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Apollo-Theater startet „Festival der Abstände“
"Schneise in die Zukunft"

„Die Pest“ von Albert Camus (im Bild Bozidar Kocevski) kommt im Rahmen des „Festivals der Abstände“ als Monolog-Stück des Deutschen Theaters Berlin ins Apollo nach Siegen.
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  • „Die Pest“ von Albert Camus (im Bild Bozidar Kocevski) kommt im Rahmen des „Festivals der Abstände“ als Monolog-Stück des Deutschen Theaters Berlin ins Apollo nach Siegen.
  • Foto: Foto: Arno Declair
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

pebe Siegen.  "Es passiert etwas Besonderes“, freute sich am Mittwochmittag Magnus Reitschuster. Der Intendant des Siegener Apollo-Theaters hatte zum Pressegespräch in Corona-Zeiten auf der durch den Eisernen Vorhang verkürzten Bühne Platz genommen. „Das Apollo öffnet an diesem Donnerstag die Kasse und in einer Woche ein ,Festival der Abstände’“. Von Donnerstag, 4. Juni, bis Samstag, 11. Juli, bietet das Theater eine Reihe von Lesungen, Theaterstücken als Monologen, Maskentheater und (wie berichtet) Aufführungen der Philharmonie Südwestfalen an.
"Menschen spielen für Menschen"Konstituiert worden sei das Programm in nur drei Wochen, so Reitschuster, aber durch die „strikte Analogie“, in der sich das Apollo im Lockdown bewegt habe, sei es schon lange vorbereitet worden.

pebe Siegen.  "Es passiert etwas Besonderes“, freute sich am Mittwochmittag Magnus Reitschuster. Der Intendant des Siegener Apollo-Theaters hatte zum Pressegespräch in Corona-Zeiten auf der durch den Eisernen Vorhang verkürzten Bühne Platz genommen. „Das Apollo öffnet an diesem Donnerstag die Kasse und in einer Woche ein ,Festival der Abstände’“. Von Donnerstag, 4. Juni, bis Samstag, 11. Juli, bietet das Theater eine Reihe von Lesungen, Theaterstücken als Monologen, Maskentheater und (wie berichtet) Aufführungen der Philharmonie Südwestfalen an.

"Menschen spielen für Menschen"

Konstituiert worden sei das Programm in nur drei Wochen, so Reitschuster, aber durch die „strikte Analogie“, in der sich das Apollo im Lockdown bewegt habe, sei es schon lange vorbereitet worden. Die Grundbedingung für Theater und Musik sei, dass „Menschen für Menschen“ (so das Motto des Festivals) spielten, fuhr er fort, aber nun gelte es, mit dem Ausnahmezustand klarzukommen – auch in diesem Festival, das er als „das erste“ bezeichnete, das in der deutschen Theaterlandschaft stattfinden werde. Die Sicherheitsbedingungen für die zulässigen 99 Zuschauer im Raum würden erfüllt, eine entsprechende „Resonanz“ habe das Apollo bekommen. Niemand werde mit anderen in Kontakt kommen, Hin- und Rückwege aus den Reihen seien gekennzeichnet, Maskenpflicht gelte bis zum jeweiligen Sitzplatz, Desinfektion sei nötig.

Kermani und Leggewie im Gespräch

Die Eröffnung am 4. Juni um 20 Uhr wird der aus Siegen gebürtige Schriftsteller Navid Kermani gemeinsam mit dem Politikwissenschaftler Claus Leggewie – die beiden seien befreundet – gestalten unter dem Motto „Berührung“. Kermani habe für diesen Abend und die Abende am 9., 10. , 17. und 18. Juni (jeweils um 20 Uhr, die gemeinsame Reihe heißt „Ausnahmezustand“) zu den Themen „Geburt und Tod“, „Liebe und Hass“, „Gewalt und Flucht“ sowie „Schönheit und Verzückung“ Texte aus seinen Büchern zusammengestellt. Mit Leggewie werde er über „Zustände nachdenken, in denen Mensch und Gesellschaft aus dem Tritt“ gerieten. 
Die Konzerte der Philharmonie Südwestfalen am 5. und 6. Juni mit jeweils zwei Aufführungen (17 und 20 Uhr) unter dem Motto „Hallo Heroes“ setzen einen komplexen musikalischen Akzent. Mit jeweils zwei Vorstellungen (17 und 20 Uhr) ist am Freitag und Samstag, 12. und 13. Juni, die Bühne Cipolla noch einmal mit dem Figurentheaterstück „Der Untergang des Hauses Usher“ nach Edgar Allan Poe zu Gast. Er sei sicher, so Reitschuster, dass das Pubilkum dieses Stück nun noch einmal „mit neuen Augen sehen“ werde. 

"Pest", "Blechtrommel", "Schachnovelle"

Am 16. Juni, 19 Uhr, ist Lutz Seiler mit einer Lesung aus „Stern 111“ in der Reihe „poetry@rubens“ zu sehen und zu hören. Am Freitag und Samstag, 19. und 20 Juni, jeweils um 17 und 20 Uhr, spielt die Philharmonie Südwestfalen Werke von Mozart, Elgar und Schönberg. Dramatisch, mit metaphorischen Bezügen zur Zeitlage und der Frage nach der Möglichkeit des Menschlichen angesichts der Katastrophe ist am Freitag und Samstag, 26. und 27. Juni, jeweils um 20 Uhr, das Deutsche Theater Berlin mit dem Monologstück „Die Pest“ nach dem Roman von Albert Camus (Fassung von András Dömötör und Enikö Deés) zu Gast. Das Berliner Ensemble schließt sich eine Woche später, am 3. und 4. Juli, jeweils um 20 Uhr mit „Die Blechtrommel“ nach Günter Grass (als Schauspiel-Solo mit Nico Holonics) an. Beschlossen wird das Festival am Freitag und Samstag, 10. und 11. Juli (jeweils 20 Uhr), noch einmal von der Bühne Cipolla mit einer Figurentheater-Fassung der „Schachnovelle“ von Stefan Zweig.

Nachgespräche im öffentlichen Raum

Nach jeder 20-Uhr-Vorstellung (alle Stücke werden ohne Pause gespielt) soll es im Apollo „Theatergespräche“ geben – die Idee: „Miteinander reden im öffentlichen Raum“ und öffentlich nachdenken über die Erfahrungen in dieser Ausnahmezeit. „Es wird abenteuerlich“, meinte Magnus Reitschuster, mit den getroffenen Sicherheitsvorkehrungen, aber auch „mit der Freude und dem Erlebnis, was uns geschieht“. Er hoffe, so eine „Schneise in die Zukunft“ zu schlagen, und sei sehr gespannt aufs Publikum und dessen Präsenz.
Die Ticketpreise ändern sich nicht, Karten der ausgefallenen Veranstaltungen können nach der notwendigen telefonischer Reservierung auf die gewünschte Aufführung übertragen werden. Dennoch: Ökonomisch trage sich das Festival nicht, wenn man in den vergangenen Spielzeiten auch „recht gut gewirtschaftet“ habe, konstatierte Reitschuster. Und: Er könne nicht davon ausgehen, dass im Herbst wieder 500 Besucher im Theater säßen.

„Die Pest“ von Albert Camus (im Bild Bozidar Kocevski) kommt im Rahmen des „Festivals der Abstände“ als Monolog-Stück des Deutschen Theaters Berlin ins Apollo nach Siegen.
Der  in Siegen geborene Dichter Navid Kermani wird zum "Festival der Abstände" die Reihe "Ausnahmezustand" mit Lesungen sowie Gesprächen mit Claus Leggewie beitragen.
Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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