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"Siegens wilde Mädchen" zum Schülerinnenstreik vor 50 Jahren
Revue am Originalschauplatz im Lÿz

Regisseurin Giulia Gendolla (l.), Moderator Wolfgang Suttner und Zeitzeugin Gerlinde Böcking bereiten eine Revue zum Mädchenstreik von Siegen vor genau 50 Jahren vor – am Freitag am Originalschauplatz Lÿz zu erleben.
  • Regisseurin Giulia Gendolla (l.), Moderator Wolfgang Suttner und Zeitzeugin Gerlinde Böcking bereiten eine Revue zum Mädchenstreik von Siegen vor genau 50 Jahren vor – am Freitag am Originalschauplatz Lÿz zu erleben.
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  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Siegen. 2019 streiken Schülerinnen und Schüler freitags für Klimaschutz – nichts anderes taten die Siegener Schülerinnen 1969. Das Klima an ihrer Schule, am Mädchengymnasium im Lyzeum an der St.-Johann-Straße, war vergiftet. Es herrschten Angst und Druck, von antiautoritärer Erziehung war das Kollegium weit entfernt, die als streng und autoritär wahrgenommene Schulleiterin Ursula Erfurt musste weg. Die „wilden Mädchen“ von Siegen organisierten einen Streik, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die ganze Geschichte hat Cornelia Sauer dokumentiert, die damals 13 war.

zel Siegen. 2019 streiken Schülerinnen und Schüler freitags für Klimaschutz – nichts anderes taten die Siegener Schülerinnen 1969. Das Klima an ihrer Schule, am Mädchengymnasium im Lyzeum an der St.-Johann-Straße, war vergiftet. Es herrschten Angst und Druck, von antiautoritärer Erziehung war das Kollegium weit entfernt, die als streng und autoritär wahrgenommene Schulleiterin Ursula Erfurt musste weg. Die „wilden Mädchen“ von Siegen organisierten einen Streik, um ihre Forderungen durchzusetzen. Die ganze Geschichte hat Cornelia Sauer dokumentiert, die damals 13 war. Für das Buch „Von wilden Mädchen, Paul McCartney und viel Kultur“, mit dem sich der Kulturreferent des Kreises Siegen-Wittgenstein, Wolfgang Suttner, 2017 in den Ruhestand verabschiedete, hat sie einen persönlich gehaltenen Rückblick verfasst, gestützt von Interviews mit einigen Schülerinnen von einst und mit Fotos und Zeitungsartikeln illustriert (wir berichteten).

Schauplatz Lÿz war Turnhalle des Lyzeums

Weil das Ganze – damals ein unglaublicher Aufreger und Stadtgespräch – in diesen Tagen genau 50 Jahre her ist, haben sich Wolfgang Suttner und die Journalistin Cornelia Sauer, die heute in München lebt, im Sommer bei einem Treffen überlegt, die ganze Story auf die Bühne zu bringen – als unterhaltsame Revue. „Siegens wilde Mädchen“ ist am Freitag, 25. Oktober, im Schauplatz Lÿz zu erleben – am Originialschauplatz! Denn wo heute Kabarett, Comedy und Musik aller Art goutiert werden, war damals die Turnhalle des Lyzeums.

Cornelia Sauer schrieb, Giulia Gendolla inszeniert 

Die spontan geäußerte Idee, die Streik-Geschichte als „Doku-Drama“ (Suttner) mit Zeitzeugeninterviews, Spielszenen und passender Musik zu inszenieren, wurde von Cornelia Sauer prompt umgesetzt – von ihr stammt das Skript, das Regisseurin Giulia Gendolla nun inszeniert. Sie ist, nach einer Zeit am Jungen Ensemble Stuttgart, ins Siegerland zurückgekehrt und arbeitet als Theaterpädagogin am Gymnasium Netphen. Die junge Frau kann mit der Story von den „wilden Mädchen“ gut was anfangen: „Es ist auch ein Frauenthema, da bin ich ja per se betroffen.“

Vorstand des 1. FCKV spielt mit

Drei Mitglieder des Tollmut-Ensembles spielen die Schülerinnen von damals. Der Förderverein des Lÿz, der 1. FCKV, ist Veranstalter dieser Eigenproduktion, und der Vorstand spielt auch gleich mit: Suttner moderiert und führt Zeitzeugeninterviews, u. a. mit dem damals jungen Lehrer Wolfgang Dehnen. Christel Hellermann, im Lÿz fürs Ticketing zuständig, gibt die Turnlehrerin (und kümmert sich intensiv um Orga und Requisiten), und Dr. Christine Tretow spielt die verhasste Direktorin Erfurt, die nach dem Streik tatsächlich die Schule verließ. Suttner weiß zu berichten, dass man im Kultusministerium längst von der „Problemschule“ in Siegen gewusst habe, es habe aber eben dieses Protests bedurft, damit sich was ändern konnte.

Zwischen Zustimmung und Distanz

Sowohl Suttner als auch Giulia Gendolla werden in diesen Tagen öfter von ehemaligen Schülerinnen angesprochen. Die Frauen erinnern sich heute an die Zustände damals, von psychischen Problemen der Schülerinnen ist zu hören, die Schule wird als „Kadettenanstalt“ bezeichnet. Andere standen damals der Sache distanziert gegenüber (das Abi stand ja auch auf dem Spiel) und halten bis heute Distanz. Damals wurde auch gemutmaßt, der Republikanische Club hätte die Mädchen aufgewiegelt. Kopfschütteln bei Gerlinde Böcking. Sie war damals stellv. Chefredakteurin der Schülerzeitung. Auch sie ist an der Produktion beteiligt und wird auf der Bühne von ihren Erfahrungen berichten. Sie ist Lehrerin geworden, zuerst an der Grundschule Obernetphen (dort war Giulia Gendolla ihre Schülerin!), dann Schulleiterin in Deuz. Heute ist sie im Ruhestand und sagt, das Klima an der Schule und der Streik der Mädchen (800 waren es) habe sie in ihrer pädagogischen Arbeit schon beeinflusst, nämlich: es besser machen zu wollen und „nicht mit Druck, Angst und Schrecken“ zu arbeiten.

Gespräche bei Schulmilch und Pausenbrot

Von den Freiheiten, die die jungen Frauen vor 50 Jahren erkämpft haben, profitieren die jungen Menschen von heute. Auch sie sollen, so Giulia Gendolla, im Stück eine Stimme bekommen.
Die Revue mit Musik (u. a. Beatles, Bob Dylan und Hans-Jürgen Bäumler) möchte beim Publikum Erinnerungen und Emotionen wecken. Wer nach anderthalb Stunden noch Gesprächsbedarf hat, ist laut Suttner zu Schulmilch, Pausenbrot und Gesprächen eingeladen. Es gibt nur noch Restkarten (www.lyz.de).

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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