Der Moderator als Musiker
Reinhold Beckmann mit "Freispiel" im Schlosshof

„Freispiel“: Reinhold Beckmann & Band gastierten am Freitagabend im Schlosshof beim Sommerfestival in Siegen (im Hintergrund: Thomas Biller am Bass).
  • „Freispiel“: Reinhold Beckmann & Band gastierten am Freitagabend im Schlosshof beim Sommerfestival in Siegen (im Hintergrund: Thomas Biller am Bass).
  • Foto: Bärbel Althaus
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ba Siegen. Dass Reinhold Beckmann geschmeidig reden und treffsicher formulieren kann, hat er als eloquenter Talkmaster und Sportmoderator bereits hinlänglich bewiesen. Doch kann der Medienprofi auch singen? Offensichtlich, denn sonst hätten Reinhold Beckmann & Band kaum das letzte Sommerfestival-Wochenende, an dem die Bühne im Hof des Oberen Schlosses als kreativer Schauplatz in diesem Jahr genutzt wird, mit seinem Konzert eröffnen dürfen.
„Hallo Siegen“, begrüßte er bestgelaunt das Publikum und gestand, wie sehr er sich auf diesen Satz gefreut habe. Denn Beckmann hat seine Leidenschaft für die Musik erst relativ spät realisiert, lebt sie dafür aber mit größter Begeisterung aus. Unterstützt wurde er dabei am Freitagabend vom Gitarristen Johannes Wennrich, Thomas Biller am Bass, Claas Ueberschär an den Tasten und an der Trompete sowie Alexander Klauck am Schlagzeug. Allesamt hervorragende Musiker, die Beckmanns musikalische Weiterentwicklung unterstützen, wobei anstelle von Ueberschär und Klauck sonst Multiinstrumentalist Jan-Peter Klöpfel und Schlagzeuger Robin McMinn die Band komplettieren.

"Freispiel": Das heißt Jazz, Blues, Country und vieles mehr

„Freispiel“ nennt Beckmann die Tour sowie sein neues Album, auf dem er anspricht, was ihm wichtig erscheint. Frei ist auch seine Musik. Ob Jazz oder Blues, rockiger Gitarren-Sound, Country oder sanfte Akustik-Ballade – Beckmann setzt sich keine Grenzen, traut sich sogar zu, den Bob-Dylan-Song „Things Have Changed“ ins Deutsche zu übertragen und musikalisch neu zu entdecken. „Die Zeiten sind obskur“, singt er und spricht damit an, wie er die Lage der Welt momentan empfindet. Zwar sind seine Texte nicht literaturnobelpreisverdächtig, doch zumindest unmittelbar und ehrlich. So grast Beckmann nicht nur „die Weiden der Vergangenheit“ mit „Da war’n die Tage“ ab, sondern lässt bei „Reinschlagen“ einer latent brodelnden Wut Raum, ehe er dieser mit „Sei mein Lächeln“ von der ersten CD „Bei allem sowieso vielleicht“ eine Liebesballade entgegensetzt. Wenn er die Achselhaare von „Merle“, der „Perle aus Brake“, vom Wind frisieren lässt, seinen „Gangster“-Song zu Trump in Verbindung setzt und für ein „lustiges Paar in der ersten Reihe“ spontan eine Liebesballade singt, hat er das Publikum auf seiner Seite.

Engagement für Jugendarbeit bei NestWerk

Gemeinsam und imaginär frönen die Zuschauer seiner Leidenschaft, durch Buchhandlungen zu schnüffeln, um festzustellen: „Vergesst alle Ratgeber, die zu finden sind. Man braucht sie nicht“, denn: „Das Beste kommt noch!“ Beckmann reißt zahlreiche Themen an, erinnert an das Bild des toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi am Strand bei Bodrum und fragt: „Wohin in dieser Welt?“. Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich der Medienprofi in der Jugendarbeit beim Verein NestWerk und resümiert, dass Jugendarbeit mittlerweile pure Integrationsarbeit geworden sei. Aus Angela Merkels „Wir schaffen das“ sei ein „Ihr schafft das“ geworden, kritisiert er. Doch zu klagen, liegt Beckmann nicht. Oder vielleicht doch? Schließlich ist er ein Mann, und speziell dieser Spezies hat er nicht ohne Grund den „Hypochonder-Song“ gewidmet. Zeit, noch einmal einen Blick zurück in die schmerzfreie Jugend zu werfen. Nach „Twistringen“, seinem Heimatort, wo er zwischen Schweinehälften zarte Liebesgefühle zur Schlachtertochter „Charlotte“ entdeckte, bevor ihm endlich in „Bremen“ die große weite Welt offenstand.

Musikerdasein fing 2007 bei "Inas Nacht" an

Das Publikum amüsierte sich und ließ sich sogar animieren, zu Reggae-Klängen ein schmachtendes „Alles, ich mach alles für dich“ zu singen. Offensichtlich hat Reinhold Beckmann mächtig Spaß an seinem Musikerdasein, das 2007 nach einem Duett mit Ina Müller in ihrer Late-Night-Show „Inas Nacht“ im Hamburger „Schellfischposten“ seinen Anfang nahm. Zwar war die Zuschauerzahl in Siegen überschaubar, aber das schien ihn nicht im Geringsten zu stören. Man kann seine Musik mögen oder auch nicht. Eines zeigt sich deutlich: Musikalisch hat Beckmann als ambitionierter Musiker seinen Weg gefunden und sich unüberhörbar freigespielt.

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