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Ferien-Workshop „Manga und Barock“
Rubens mit Kulleraugen im Oberen Schloss

Früh übt sich - beim Workshop "Manga und Barock" blieb viel Raum für eigene Kreativität und Ausprobieren.
  • Früh übt sich - beim Workshop "Manga und Barock" blieb viel Raum für eigene Kreativität und Ausprobieren.
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

Schnell entstehen die ersten Manga-Gesichter mit großen Augen und stilisierten Haarsträhnen.
pebe Siegen.  Farbig sind sie oft beide. Aber: Eine Mango ist oval und süß und ein Manga was Cooles. Das hat schon was: Aus einem Kreis, Ovalen und ein paar gezielten Strichen wird ein Gesicht – nicht irgendeins, sondern eine Manga-Figur, unverkennbar, unverwechselbar. In den 90er-Jahren begann die japanische Comic-Form Manga ihren Siegeszug auch in Deutschland; gestern erreichte er auch das Obere Schloss in Siegen – genauer: den Rand des Innenhofs.
Dort, wo sich Geschichte und Besucher treffen, wo der Weg ins Museum genauso offen steht wie in den immer sehenswerten Garten, war gestern eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen den Geheimnissen der Mangazeichnungen auf der Spur.

Schnell entstehen die ersten Manga-Gesichter mit großen Augen und stilisierten Haarsträhnen.
pebe Siegen.  Farbig sind sie oft beide. Aber: Eine Mango ist oval und süß und ein Manga was Cooles. Das hat schon was: Aus einem Kreis, Ovalen und ein paar gezielten Strichen wird ein Gesicht – nicht irgendeins, sondern eine Manga-Figur, unverkennbar, unverwechselbar. In den 90er-Jahren begann die japanische Comic-Form Manga ihren Siegeszug auch in Deutschland; gestern erreichte er auch das Obere Schloss in Siegen – genauer: den Rand des Innenhofs.
Dort, wo sich Geschichte und Besucher treffen, wo der Weg ins Museum genauso offen steht wie in den immer sehenswerten Garten, war gestern eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen den Geheimnissen der Mangazeichnungen auf der Spur. Angeleitet von Verena Achenbach, versuchten sich die Mädchen und Jungen als Comiczeichnerinnen und -zeichner – und das mit einem besonderen Gag.

Ferienspielaktion: Brücke zwischen Museum und Comics

Denn die Ferienspielaktion von Kultur Siegen, durchgeführt in Kooperation mit der Jugendkunstschule Siegen-Wittgenstein, stand unter dem Motto „Manga und Barock“. Das sei aus der Idee entstanden, eine Brücke zwischen dem Museum und dem Comic-Workshop zu schlagen, erklärt die 34-jährige Diplom-Designerin und Dozentin der Jugendkunstschule, die aus dem Siegerland stammt und mittlerweile in Köln arbeitet. „Ich finde den Versuch interessant, verschiedene Barockporträts mit Manga-Elementen zu verbinden“, sagt Verena Achenbach. Ihr Ziel im Workshop: Die Kinder und Jugendlichen können sich selbst im Manga-Stil als barockes Porträt zeichnen oder die kopierten Vorlagen aus der Barockzeit verfremden.
Die 34-Jährige ist selbst seit ihrer Jugend eine erklärte und unbeirrbare Manga-Anhängerin. Und so wundert es nicht, dass sie schnell einen Kontakt zu den Mädchen und Jungen findet, die am Workshop teilnehmen. Und in dem geht gleich zur Sache: Schnell entstehen die ersten Manga-Gesichter im Kindchenschema, mit großen Kulleraugen und stilisierten Haarsträhnen. Verena Achenbach erklärt Schritt für Schritt, wie das Gesicht entsteht, was zu beachten ist, wenn ein Dreiviertel- oder Halbprofil gezeichnet werden soll.

Gesichter zeichnen einfach gemacht

Dazwischen liegen Porträt-Arbeiten von Rubens, Frans Hals, Cornelisz Verspronck oder Herman Doomer, edel gekleidete Damen und Herren, mit und ohne Hut, elegant oder forsch – die Auswahl für die jungen Künstlerinnen und Künstler ist groß.Verena Achenbach erklärt derweil am Whiteboard, wie aus Kreisen und richtig gesetzten Hilfslinien schnell Köpfe mit Wangenlinien, Ohransätzen und Stirnansatz werden, die sich dem Betrachter zuwenden und schon bald ihre großen Comic-Augen öffnen und mithilfe von Glanzpunkten ganz lebendig schauen. Zwischendurch gibt es noch „Sehhilfen“: „Gerade beim Manga ist das schmale Zeichnen bei weiblichen Figuren gewünscht“, erklärt sie den Unterschied in der Darstellung.

Aber schon bald geht es in die Fläche: Das kolorierte Arbeiten auf dem Strukturpapier mit Acrylfarben und Pinsel ist für manche noch ungewohnt, andere greifen für feines Arbeiten lieber auf Farbstifte zurück – auch das geht auf dem rauen Untergrund. Manga trifft Barock: Rubens bekommt Kulleraugen.
Die Workshop-Leiterin ist für alle Fragen offen: Wie macht man Hautfarbe? Wie zeichnet man einen bösen Mund? Die meisten Teilnehmer kennen Mangas schon und sind mit der besonderen Grafik vertraut. Sie sei seit einem Jahr „hobbymäßig“ auf der Manga- und Animespur (der animierten Manga-Form), erklärt zum Beispiel eine 14-Jährige, die ihrem Bild schon einen sehr eigenen Ausdruck gibt.
Aber es geht auch anders: Jonathan (10) hat noch nicht so viel Erfahrung mit Mangas, interessiert sich aber sehr für sie. Seine Vorlage hat er mit feinem Strich vorgezeichnet – schon ein junger Könner. Und auch beim Einsatz der Acrylfarben zeigt er sich erstaunlich sicher.
Einer der jungen Künstler hat eine ganz Mappe mit Mangazeichnungen dabei. Verena Achenbach nimmt sich die Zeit, die sehr sauberen Zeichnungen mit ihrem Schüler durchzusprechen und ihm kleine Tipps und Sehhilfen zu geben, damit die Vorlage noch besser wiedergegeben werden kann.
„In Japan“, erzählt die Designerin am Rande, gehörten Mangas zur erzählenden Literatur und würden von unglaublich vielen verschiedenen Menschen und Altergruppen konsumiert. „Selbst die alten Leute lesen so was in der Bahn.“ Die Mangas umfassten als Erzählform so ziemlich alle Genres und unglaublich viele Stile, von kindlich bis realistisch. „Deshalb hält sich diese Form auch so gut.“ In Deutschland fing der Manga-Hype übrigens früher an als gedacht: Schon „Biene Maja“ und „Heidi“ hatten Manga-Einflüsse.

„Bleib unbedingt dran“

Und der Workshop? Mit dem ist sie sehr zufrieden. „Bleib unbedingt dran“, gibt sie der 14-Jährigen mit auf den Weg, als die sich verabschiedet. Talente gibt es viele, sie wollen nur erkannt und gefunden werden. Die nächste Generation der Manga-Fans jedenfalls steht in den Startlöchern. Vielleicht ja auch mit dem ein oder anderen neugierigen, lernenden Blick auf die Kunst vor ein paar hundert Jahren. Wie leicht Verbindungen herzustellen sind, haben die Teilnehmer schon bewiesen.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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