhagener Meerjungfrau: Der Betrachter steht verblüfft vor den Arbeiten und ist positiv irritiert, wenn aus dem vermeintlichen Foto ein Ölgemälde wird, akribisch genau, bis in die Feinheiten exakt, zuweilen ist der Pinselstrich sogar aus der Nähe nicht mehr wahrnehmbar.

Aus dem Versuch wurde eine Leidenschaft

Vor vier Jahren, erzählt der 40-Jährige beim Besuch der SZ, habe er mit der realistischen Malerei angefangen. Gemalt habe er immer schon gern, und irgendwann habe er auf YouTube Lernfilme zum realistischen Zeichnen gefunden. Da „funkte“ es. Aus dem Versuch wurde eine Leidenschaft, ein ausfüllendes Hobby, in dem der Sozialpädagoge seine Distanz zur Arbeit an der Grundschule Neunkirchen findet.

Ein realistischer Wackelpudding

„Es ist schon ein großes Kompliment, wenn die Leute ein Bild mit einem Foto verwechseln“, sagt er. Bis dahin war es aber ein langer Weg, der indes durch die Pandemie eine besondere Intensität bekam. Denn die Online-Kurse waren an Wochenenden immer möglich, er bewegte sich vom Zeichnen mit Bleistift und Tusche über die ersten Gemälde mit Pastellfarben bis hin zur Arbeit mit den Ölfarben, bei denen er „hängengeblieben“ ist. Mittlerweile hat Reiffenrath eine Lehrerin in Spanien, Marissa Oosterlee – „streng, aber sie gibt sehr gute Tipps“. Bei ihr malte er unter anderem einen derart realistischen wackligen Wackelpudding, dass man lieber noch ein Gefäß unters Bild hielte – wer weiß, ob er nicht doch aus dem Schälchen kippt … 

Der Blick ins Kleine reizt

Seinen Bildaufbau – und das ist wörtlich zu verstehen, die Bilder bestehen aus mehreren Schichten – lernte er bei Oosterlee. Nach einem grob strukturierenden, eher lasierenden „underpainting“ folgt eine Schicht, die die Farben des Objekts festlegt. Und in der dritten Schicht entstehen die Details: „Da habe ich den meisten Spaß.“ Der Blick ins Kleine sei das, was ihn reizt, was ihn immer wieder neu fasziniert und beim Malen auch fokussiert, erklärt er. Beim Malen könne er besonders gut abschalten, auch wenn es schon mal „sehr frustierende Momente“ gebe. Aber Öl ist geduldig, Misslungenes lässt sich lange korrigieren. Heute sei er aber schon viel entspannter als noch vor zwei Jahren.

Fast rekonstruierende Darstellung

„Ich mag Details“, fährt er fort. So könne es ihm auch beim Joggen passieren, dass ihn der Blick ins Kleine gefangen nimmt, dass Ameisen ihn faszinieren oder der Aufbau einer Blüte im Schatten. Eine verborgene Ordnung, die die Dinge zu dem macht, was sie sind, scheint Reiffenrath wichtig zu sein. „Ich liebe klare Flächen, die im Kleinen anfangen“, überlegt er. Daraus wird eine fast rekonstruierende Darstellung, die ein realistisches Abbild behauptet. „Aber wenn man nahe rangeht, dann kann man noch die Pinselstriche sehen“, erklärt Reiffenrath – als Gegengewicht zum Konstruktiven gewissermaßen ein desillusionierendes Element. Das unterscheide seinen Blick von dem eines Fotografen, sagt er, „beim Fotografieren hat man einen anderen Zugang zu Objekt und Motiv“. Reiffenrath ist nach eigenen Worten übrigens ein Fan von Annette Besgen, deren ganz andere Art der realistischen Malerei ihn fasziniert.
Täglich zwei Stunden widmet er dieser Arbeit – „das bringt mich auch bei der Entwicklung der Technik schnell weiter“. Dazu komme noch die theoretische Auseinandersetzung mit den Techniken – „ich lese viel, da muss ich immer Schüler bleiben“. Er malt ab und zu auf Leinwand, hat auch schon Kupfer ausprobiert und landet immer wieder beim grundierten Sperrholz, das er als Maluntergrund sehr schätzt.

Mit der Zufriedenheit eines Kochs

Seine Farbpalette ist erstaunlich schmal, vor allem sind es fünf Farben, die er immer wieder einsetzt, die drei Grundfarben sowie Weiß und Braun – und ab und zu kräftigeres Grün, zum Beispiel für die Salatblätter auf dem fast einen Quadratmeter großen Hamburger, der gerade in Arbeit ist. „Da ist die Gurkenscheibe schon fertig“, zeigt er mit der Zufriedenheit eines Kochs auf das „eingelegte“ Grün und die Lichteffekte, die das Scheibchen-Gemüse völlig realistisch erscheinen lassen. Wichtig ist ihm, dass die Farben die richtige Helligkeit oder Dunkelheit haben. „Wenn der Schatten zum Beispiel nicht dunkel genug ist, dann wird es nicht realistisch.“

"Ich male, was ich mag"

Zu Beginn seines Weges in die Malerei hat er viele Tiere gezeichnet und gemalt, auch Menschen, aber das hat er aufgegeben, es war nicht sein Sujet. „Ich habe mich dazu entschieden, Essen zu malen“, berichtet er, auch das sei ein Hinweis seiner Lehrerin gewesen. „Ich male, was ich mag“, sagt er lachend, und „Essen auf Sperrholz“ könne vielleicht einmal ein Erkennungszeichen seiner Arbeiten werden.
Kürzlich hat er seine Arbeiten erstmals ausgestellt, in einer Galerie in Siegen, und natürlich ist er auch bei Instagram zu finden. Eine virtuelle Ausstellung mit Info zu den Bildern gibt es auf marcoreiffenrath.de.

Marco Reiffenrath mag es, Lebensmittel und Essen fotorealistisch in Öl zu malen – wie hier sein fast schon kultiges Pizzastück. „Ich male, was ich mag“, sagt er beim Fototermin lachend.
Dieser Burger ist noch "in der Mache". Zwiebeln und die Gurkenscheibe sind schon "echt".
Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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