Armin Weinbrenner zeigt "Kalt. Ganz kalt." in Münster
So kann man Berge malen!

Armin Weinbrenner, gebürtiger Siegener, der als freischaffender Künstler in Münster lebt, zeigt in der dortigen Ausstellungshalle Hawerkamp seine Berg-Bilder unter dem Titel "Kalt. Ganz kalt.".
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  • Armin Weinbrenner, gebürtiger Siegener, der als freischaffender Künstler in Münster lebt, zeigt in der dortigen Ausstellungshalle Hawerkamp seine Berg-Bilder unter dem Titel "Kalt. Ganz kalt.".
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gmz Siegen/Münster. Kann man Bergbilder malen? Gar schnitzen? Und das ohne den Hautgout des „ … tümelnden“ und ohne röhrenden Hirschen? Eigentlich nicht, denn Landschaftsmalerei hat sich ja immer noch gegen den Ruf des Altbackenen zu wehren. Zumindest ein bisschen …
Armin Weinbrenner, gebürtiger Siegener, der als freischaffender Künstler in Münster lebt, hat es gewagt. Unter besonderen Umständen. In Münster gibt es die Ausstellungshalle Hawerkamp, eine ehemalige Industriehalle, wie Weinbrenner im Telefonat mit der SZ erläutert, die viel Raum und Weite bietet, aber auch nicht zu heizen ist. In ihr, fand jedenfalls ein Bekannter, würden Armin Weinbrenners Arbeiten unter dem Motto „Kalt. Ganz kalt.“ gut zur Geltung kommen.

Besuch mit dem Künstler möglich

Armin Weinbrenner bewarb sich also um einen „Ausstellungs-Slot“, um seine „Bilder mit kalter Ausstrahlung“, wie er selbst sagt, zu zeigen. Sie sind derzeit (bis 17. Januar) in der Halle zu sehen. Wegen der Größe der Halle kann Weinbrenner Interessierte nach Absprache einzeln in die Ausstellung lassen (Kontakt über die Homepage www.armin-weinbrenner.de).

Kühl wirkt die große Ausstellungshalle am Hawerkamp in Münster, kühl sind die eisbedeckten, oft harschen Bergspitzen…
  • Kühl wirkt die große Ausstellungshalle am Hawerkamp in Münster, kühl sind die eisbedeckten, oft harschen Bergspitzen…
  • Foto: Hanna Neander
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Vielfach Abstraktes in Siegen gezeigt

Aber wie kommt der Künstler, der sich nach dem Studium des Grafikdesigns und Arbeit in der heimischen Agentur Conception 1993 als Künstler selbständig gemacht hat, dazu, ausgerechnet Berglandschaften zu malen? Bekannt ist er für seine ungegenständlichen Arbeiten, seine abstrakten strukturbetonten, wie man sie auch in den Ausstellungen in der Galerie S (also auf Einladung des Kunstvereins Siegen), bei der IHK, in der Galerie Kaiser oder im Kunsthandel von Wolfgang Weiss und in der Villa Waldrich kennt. Armin Weinbrenner ist selbst ein wenig erstaunt, dass er nach 25 Jahren ungegenständlichen Arbeitens jetzt dem Betrachter „Wiedererkennbares“ anbietet, und dazu auch noch schöne Bergsilhouetten, die man auch „abgelutscht“ nennen könnte. Aber: Er hat die Erfahrung gemacht, dass diese Bilder die Betrachter sehr ansprechen. Denn sie spielen mit Erwartungen, die sie dann brechen. So kann man Berge malen.

In das Bild geschnitzt

Er hat die von ihm viel genutzte Technik des „In-das-Bild-Schnitzens“ auch für diese Bilder angewendet. Doch anstatt Zeichen in ein Bild zu schnitzen, Strukturen auf- oder einzutragen, schnitzt er in eine 1,5-Zentimeter-Holzplatte das Relief des Berggipfels oder -panoramas. Dabei arbeitet er nach Fotos. Fotos, die er selbst gemacht hat, seit er das Bergsteigen für sich entdeckt hat. Oder nach allgemein zugänglichen Bildern, zum Beispiel vom „schönsten Berg der Erde“ im Himalaya, von der Ama Dablam, die er aber noch nicht selbst gesehen hat. Aber ein Berg, der „Mutter und ihre Halskette“ heißt und als das Matterhorn Nepals gilt (und auch tatsächlich Ähnlichkeiten aufweist), klingt vielversprechend!

Strukturen als wiederkehrendes Thema

Das Schnitzen sei richtig harte Arbeit, erzählt er im Telefonat, bis hin zur Sehnenscheidenentzündung … Da die geschnitzten Strukturen auf den Holzplatten zunächst wenig differenziert auf den Betrachter und den Macher wirken, färbt Armin Weinbrenner die Platten weiß oder schwarz ein, das heißt, er bestreicht sie mit Farbe, um die Strukturen (eines seiner Themen!) auszumachen. Sein Anspruch ist es schließlich, dass die Betrachter die Berge auch erkennen können, was sie auch tun (wenn sie die Berge kennen). Anschließend verfeinert er die „Schnitzbilder“, höht sie, ähnlich wie in der Druckgrafik und den Holzschnitten (für die er ja auch bekannt ist), mit Farbtupfern und Farbeingriffen, die man aber nur wahrnimmt, wenn man dicht an die Bilder herantritt.

Die Drei Zinnen: Ganz nah dran ist man bei diesem 1,15 mal 1,32 Meter großen Bild von Armin Weinbrenner.
  • Die Drei Zinnen: Ganz nah dran ist man bei diesem 1,15 mal 1,32 Meter großen Bild von Armin Weinbrenner.
  • Foto: Hanna Neander
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Fotorealismus gelingt nicht immer

Ist man weiter vom Bild entfernt, wirken die Berge „fast fotorealistisch“, sagt Armin Weinbrenner: ein Eindruck, den viele Besucher mit Erstaunen registrieren, vor allem, wenn sie vorher die Spuren der Malerei gesehen haben. Diesen fotorealistischen Eindruck zu erzeugen, gelinge ihm nicht bei allen Bildern, betont Armin Weinbrenner. Manche Arbeiten tendierten auch zur Abstraktion, wie viele seiner „anderen Arbeiten“.

3-D macht mentales Eintauchen möglich

Auf jeden Fall aber haben die Besucher das Gefühl, sie könnten „in dem Bild spazieren gehen“: Die reliefartige Struktur der Arbeiten und die Tatsache, dass Armin Weinbrenner die Holzplatten mit einem kleinen „Steg“ von der Wand abhebt, erzeugen den Eindruck der Dreidimensionalität, die das mentale Eintauchen begünstigt. Eine Form von analoger Virtualität – in Zeiten von digitalem Kunsterleben sicher eine Bereicherung!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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