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Marco Bussi über Lockdown und Künstler-Perspektiven
Schlagzeuger "im einsamen Raumschiff"

Marco Bussi, Schlagzeuger und Organisator der Siegener „World Music Night“, unterhielt sich mit der SZ über das Thema: Wie kommt man durch den Lockdown, wenn die Kunst am Boden liegt?
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la Siegen/Bonn. Die Kultur liegt am Boden während des zweiten Corona-Lockdowns. „Und doch“, sagt Marco Bussi, Schlagzeuger und Mitbegründer der Siegener Konzertreihe „late night jazz foundation“, „hat die Zeit ihr Gutes. Man kann rekapitulieren oder reflektieren, kann nach neuen Chancen suchen.“ Und – da kommt ein leichtes Strahlen von innen hervor – man kann die ungewollte Freizeit mit seiner dreijährigen Tochter in der Familie genießen.
Die ganze Familie ist musikalischDer gebürtige Siegener, der aus einer Musikerfamilie stammt – Vater...

la Siegen/Bonn. Die Kultur liegt am Boden während des zweiten Corona-Lockdowns. „Und doch“, sagt Marco Bussi, Schlagzeuger und Mitbegründer der Siegener Konzertreihe „late night jazz foundation“, „hat die Zeit ihr Gutes. Man kann rekapitulieren oder reflektieren, kann nach neuen Chancen suchen.“ Und – da kommt ein leichtes Strahlen von innen hervor – man kann die ungewollte Freizeit mit seiner dreijährigen Tochter in der Familie genießen.

Die ganze Familie ist musikalisch

Der gebürtige Siegener, der aus einer Musikerfamilie stammt – Vater Ricardo war Violinist in der Philharmonie Südwestfalen, Mutter Cristina Ruben Bussi ebenfalls Violinistin und 28 Jahre Lehrbeauftragte der Musikschule Lennestadt/Kirchhundem, und Bruder Gabriel ist Violinist im Orquesta Sinfónica de Galicia – gibt sich im SZ-Interview locker und entspannt, auch wenn er gesteht: „Niemand hat mit diesen Zeiten gerechnet. Das war für uns alle ein Schock, nicht nur für Künstler.“

Kein "Rock Of Ages" an Silvester im Apollo

Aber gerade diese Branche ist besonders hart betroffen. Eigentlich sollte er in zwei Silvestervorstellungen des Musicals „Rock Of Ages“ mit dem Westfälischen Landestheater unter Regie von Tankred Schleinschock auf der Bühne des Siegener Apollo-Theaters stehen. Abgesagt, genauso wie die letzte Musikproduktion des Westfälischen Landestheaters (WLT) „Der Musikladen – Eine musikalische Wundertüte“, die erfolgreiche Fortsetzung des „Beat-Clubs“. „Wir haben“, erzählt der 39-Jährige, der jetzt mit seiner Familie in Bonn wohnt, „im Mai geprobt, hatten dann im Juni Premiere auf einem großen Parkplatz am WLT in Castrop-Rauxel und dann noch zwei Vorstellungen. Nach der Sommerpause kamen noch zwei Vorstellungen in Witten und eine Aufführung im Leverkusener Forum. Vor 60 Zuschauern statt der gewohnten rund 1000. Trotz Sicherheitsabstand haben sich die Leute einfach nicht mehr getraut.“

"LNJF" streamt aus dem Bruchwerk

Ab November war alles dicht. Was blieb, waren Streaming-Auftritte, zum Beispiel mit Bino Dola im Würgendorfer Heimhof-Theater beim Virtuellen Hut. Dazu noch mal im Siegener Bruchwerk-Theater und im Kreuztaler Café Basico – und am 19. Februar gibt es ein Streaming-Konzert der „late night jazz foundation“ (LNJF) mit dem Gitarristen Mario Mammone und dem Organisten Dirk Schaadt, ebenfalls im Bruchwerk-Theater.

Geteilte Meinungen übers Streaming

Dabei stellt sich unwillkürlich die Frage: Was empfindet man als Künstler, ohne Publikum zu spielen, und wie hält man sich finanziell über Wasser? Die Meinungen über Streaming als solches, sagt Marco Bussi, gehen ja unter Kollegen stark auseinander. Die einen lehnen Streaming-Konzerte kategorisch ab, die anderen sehen sie als absolut notwendig, um präsent zu bleiben. Er selbst ist offen für die Arbeit mit digitalen Medien und nennt es zum Teil auch „Arbeiten für die Kunst“.

"Seltsame Leere" beim Streaming-Konzert

Und doch verhehlt der Musiker, der europaweit mit Kollegen und in Projekten arbeitete, nicht: „Das Publikum fehlt einem. Man arbeitet in eine Richtung – nämlich Kamera – ohne Resonanz. Es geht nicht um Applaus, es fehlt die Dynamik, die sich in einem Konzert aufbaut. Und es ist auch nicht mit Studioarbeit zu vergleichen, da findet ein ganz anderer kreativer Prozess statt. In einem Streaming-Konzert empfindet man dagegen eine seltsame Leere, man fühlt sich wie in einem Raumschiff, das einsam durch das All fliegt.“

An Kultur Siegen angedockt

Finanziell hat er noch Glück gehabt. „Viele der Kollegen halten sich zum Beispiel mit Lehrverträgen an Hoch- oder Musikschulen über Wasser.“ Er selbst war schon vor dem Lockdown an die Siegener Kulturarbeit „angedockt“ und organisierte die „World Music Nights“. Die Zusammenarbeit wurde für den Videobereich der Stadt ausgeweitet. Marco Bussi: „Da ich auch als Tontechniker viel mit Medientechnik gearbeitet habe, war die virtuelle Präsentation von Kulturaktivitäten, wie das Urban Art Festival oder die virtuellen Ausstellungsführungen auf dem YouTube-Kanal „Kultur Siegen“, ein Schritt in die richtige Richtung.“ Dazu kam staatliche Hilfe, die – daraus macht der Familienvater überhaupt keinen Hehl – „hat mir sehr geholfen, über die Runden zu kommen“.

WLT will Silvester "Musikladen" öffnen

Wie es weitergeht? „Man wird sehen“, sagt Marco Bussi. „Man muss die Antennen ausfahren, denn eines ist doch klar: Man wird nicht einfach da weitermachen, wo man vor der Corona-Pandemie aufgehört hat.“ Das WLT hat in der Jahresplanung 2021 schon mal vorsorglich zwei Siegener Termine mit dem „Musikladen“ eingeplant: Zum Jahreswechsel 2021/22 – und dann wieder mit Marco Bussi am Schlagzeug.

Marco Bussi, Schlagzeuger und Organisator der Siegener „World Music Night“, unterhielt sich mit der SZ über das Thema: Wie kommt man durch den Lockdown, wenn die Kunst am Boden liegt?
Wenn alles nach Plan läuft, wird zum Jahreswechsel 2021/22 das Westfälische Landestheater (WLT) mit der Produktion „Musikladen – Eine musikalische Wundertüte“ im Siegener Apollo-Theater gastieren. Dann wird der Siegener Schlagzeuger Marco Bussi wieder ein musikalisches Heimspiel haben.
Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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