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„Das Dschungelbuch“ feierte im Apollo-Theater umjubelte Premiere
Saison-Auftakt mit Kinderstück

Am Ende ist im Dschungel alles gut - "Oh Veggie Day!".
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ciu Siegen. Das Menschenkind im Körbchen bringt die Tierwelt in einen Konflikt. Was tun? Töten oder leben lassen? Die Stimmung ist gemischt, die Entscheidung fällt demokratisch. Der Junge darf bleiben. Sein Mentor wird einer mit viel Schubidu im Sinn, der Lehrer, ein Honigschleckermaul, ein Körnerfresser – der Bär. Und so wächst Mogli in einem grünen Dickicht auf. Behütet von seiner Retterin Baghira, unterrichtet von Balu, begleitet von Hinkendem Bruder, der neben Leitwolf Akela der einzige ist, dem er im Rudel trauen kann, und immer beäugt vom gefährlichen Jäger Shir Khan. Mogli lernt – tanzt aber gern aus der Reihe. Und so kommt es, wie es kommen muss: Der Junge, beileibe keine Angsthase, gerät in große Gefahr.

ciu Siegen. Das Menschenkind im Körbchen bringt die Tierwelt in einen Konflikt. Was tun? Töten oder leben lassen? Die Stimmung ist gemischt, die Entscheidung fällt demokratisch. Der Junge darf bleiben. Sein Mentor wird einer mit viel Schubidu im Sinn, der Lehrer, ein Honigschleckermaul, ein Körnerfresser – der Bär. Und so wächst Mogli in einem grünen Dickicht auf. Behütet von seiner Retterin Baghira, unterrichtet von Balu, begleitet von Hinkendem Bruder, der neben Leitwolf Akela der einzige ist, dem er im Rudel trauen kann, und immer beäugt vom gefährlichen Jäger Shir Khan. Mogli lernt – tanzt aber gern aus der Reihe. Und so kommt es, wie es kommen muss: Der Junge, beileibe keine Angsthase, gerät in große Gefahr.

Rudyard Kipling schrieb "Das Dschungelbuch"

Das ist die Geschichte des „Dschungelbuchs“, von Rudyard Kipling (1865–1936) ausgedacht, und für die Bühne von Magnus Reitschuster neu erzählt. Wie schon die Apollo-Saison 2012/13 eröffnete am Sonntag die Siegener Theater-Spielzeit 2019/20 mit diesem Stück, allerdings ist die Inszenierung – das Bühnenbild ist erneut jenes des Theaters Aachen – mit der Zeit gegangen. Mit einem neuen Regisseur (Jürg Schlachter), mit zum Teil veränderten Kostümen (Ursula Bottenberg), mit Pointen, die vor sieben Jahren noch keiner verstanden hätte (wie blond ist dieser „greate“ Affen-King!), und natürlich auch mit einer veränderten Besetzung.

Kräftemessen zwischen Shir Khan (Andreas Kunz, r.) und Akela (Johannes Fast).

Letztere verdient zuallererst ein dickes Lob, denn Mark Harvey Mühlemann (als Mogli), Werner Hahn (der Leiter des Jungen Apollo lebt seinen Balu!), Johannes Fast (Akela/Oberst Hathi), Samira Vinciguerra (Baghira/Messua), Andreas Kunz (mit toller Präsenz sowohl als King Lui als auch als Shir Khan), Torben Föllmer (Schlange Kaa – ein Heimspiel für den Siegerländer!) und Steffen Lehmitz (Hinkender Bruder) sowie Pascal Averibou, Anna Drössler und Caroline Greim als Wölfe/Affen/Elefanten agierten allesamt überzeugend, spielfreudig und chorisch (die Musik stammt von Dorian Rudnytsky und Marc-Alexander Heilmann) und choreographisch (am Ende galt der Applaus auch Larissa Meister) gut aufeinander abgestimmt.

"Das Dschungelbuch" macht Spaß - und nachdenklich

„Das Dschungelbuch“, das, wie Dramaturg und Apollo-Intendant Magnus Reitschuster zur Begrüßung sagte, als Weihnachtsmärchen im Dezember noch 26-mal in Siegen und weitere Male bei Gastspielauftritten in Süddeutschland und im Ruhrgebiet gegeben wird, ermöglicht beides: Spaß dran zu haben und den Anstoß, über manches zu diskutieren. Spaß macht – das war bei der umjubelten Premiere (die feierte übrigens auch die neue Bestuhlung des Haus) zu spüren – zum Beispiel der Auftritt der Elefanten-Kompanie („Im Gleichschritt, Marsch!“).

Schrille Affenbande mit heftig blondem Chef. King Lui (hinten) findet sich „great“.
  • Schrille Affenbande mit heftig blondem Chef. King Lui (hinten) findet sich „great“.
  • Foto: Apollo/Alexander Kiß
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

Lustig sind auch die schrillen Affen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Denn der Ober-Affe ist ein übler Machtmensch, der auf die Demokratie pfeift und Mogli zum Schlangenfraß macht, einfach weil er es kann … Fröhlich macht das Finale des Stücks, bei dem der gute alte Gospel-Hit „Oh Happy Day“ zum Jubelsong auf den „Veggie-Day“ wird – und damit die Hoffnung nährt, dass eine Welt ohne Fleisch-Esser vielleicht eine bessere sein könnte. Oder auch nicht?

"Du musst denken, Mensch!"

Sätze wie „Trau dem Rudel nicht“ oder „Du musst denken, Mensch!“ prägen sich ein, auch, dass Lernen nicht nur durch Pauken, sondern auch durch Leben erfolgt. Und dann wird am Beispiel von Hinkendem Bruder gezeigt, dass sich der Wert eines Menschen eben nicht daran misst, wie viel er leistet, sondern was und wie er ist. Dass so viel Inhalt in ein Stück von kaum mehr als 60 Minuten passt und die Aufführung dennoch so gar nicht überfrachtet, ist bemerkenswert. Auch, dass sich temperamentvoll-verrückte Szenen und durchaus stille Momente (trotz ihrer Brisanz wunderschön: die Szene mit der einlullenden Schlage Kaa) die Waage halten.

Im Apollo-Theater geht Geschichte weiter

Für Mogli geht die Geschichte gut aus – er findet am Ende seinen Platz in der Welt und mit den Tieren (Shir Khan freilich hat er getötet …) einen friedlichen Weg. Fürs Apollo-Publikum geht die Geschichte weiter. Denn Kiplings „Dschungel-Bücher“ haben, davon jedenfalls sind die Theater-Macher überzeugt, noch mehr zu sagen. Im Januar 2020 als Uraufführung.

Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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