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Simon Elson: Faszination Wolkenwelten

Simon Elson überzeugte mit einem kenntnis- und beziehungsreichen Vortrag zum Thema "Wolkenwissen" im Museum für Gegenwartskunst.
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lip Siegen. Die gestreamte Vortragsreihe des Museums für Gegenwartskunst (MGK Siegen) wurde am Donnerstag mit den Ausführungen des Kunstgeschichtlers und Literaturwissenschaftlers Simon Elson zum Thema „Wolkenwissen, Wolkenmythen“ fortgesetzt. Als Kurator zweier Ausstellungen zum Thema „Wolken“ und als Autor des Buches „Der Wolkensammler“ lässt ihn das Thema nicht los. So erlebten die 32 Teilnehmer eine immense Bandbreite an kunstgeschichtlichen, philosophischen und historischen Ausarbeitungen bis hin zur Gegenwart.
Beide Aspekte kamen zur Sprache, das sich seit Aristoteles nach und nach erweiternde Wissen über Wolken sowie auch die Welt der Mythen, Gefühle und Projektionen, die angesichts der steten Wandelbarkeit von Wolkengebilden floriert.

lip Siegen. Die gestreamte Vortragsreihe des Museums für Gegenwartskunst (MGK Siegen) wurde am Donnerstag mit den Ausführungen des Kunstgeschichtlers und Literaturwissenschaftlers Simon Elson zum Thema „Wolkenwissen, Wolkenmythen“ fortgesetzt. Als Kurator zweier Ausstellungen zum Thema „Wolken“ und als Autor des Buches „Der Wolkensammler“ lässt ihn das Thema nicht los. So erlebten die 32 Teilnehmer eine immense Bandbreite an kunstgeschichtlichen, philosophischen und historischen Ausarbeitungen bis hin zur Gegenwart.
Beide Aspekte kamen zur Sprache, das sich seit Aristoteles nach und nach erweiternde Wissen über Wolken sowie auch die Welt der Mythen, Gefühle und Projektionen, die angesichts der steten Wandelbarkeit von Wolkengebilden floriert. Unterstützt wurden die Ausführungen von zahlreichen Bildbeiträgen. Beschrieb Aristoteles in seiner Schrift „Meteorologie“ die Bildung von Wolken bereits zutreffend (wie auch zeitgleich chinesische Forscher), so gab es auch mancherlei Göttermythen und frühchristliche Deutungen. Die nordische Göttin Frigg wurde als Spinnerin von Cirruswolken dargestellt, während die Cumuluswolken dem Gehirn des Ur-Riesen Ymir entsprossen sein sollten. Corregio zeigt in einem Gemälde um 1500, wie Jupiter als Wolke seine Geliebte Io begattet. Frühchristliche Wolkendarstellungen in den Mosaiken von Ravenna, ein Fresko Giottos mit dem Gesicht Gottes in der hellen Wolke und einem Teufelsgesicht in der schwarzen Wolke, geben einen Einblick in mittelalterliche Wolken-Vorstellungen. Hieronymus Bosch zeigt Jesus auf der Wolke stehend, die den Himmel und Erde trennt. Carpaccio stilisiert Wolken als himmlischen Zufluchtsort.

Wolken regen zum Versenken in Fantasiewelten an

Mit der Aufklärung beginnt das Zeitalter der verstärkten wissenschaftlichen Erforschung. So erkennt Descartes, dass die hohen Cirruswolken aus Eispartikeln bestehen. Der englische Apotheker Luke Howard klassifiziert 1803 zehn Wolkengattungen, wobei er die heutige weitere Einteilung in drei Höhenschichten noch nicht kannte. Auch Goethe faszinierten Wolkengebilde. Er versuchte vergeblich, Caspar David Friedrich zu bewegen, typische Wolken zu malen. Ab 1900 beginnt mit der Industrialisierung die Zeit der vom Menschen gemachten Wolken: Dampfmaschinen und Eisenbahnen stoßen Qualm aus. Bilder von Monet und Turner zeigen eine Bahnhofshalle und einen roten Abendhimmel (nach dem Ausbruch des Tambora). Smog, Kondensstreifen und Atombombenpilze erscheinen auf Gemälden und Fotos.
Dennoch besteht weiter die Sehnsucht, den Mythos der „Freiheit der Wolke“ in Gedichten und Kunstwerken zu empfinden und zu beschreiben. Auch viele Werke der aktuellen Ausstellung des MGK „Die Wolken und die Wolke“, wie Halitis naive Wolkenbilddeutungen, Maires „Clouds Painting“ oder Nadals „Factory of the Vaporous“ thematisieren das: „In ihre Flüchtigkeit und unbestimmte Mannigfaltigkeit schreiben wir unsere Wünsche, Hoffnungen und Ängste ein“(MGK).
Im anschließenden Chat dankte Direktor Thomas Thiel für den fakten- und beziehungsreichen Vortrag. Der Siegener Kunstgeschichtler Prof. Dr. Joseph Imorde, mitverantwortlich für die Ausstellung, betonte die von Wolken angeregte Lust am eigenen Denken und Versenken in Fantasiewelten, wie es zu allen Zeiten erfolgte.
Isabell Lippitz

Autor:

Redaktion Kultur

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