SZ

Eventmanager Martin Horne über den Druck auf die Branche
Sorge um Kultur und Existenz

Martin Horne ist besorgt, wie es in Sachen Kultur in diesem Jahr unter den Corona-Bedingungen weitergehen kann. Er betreibt eine Eventmanagement-Firma und berichtet von den Sorgen der Branche.
  • Martin Horne ist besorgt, wie es in Sachen Kultur in diesem Jahr unter den Corona-Bedingungen weitergehen kann. Er betreibt eine Eventmanagement-Firma und berichtet von den Sorgen der Branche.
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

pebe Siegen. Die Wirtschaft ächzt, Kunst und Kultur schnappen nach Luft wie Fische auf dem Trockenen, die Politik sucht nach gangbaren und zumutbaren Wegen – was die Corona-Pandemie in unserer Gesellschaft an dauerhaften Veränderungen oder gar Schäden anrichtet, wird sich noch zeigen. Zu denen, die vom neuerlichen Lockdown in seiner verschärften Form ebenfalls massiv betroffen sind, gehören Eventmanagement-Firmen. Trotz staatlicher Hilfen im vorigen Jahr ist die Branche republikweit gebeutelt.Über die Probleme, die sich den „freischaffenden“ Kulturmanagern stellen, sprach die SZ stellvertretend für viele andere „Einzelkämpfer“ am Telefon mit Martin Horne.

pebe Siegen. Die Wirtschaft ächzt, Kunst und Kultur schnappen nach Luft wie Fische auf dem Trockenen, die Politik sucht nach gangbaren und zumutbaren Wegen – was die Corona-Pandemie in unserer Gesellschaft an dauerhaften Veränderungen oder gar Schäden anrichtet, wird sich noch zeigen. Zu denen, die vom neuerlichen Lockdown in seiner verschärften Form ebenfalls massiv betroffen sind, gehören Eventmanagement-Firmen. Trotz staatlicher Hilfen im vorigen Jahr ist die Branche republikweit gebeutelt.Über die Probleme, die sich den „freischaffenden“ Kulturmanagern stellen, sprach die SZ stellvertretend für viele andere „Einzelkämpfer“ am Telefon mit Martin Horne.

Bei der Stadt und selbstständig

Zwar hat der 45-Jährige zwei Standbeine – er ist befristet mit einer halben Stelle bei der Kulturabteilung der Stadt Siegen angestellt und betreibt zudem eine eigene Veranstaltungsagentur –, dennoch hat er der Krise einen Langsteckenrekord im Sich-über-Wasser-Halten aufstellen müssen.
„Den Job bei der Stadt muss ich ganz klar getrennt von meiner Agentur lassen“, betont er gleich zu Beginn, „da darf es keine Verquickung geben.“ Das heißt: auf der einen Seite die Arbeit für die Stadt – Stadtfest und Betreuung des Sommerfestivals zum Beispiel liegen in seiner Händen –, auf der anderen Seite der Versuch, ein ganz eigenständiges Eventangebot auf die Beine zu stellen, zu begleiten und durchzuführen.

Von "Siegtal pur" bis Open-Air-Kino

Mit seiner Firma sieht er sich relativ breit aufgestellt: vom Sicherheitskonzept bei „Siegtal pur“ über die Betreuung des Firmenlaufs bis zur Vemarktung einer hiesigen Eventlocation oder dem Siegener und Wittgensteiner Open-Air-Kino.„Aber Corona kann durch alles einen Strich machen“, fährt er fort, da gelte es sorgfältig zu prüfen, was überhaupt noch möglich sei. Hochzeiten im großen Rahmen? Gehen nicht. Open-Air-Kino im Sommer? „Da werden wir einen Weg finden, was zu machen“, hofft er.

Ab September ein fast normales Programm?

Lässt sich denn Corona überhaupt in die Planungen und Berechnungen einbeziehen? Horne überlegt: „Alle sind sehr verunsichert. Im Moment hat man das Gefühl, das dauert noch zwei Jahre.“ Aber er sei zuversichtlich: „Wenn im Juli vielleicht ein großer Prozentsatz durchgeimpft ist, dann kann man ab September fast ein normales Programm fahren.“ Aber bis März/April muss er „ins Ungewisse planen“.

