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Nikita Miller im Kulturhaus Lÿz
Raue Geschichten, lustig erzählt

Nikita Miller hatte gefühlt schon 1001 Berufe. Sein jetziger ist Comedian. Mit seinem Programm „Freizeitgangster gibt es nicht“ gastierte er am Samstagabend im Siegener Lÿz.
  • Nikita Miller hatte gefühlt schon 1001 Berufe. Sein jetziger ist Comedian. Mit seinem Programm „Freizeitgangster gibt es nicht“ gastierte er am Samstagabend im Siegener Lÿz.
  • Foto: David Wagener
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

daw Siegen. Nikita Millers Ziel ist es, so alt zu werden, dass das deutsche Fernsehen ihm Spaß macht. Er ist jetzt 34. Wenn der Rest seines Lebens auch nur annähernd so spannend wird wie das hinter ihm Liegende, wird er noch einiges erleben. Mit seinem Programm „Freizeitgangster gibt es nicht!“ gastierte er am Samstagabend im Siegener Kulturhaus Lÿz.
Grasdealer in der GemüseabteilungNikita, der ursprünglich Müller mit Nachnamen hieß, hat unglaublich viele Jobs ausprobiert. Er hat Wohnungen von Verstorbenen entrümpelt und dabei erfahren, dass teilweise alte Menschen in den letzten Tagen ihre Wertsachen noch verstecken, damit die Enkel sie nicht finden. Im Rotlichtmilieu hat er Schmuck aus dem Kofferraum seines Autos verkauft.

daw Siegen. Nikita Millers Ziel ist es, so alt zu werden, dass das deutsche Fernsehen ihm Spaß macht. Er ist jetzt 34. Wenn der Rest seines Lebens auch nur annähernd so spannend wird wie das hinter ihm Liegende, wird er noch einiges erleben. Mit seinem Programm „Freizeitgangster gibt es nicht!“ gastierte er am Samstagabend im Siegener Kulturhaus Lÿz.

Grasdealer in der Gemüseabteilung

Nikita, der ursprünglich Müller mit Nachnamen hieß, hat unglaublich viele Jobs ausprobiert. Er hat Wohnungen von Verstorbenen entrümpelt und dabei erfahren, dass teilweise alte Menschen in den letzten Tagen ihre Wertsachen noch verstecken, damit die Enkel sie nicht finden. Im Rotlichtmilieu hat er Schmuck aus dem Kofferraum seines Autos verkauft. Als Grasdealer hat er sich mit Kunden bei Kaufland in der Gemüseabteilung getroffen, um direkt die dortige Waage zu nutzen. Bei seinem Job als Türsteher in Clubs gehörte es zu seinen Aufgaben, auf den Toiletten die Kokser ausfindig zu machen und aus dem Club zu schmeißen.

Sein Beruf heute: Comedian

Nikita hat Kaninchenkäfige geputzt, geriet in Prügeleien und hat echte Gangster getroffen. Letztlich hat er erfolgreich ein Informatik- und Philosophiestudium mit einer Abschlussarbeit über den Tod in Heideggers Philosophie abgeschlossen, nur um 2016 im Anschluss Comedian, oder besser: „comedic storyteller“ zu werden. Wie er im an die Veranstaltung anschließenden Gespräch erklärt, lautet das Lebensmotto des mit fünf oder sechs Jahren nach Deutschland gekommenen sowjetischen Flüchtlings: „Bleib immer in Bewegung, auch wenn du langsam vorankommst, Hauptsache, du stehst nicht still!“
Dieses Motto lebt er auch auf der Bühne: In der Veranstaltung gibt es kein Rasten, eine Geschichte jagt die nächste. Die Geschichten sind witzig, haben aber eher rauen Charakter. Es wird viel gelacht, aber wie er selbst sagt, sind die Witze schnell wieder vergessen, weil die Geschichte weitergeht. Und so bleibt es enorm spannend.

Was ist wohl wahr an den Geschichten?

Zu erzählen hat Miller viel: Von einem Comedywettbewerb, bei dem das Publikum aus seinen Freunden und den Putzfrauen bestand und den er gegen eine 17-jährige Bauchtänzerin verlor. Von seiner Pubertät, in der er enorm unter schulischem Druck stand und versucht hat, Schlägen seines Vaters durch manipulatives Weinen zu entgehen. Es geht um Hausverbot in Disneyland und Kiffereskapaden.
Und immer wieder geht es um das Familienleben mit ihm, seiner jüngeren Schwester und seinen Eltern. Im Anschluss gefragt, was von den Geschichten wahr ist, sagt Miller: „Lass die Witze weg, und du hast die wahre Geschichte.“ So ganz stimmt das aber nicht, wie er selbst einräumt. Abgesehen von einer Figur hat er Namen verändert und auch einige Dinge leicht abgeändert.
Definitiv wahr ist aber der durchweg eher düstere Ton der Geschichten. Es sind Erzählungen einer Kindheit und Jugend, die durch einen rauen Umgang, kulturelle Missverständnisse und Rassismus in deutschen Dörfern geprägt sind. In denen nicht nur einmal Eltern zu anderen Kindern „Ich will nicht, dass du mit Russen spielst!“ gesagt haben.

Verlag für Roman "Kalash" wird noch gesucht

Die Veranstaltung im Lÿz war nur 70 Minuten lang, aber das heißt nicht, dass Nikita Miller am Ende von dem ist, was er zu sagen hat. Stillstand gibt es bei ihm nicht: Der „Sopranos“-Fan hat während Corona den autobiographischen Roman „Kalash“ geschrieben und sucht aktuell einen passenden Verlag dafür. Und nächstes Jahr möchte er auch wieder in Siegen auftreten. Ein Besuch seiner Auftritte lohnt sich: Es ist intelligente, witzige Unterhaltung mit bewegenden Geschichten, die nachhallen.

Autor:

Redaktion Kultur

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