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Tobias Aehlig eröffnet 26. Siegener Orgelwochen
Schillernde Klangfarben

Tobias Aehlig eröffnete die 26. Siegener Orgelwochen mit mitreißenden Interpretationen auf der Mebold-Orgel in St. Joseph in Weidenau.
  • Tobias Aehlig eröffnete die 26. Siegener Orgelwochen mit mitreißenden Interpretationen auf der Mebold-Orgel in St. Joseph in Weidenau.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ne Weidenau. Hell, licht und warm war der Tag der Eröffnung der nun schon über ein Vierteljahrhundert alten Konzerttradition Siegener Orgelwochen – und das nicht nur im meteorologischen, sondern auch musikalischen Sinn. Dieses Jahr war die Organisation der beliebten Musikreihe besonders aufwändig, in der renommierte Musikerinnen und Musiker an den heimischen Kircheninstrumenten in St. Joseph, Martini und Nikolai ausgewähltes Repertoire spielen – und die wieder mit der kultigen langen Orgelnacht beendet wird, die knapp vor den Orgelwochen etabliert wurde und deshalb immer eine Zählung weiter ist als die gesamte Konzertreihe.
Aufwändig, weil natürlich die neuen Verhaltensregeln der Pandemieprävention berücksichtigt werden mussten.

ne Weidenau. Hell, licht und warm war der Tag der Eröffnung der nun schon über ein Vierteljahrhundert alten Konzerttradition Siegener Orgelwochen – und das nicht nur im meteorologischen, sondern auch musikalischen Sinn. Dieses Jahr war die Organisation der beliebten Musikreihe besonders aufwändig, in der renommierte Musikerinnen und Musiker an den heimischen Kircheninstrumenten in St. Joseph, Martini und Nikolai ausgewähltes Repertoire spielen – und die wieder mit der kultigen langen Orgelnacht beendet wird, die knapp vor den Orgelwochen etabliert wurde und deshalb immer eine Zählung weiter ist als die gesamte Konzertreihe.
Aufwändig, weil natürlich die neuen Verhaltensregeln der Pandemieprävention berücksichtigt werden mussten. Kirchenmusikdirektorin Ute Debus, Dekanatskirchenmusikerin Helga Maria Lange und Martinikantor Peter Scholl bekleiden gemeinsam die Intendanz des Musikfestivals und haben wieder für wirkungsvolle Abwechslung gesorgt. Und mit Tobias Aehlig einen wahren Könner zum Eröffnungskonzert vergangenen Samstagabend an die 1991 umfassend überarbeitete Weidenauer Mebold-Orgel eingeladen.

Organist am Hohen Dom zu Paderborn

Der in Berlin geborene Organist und Kirchenmusiker studierte an der Universität der Künste Improvisation, Orgel und Chorleitung, war 2011 mehrfacher Preisträger beim Internationalen Wettbewerb für Orgelimprovisation in Schwäbisch Gmünd, bis 2013 Dekanatskirchenmusiker in Iserlohn und ist seit dieser Zeit Organist am Hohen Dom zu Paderborn. Aehlig weist eine vielgestaltige Diskografie vor, zuletzt erschienen 2017 Solo-Einspielungen von eigenen Improvisationen und zeitgenössischer Orgelliteratur.
Beim Weidenauer Orgelwochenkonzert hatte Aehlig drei dreiteilige Kompositionen im Portfolio, zu Beginn drei Tänze (JA 120) vom 1940 im Alter von 29 Jahren in einem Kampf an der Loire getöteten Orgelwunderkind Jehan Alain, das die Tänze „Freude“, „Trauer“ und „Kämpfe“ 1937 in Noten setzte. Impressionistisch modern das virtuose Klangspiel der Komposition, namentlich die „Kämpfe“ drängen in jazzigem Rhythmus in harte Cluster.

Unikal angelegte Improvisationen

Vom Thomaskantor Johann Sebastian Bach wählte Aehlig eine Triosonate in Es-Dur (BWV 525), die in Gänze ein Gedicht war. Zum Clou geriet die Orchestrierung der Barocksonate: So zog Aehlig zum Beispiel im zweiten Satz Adagio das Zungenregister „Vox humana“ aus dem Positiv für eine Cantus-Firmus-Stimme und gelangte damit zu einem originellen Hörgenuss. So farbig-expressiv hat man Bach kaum gehört. Letzter Glanzpunkt war dann die dreiteilige Improvisation des Improvisationspreisträgers Aehlig: Im Allegro vivace baute sich ein Wirbelsturm in Wellen auf und endete nach fulminantem Tosen in hartem Schlussakkord. Das Andante begann choralschön und mit zartem Thema, liedhaft leicht mäanderte es und verebbte sanft in schillernden Klangfarben. Das Finale gestaltete Aehlig mit flotter Melodie zu Beginn, nahm dann das Tempo des ersten Satzes auf und forcierte es in dynamischen, repetitiven Läufen zum Klangfanal am Schluss: lange anhaltender, begeisterter Applaus.
Dafür bedankte sich der Künstler mit einer kleinen Zugabe: einer, ebenso wie die gerade gehörte, unikal angelegten Improvisation über „Der Mond ist aufgegangen“: Musik, kindheitsgeborgen, einzigartig und bloß für das Jetzt und den Raum gemacht. Und alle, die sie hörten, durften sich glücklich schätzen, erlebten sie doch gemeinsam Musik.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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