Im Herbst knüppelt es sich dann vielleicht

„Auf Sicht fahren“ nennt das die Politik, nichts ist sicher, deshalb kann er sich auf solche Prognosen derzeit auch nicht verlassen, wenn er an das vor ihm liegende Geschäftsjahr denkt. Großes Vorplanen ist da Fehlanzeige, aber „irgendwann wird es sich knüppeln, weil sie alle wieder loslegen wollen“. Das werde dann ebenfalls zum Problem werden. Die Künstler hätten dasselbe Problem, meint er. Denn derzeit würden alle Aufträge in den Herbst gelegt, „und dann ist die Dichte an Veranstaltungen so groß, dass man gar nicht weiß, wie zu planen ist“. Und bis es wieder richtig losgehe, könne es so manchen die berufliche Existenz kosten.

"Mitarbeiter hängen dran"

Grundsätzlich hätten Kulturabteilungen von Kommunen oder des Kreises die gleichen Schwierigkeiten wie er, auch für diese fielen ja derzeit sämtliche Planungen flach, betont Horne. Da sei man im selben Boot. Der Unterschied, meint er, sei aber, dass es für die Macher eine Absicherung gebe, wenn die Planungen durch die Pandemie hinfällig würden. „Ich arbeite frei und habe noch Mitarbeiter, die dranhängen.“ Zwar sei er als Veranstalter auf Kultur und damit oft auch auf Nichtkommerzielles spezialisiert, aber „ganz ohne Gewinn schaffe ich das auch nicht“. Deshalb brauche er beispielsweise auch große Firmenevents, „aber die sind seltener und jetzt gar nicht möglich“.

Überbrückungshilfen und Umsätze

Paradox nennt er die Erfahrung mit den staatlichen Überbrückungshilfen, die im Sommer fließen sollten. Im Gegensatz zu der Soforthilfe, die im April gezahlt wurde und die er komplett nutzen konnte, fiel für ihn die Hilfe im Sommer ins Wasser, weil er letztlich zu viel gearbeitet habe.
Stimmt, das klingt paradox, aber Horne erklärt es: Die Überbrückungshilfen orientierten sich an den Vorjahresumsätzen, „da sind die Daten verfügbar, dann kann es grundsätzlich schnell gehen“. Für die Auszahlung sei es nötig gewesen, in zwei aufeinanderfolgenden Monaten mindestens 50 Prozent weniger Umsatz zu verbuchen als im Vorjahr. Im Mai und Juni seien aber alle Einnahmen aus einer Eventbegleitung vor der Gewinnverteilung über sein Firmenkonto gelaufen: „Mein Umsatz explodierte, nicht der Gewinn.“ Aber der Umsatz zählte eben im Vergleich.

An den Hilfen vorbeigeschrammt

Und ähnlich ging es ihm im Sommer beim Open-Air-Kino. Da hatte er wegen einer Kooperation „nur“ 47 bzw. 45 Prozent weniger Umsatz – und schrammte damit wieder an den Hilfen vorbei. „Man wird dafür bestraft, dass man gekämpft hat“, findet er: „Hätte ich die Beine hochgelegt und nichts getan, hätte ich unterm Strich ein dickes Plus gemacht und wäre prima über den Sommer gekommen.“ Allerdings sei die Berechnungsgrundlage vom Denkansatz her schon auch nachvollziehbar, denn irgendwie müssten ja schnell belastbare Kriterien zur Berechnung gefunden werden.

Bisschen demotiviert schon...

Killt so etwas die Motivation? „Ein bisschen schon“, meint Horne, der weiter mit Sorgen auf den Sommer schaut, denn „wenn ich für eine Firma arbeite, bekomme ich das vereinbarte Honorar. Beim Open-Air-Kino ist das anders. Wenn da dann das Gesundheitsamt die Auflagen kurzfristig massiv verschärfte, sähe es düster für das Überleben aus.“

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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