Pianist Roman van Engelenhoven war Gast der Philharmonie Südwestfalen
Romantische Virtuosität bei Schumann, Gade und Chopin

Der niederländische Konzertpianist Roman van Engelenhoven faszinierte mit seiner einfühlsamen Interpretation von Frédéric Chopins 1. Klavierkonzert und flotten Zugaben ein ausverkauftes Apollo-Theater.
  • Der niederländische Konzertpianist Roman van Engelenhoven faszinierte mit seiner einfühlsamen Interpretation von Frédéric Chopins 1. Klavierkonzert und flotten Zugaben ein ausverkauftes Apollo-Theater.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Ungewöhnliche, eher wenig gespielte Kompositionen bekannter Musik-Heroen stellte das hiesige Landesorchester, die Philharmonie Südwestfalen, unter der Leitung des neuen Chefdirigenten
Nabil Shehata Freitagabend einem ausverkauften Siegener Apollo-Theatersaal vor. Und brachte einen jungen, sympathischen Gast mit, der schnell alle Anwesenden verzauberte, aber erst zur zweiten Konzerthälfte. Wunderbar beziehungsreich war die Zusammenstellung des Programms: Romantik zwar, aber in gleich drei nationalen Einfärbungen, gleichwohl sich gegenseitig reflektierend, denn Schumann, Gade oder Chopin verbinden biographische Fäden und die Verehrung für Felix Mendelssohn Bartholdy, der förderte und inspirierte.

Auftakt machte Ouvertüre zu Schumanns "Julius Cäsar"

Sinnigerweise begann das Konzert mit einer Ouvertüre (op. 128), der zu William Shakespeares Drama „Julius Cäsar“, die Robert Schumann 1851 schrieb, zu Beginn seiner Berufung als Städtischer Musikdirektor nach Düsseldorf. Zu einer Zeit, in der sich der beruflich, finanziell und sozial schwächelnde Schöngeist kreativ auffächern konnte, bevor seine schwierige Mentalität auch am Rhein wieder zu Problemen führte. Shehata dirigierte das prächtige Stück präzise, mit gutem Gespür für die quasi symphonische Dichtung, die mit reichlich Horn-Einsatz und weichen Streichern ein romantisierend-heroisches Bild zeichnete. An den stellvertretenden Solohornisten der Philharmonie, Grigory Yakubovich, wurde zum Konzertende von Shehata auch ein Extraapplaus verwiesen, wie auch an andere musikalisch Hervorgehobene des Orchesters – eine nicht nur von den Musikern geschätzte Geste des kollegialen Respektes und der Betonung musikalischen Teamgeistes.

Nabil Shehata und das Orchester können gut miteinander

Das Orchester kann hörbar gut agieren mit dem neuen Dirigenten, der in denProben energisch an Details feilt, am klanglichen Profil, und damit Ehrgeiz und Leidenschaft bei den Musizierenden weckt. Zu überprüfen war das auch bei der 2. Symphonie in E-Dur op. 10 von 1843 des Dänen Niels Wilhelm Gade (1817–1890), die mit markantem Hornmotiv, dann Streichern unisono in vier Sätzen ein musikalisches Märchen erzählt. So plastisch gerieten die von Shehata herausgearbeiteten Motive der Komposition, die seinerzeit bei der Uraufführung in Leipzig unterschiedlich gut aufgenommen wurde, wurde dort doch das Fehlen reflektierter Vermischung und kontrapunktischer Verknüpfung der einzelnen, schönen Motive bemängelt. Doch Shehata formt mit seiner Philharmonie eine unaufgeregte elegante Musik, die namentlich im zweiten Satz (Andante con moto) so naturmagisch wie ein Eichendorff-Gedicht anmutet.

Preisgekrönter junger Niederländer am Steinway

Nach der Pause dann das Klavierkonzert, das der 20-jährige Frédéric Chopin zu seinem letzten Konzert vor seinem Weggang aus dem politisch brodelnden Polen im Oktober 1830 präsentierte.Solist am Steinway war der 1995 geborene Ramon van Engelenhoven, der gerade seinen Masterstudiengang am Konservatorium in Amsterdam bei Frank Peters mit der Bestnote abgeschlossen hat. Die Höchstpunktzahl erreichte der junge Niederländer auch schon bei seinem Bachelorabschluss 2017 – und schon im Alter von 17 holte er sich den ersten Preis beim Steinway-&-Sons-Wettbewerb 2012.Was mit vielen weiteren Preisen so honoriert wurde, konnte das Apollo-Publikum selbst bewundern: seine vielseitige, feinsten musikalischen Stimmungen angepasste virtuose Spieltechnik, die – ganz in Chopins Sinne und Musiktheorie – einen sinnlich fließenden Anschlag hat, eine natürliche Stringenz.
Chopin, der bei seinen Kompositionen stets das Primat des Soloklaviers im Kopf hatte, schrieb das Orchester als Begleitung fest, das sparsam instrumentiert und voller Pausen dem virtuosen Pianisten allen Raum lässt, keine leichte Aufgabe für ein großes Orchester – und auch hier gefällt das sublime Dirigat Shehatas. Van Engelenhoven indes verführt mit einem so filigranen Spiel, dass der Applaus des zum großen Teil stehenden Publikums nicht enden will. Zwei kleine Zugaben, beides Stücke aus den „Danzas Argentinas“ op. 2 von 1937 von Alberto Ginastera, versöhnen das Publikum mit dem Ende eines ausgezeichneten Konzertes.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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