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Komponist, Organist, Musikwissenschaftler und Hochschullehrer
Prof. Martin Herchenröder bezieht Position

Martin Herchenröder stellt den Anfang des neuen Stückes für Flöte und Klavier vor, das im April mit Carin Levine uraufgeführt
werden soll.
  • Martin Herchenröder stellt den Anfang des neuen Stückes für Flöte und Klavier vor, das im April mit Carin Levine uraufgeführt
    werden soll.
  • Foto: Isabel Lippitz
  • hochgeladen von Peter Helmes (Redakteur)

lip Weidenau. In einem kürzlich gesendeten Interview des Deutschlandfunks mit dem Musikwissenschaftler Prof. Martin Herchenröder, geführt von Egbert Hiller, äußerte dieser: „Was mich berührt, wird Musik“. Seine Musik sei „ein Pfeil, der ins Ungewisse abfliegt“. Anlässlich des 60. Geburtstages des Professors für Musiktheorie befragte die SZ ihn zu seinen philosophischen Aussagen, seinen Vorstellungen und seinem Werdegang.
Lieber Martin, du siehst dich selbst als Komponist, Organist, Musikwissenschaftler, und zwar in dieser Reihenfolge. Wie ergeht es dir in Coronazeiten?
Persönlich geht es mir gut.

lip Weidenau. In einem kürzlich gesendeten Interview des Deutschlandfunks mit dem Musikwissenschaftler Prof. Martin Herchenröder, geführt von Egbert Hiller, äußerte dieser: „Was mich berührt, wird Musik“. Seine Musik sei „ein Pfeil, der ins Ungewisse abfliegt“. Anlässlich des 60. Geburtstages des Professors für Musiktheorie befragte die SZ ihn zu seinen philosophischen Aussagen, seinen Vorstellungen und seinem Werdegang.
Lieber Martin, du siehst dich selbst als Komponist, Organist, Musikwissenschaftler, und zwar in dieser Reihenfolge. Wie ergeht es dir in Coronazeiten?
Persönlich geht es mir gut. Als Künstler war es ein eher schwieriges Jahr, wobei ich als Professor das große Privileg habe, keine wirtschaftlichen Probleme zu haben, während für viele Künstler die Situation furchtbar und existenzgefährdend ist. Dennoch war es sehr schade, dass zwei Uraufführungen, zwei Konzertreisen und etliche weitere Konzerte ausfallen oder verschoben werden mussten. Jetzt gerade wäre ich eigentlich in Göteborg. Aber immerhin, zwei Kompositionsaufträge für Orgel (zur Einweihung der neuen Konzerthausorgel in Göteborg) und eine großformatige Ensemblemusik für das Consord-Ensemble sind für den Spätherbst geplant. Ich müsste jetzt eigentlich komponieren! (er lacht) Und eine dritte CD mit meinen Werken für Kammermusik (Flute and Strings) ist für den Sommer geplant.
Deine Tätigkeit als Hochschullehrer und Musikwissenschaftler erfordert sicher am meisten Zeit und Arbeit.
Ja, die Uni ist komplett zu. So wächst die Verantwortung für die Studierenden: Abschlussprüfungen werden per Video abgeliefert, mit allen dazugehörigen Pannen. Die Onlinelehre macht mehr Arbeit, ist sehr anstrengend und ist nicht so effektiv.
Als Gastprofessor warst du in Kopenhagen, und seit 2008 lehrst du jedes Jahr in Rochester/NY (dieses Jahr virtuell). In Vancouver warst du Visiting Artist, deine Werke werden in Deutschland, Skandinavien, China, Kanada und den USA von renommierten Orchestern und Künstlern aufgeführt. Was möchtest du unbedingt noch erreichen oder komponieren?
Eine Oper! (er lacht) Aber ein Opernhaus müsste mich dafür einladen. Ich schreibe nur noch aufgrund von Aufträgen, zu mehr ist gar keine Zeit! Die Kantaten „In Terra Pax“ (2000) und „Erscheinung“ (2012) sowie „Gottes Schweigen“ (2017) sind großformatige, wichtige Werke, die theatralische Wirkungen nutzen.
Wie gehst du damit um, wenn deine Musik nicht verstanden oder sogar abgelehnt wird?
Ich erfahre immer wieder, dass auch musikalisch wenig vorgebildete Menschen einen unmittelbaren Zugang finden. Das geschieht manchmal durch meine einführenden Erläuterungen oder im „Sich-Einlassen“ auf klangliche und seelische Eindrücke.
Viele deiner Titel sind assoziativ, wie auch die Überschrift „Traumwandlungen“, ein Satz aus „zeit raum I“ für Orgel.
Die Titel sind Einstiegshilfen für den Hörer. Ich schreibe keine Programmmusik, keine Story. Im Gegenteil: meine Musik entwickelt sich aus einer Klangidee, die Titel erfinde ich erst nach der Komposition.
Du hast erst mit 14 Jahren bemerkt, dass du sowohl Synästhetiker bist als auch das absolute Gehör hast. Wie ist das zu verstehen?
A-Dur ist blau, immer! Zahlen und Buchstaben sind auch „betroffen“: 2 und s verwechsle ich manchmal, da sie beide rötlich sind. Cluster sind grau. Das ist aber alles subjektiv. Der Synästhetiker Messiaen z. B. hatte als Farbenhörer andere Zuordnungen. Das absolute Gehör habe ich nicht. So hatte ich bei der Interpretation deiner „Mörike-Lieder“ Schwierigkeiten der Tonfindung trotz meiner zahlreichen Erfahrungen mit Gegenwartsmusik. Das waren studentische Frühwerke, vom Kölner Professor Hans Werner Henze eingefordert, aber noch von der seriellen Manier des vorigen Lehrers Jörg Baur geprägt. Dass meine Vokalwerke singbar sind, hat sich aber immer wieder gezeigt, z. B. in meinen Kantaten. Auch orchestral kann ich durchaus einfacher komponieren, wenn es nötig ist, wie z. B. im 2017 in Ohio aufgenommenen Konzert für zwei Gitarren und Orchester. Gelernt habe ich übrigens am meisten im Selbststudium aus der Musik von György Ligeti.
Neben den zurzeit aufgeschobenen Konzerten, die ja auch die Aufführungen des von dir in Siegen etablierten und mittlerweile 25 Jahre alten Studios für Neue Musik sowie auch die vielen studentischen Projekte betrifft (man denke nur an die mehrfache fantastische Zusammenarbeit mit Professor Ulrich Exner vom Fach Architektur!), nimmt ja auch deine Familie einen wichtigen Raum ein.
Zusammen mit meiner Frau Christine freuen wir uns über Besuche unserer drei erwachsenen Kinder und des Enkels Johannes.

Autor:

Redaktion Kultur

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