SZ

Philharmonie Südwestfalen im Apollo
Romantisches zur Erinnerung an den Siegener Geiger Adolf Busch

Das Romantische gab den Ton an beim sinfonischen Konzert der Philharmonie Südwestfalen unter Leitung von Nabil Shehata gemeinsam mit Sopranistin Leonor Amaral im Apollo-Theater Siegen. Damit wurde an den 70. Todestag des Siegener Geigers Adolf Busch erinnert.
  • Das Romantische gab den Ton an beim sinfonischen Konzert der Philharmonie Südwestfalen unter Leitung von Nabil Shehata gemeinsam mit Sopranistin Leonor Amaral im Apollo-Theater Siegen. Damit wurde an den 70. Todestag des Siegener Geigers Adolf Busch erinnert.
  • Foto: Marco Hoffmann
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

mh Siegen. Ein einsamer Hornruf hallt aus weiter Ferne hinüber. Es folgt der wehmütige Versuch einer Antwort. Wie Nebelschwaden entfalten sich die Streicherklänge im Raum. Bereits der Beginn von Carl Maria von Webers „Oberon“-Ouvertüre enthält alles, wofür die Romantik steht. Sie entführt in eine Welt überbordender Fantasie, die in der entsprechenden Oper von sommernächtigen Fabelwesen bevölkert ist: Elfen, Geistern und Nymphen.
Für die Eröffnung des letzten sinfonischen Abonnement-Konzerts in dieser Saison am Donnerstagabend im Apollo-Theater hatte die Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Nabil Shehata dieses Stück gewählt. Es gab durch die ungefilterte, ja ehrliche Anwesenheit des Romantischen den Ton des Abends an.

mh Siegen. Ein einsamer Hornruf hallt aus weiter Ferne hinüber. Es folgt der wehmütige Versuch einer Antwort. Wie Nebelschwaden entfalten sich die Streicherklänge im Raum. Bereits der Beginn von Carl Maria von Webers „Oberon“-Ouvertüre enthält alles, wofür die Romantik steht. Sie entführt in eine Welt überbordender Fantasie, die in der entsprechenden Oper von sommernächtigen Fabelwesen bevölkert ist: Elfen, Geistern und Nymphen.
Für die Eröffnung des letzten sinfonischen Abonnement-Konzerts in dieser Saison am Donnerstagabend im Apollo-Theater hatte die Philharmonie Südwestfalen unter der Leitung von Nabil Shehata dieses Stück gewählt. Es gab durch die ungefilterte, ja ehrliche Anwesenheit des Romantischen den Ton des Abends an.

"Capriccio" von Adolf Busch

Auf die Ouvertüre folgte im ersten Teil zunächst das „Capriccio“ des Siegener Landsmanns Adolf Busch, dem das Konzert anlässlich seines 70. Todestags gewidmet war. Vieles zuvor Erklungene schien hier neue Gestalt anzunehmen: Die Musik hielt sich zunächst in der Schwebe, setzte unwirklich und traumhaft ein. Unter diesen Vorzeichen steigerte sich das Orchester in die Klangtrunkenheit, bis sich schließlich auch neckische und verspielte Momente ihren Platz verschafften – gleich einem Tanz auf dem Vulkan. Im Vergleich zu Webers luftigen Illustrationen schwirrender Elfen zeichnete sich die Musik durch eine immens gesteigerte Dichte aus: Alles war mit allem eng verschlungen, als ob die Geschichte notwendigerweise Empfindungen zusammengedrängt hätte.

Zweite "Uraufführung" von "Incantesimo"

In Jahrhundertschritten ging es auch nach der Pause weiter. Als Teil eines seit 2018 laufenden Kompositionszyklus hatte Andrea Lorenzo Scartazzini sein „Incantesimo“ jüngst als Vorspiel zu Gustav Mahlers vierter Sinfonie geschrieben. Mit der im Projekt vorgesehenen „zweiten“ Uraufführung wurde die Philharmonie Südwestfalen beauftragt.
Die im italienischen Titel anklingende Verzauberung gelang. Wie ein Schlaflied stimmte Sopranistin Leonor Amaral Verse Eichendorffs an. Sie besang die hereinbrechende Nacht mit der lyrischen Stimme eines auf stürmischer See treibenden Schiffers. Im „uralten Lied“ klingt die idyllische Gegenwelt zum Irdischen an: goldene Herden, vom göttlichen Hirten bewacht. Zur im Gedicht auftauchenden Zither geriet bei Scartazzini die Harfe. Märchenhafte Gesten durchzogen auch weite Teile der Musik, ehe diese in einen ätherischen Epilog mündete und nur schimmernden Dunst aus Streicherflächen, Glocken und Gongs hinterließ.

Glaubhaft unschuldig: Leonor Amaral

Nach nur einem Atemzug durchschnitten Mahlers närrische Schellen die fragile Atmosphäre. Sie setzten alles in Anführungszeichen, was folgte, insbesondere das heitere Thema des ersten Satzes, das schließlich immer stärker gebrochen wurde. Eine groteske, buchstäbliche Fiedelei im zweiten Satz und ein betörend schöner Choral im dritten führten schließlich zur finalen Himmelszenerie.
Mit glaubhafter Unschuld besang Leonor Amaral ein elysisches Schlaraffenland aus dem Blickwinkel eines Kindes. Doch sicher ist hier nichts: Kaum fängt Mahler eine Stimmung musikalisch ein, verkehrt er sie jäh ins Gegenteil – ein wundersames Klangbild voller Kippfiguren.
Die Narrenschellen schnitten scharf in sakrale Auren hinein, doppelte Böden taten sich auf. Nur das Ende entrückte geheimnisvoll in die Tiefe. Dann: Stille. Das Publikum hielt sie aus und dankte danach umso herzlicher.

Autor:

Redaktion Kultur

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