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Hinreißend aufgekratzt: Sven Regener
Soundcheck mit "Glitterschnitter"

Mit atemlos machender Wucht nahm Sven Regner das Lÿz-Publikum mit in sein schrilles, ureigenes Panoptikum des Lebens.
  • Mit atemlos machender Wucht nahm Sven Regner das Lÿz-Publikum mit in sein schrilles, ureigenes Panoptikum des Lebens.
  • Foto: Helmut Blecher
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

hel Siegen. Gut besucht war am Freitagabend die Lÿz-Schauplatzbühne, als Sven Regner, seines Zeichens Sänger, Texter und Trompeter der Band Element of Crime und Erfolgsautor, seinen sechsten Roman „Glitterschnitter“ vorstellte. Mit einer Flasche Bier in der Hand eilte er munteren Schrittes zum Lesepult, um mit der lakonischen Bemerkung „Der Roman ist ein großer Ziegelstein“ in medias res zu gehen. Ohne Erläuterungen zur Handlung wollte Regener, nur mit der Lesung von fünf markanten Textpassagen, einen Eindruck davon geben, was in dem Buch los ist. Der Zuhörerschar war’s recht, die mit weit geöffneten Ohren an den Lippen des Erzählers hing, der wie ein Regisseur Schauplätze und Menschen als ein Panoptikum des Lebens in Szene setzte.

hel Siegen. Gut besucht war am Freitagabend die Lÿz-Schauplatzbühne, als Sven Regner, seines Zeichens Sänger, Texter und Trompeter der Band Element of Crime und Erfolgsautor, seinen sechsten Roman „Glitterschnitter“ vorstellte. Mit einer Flasche Bier in der Hand eilte er munteren Schrittes zum Lesepult, um mit der lakonischen Bemerkung „Der Roman ist ein großer Ziegelstein“ in medias res zu gehen. Ohne Erläuterungen zur Handlung wollte Regener, nur mit der Lesung von fünf markanten Textpassagen, einen Eindruck davon geben, was in dem Buch los ist. Der Zuhörerschar war’s recht, die mit weit geöffneten Ohren an den Lippen des Erzählers hing, der wie ein Regisseur Schauplätze und Menschen als ein Panoptikum des Lebens in Szene setzte.

Zwischen Wahn, Kunst und Freundschaft

Berlin im Dezember 1980 ist der Schauplatz, an dem sich 15 verschiedene Persönlichkeiten treffen, die irgendwie zwischen Wahn, Kunst, Freundschaft und Intrigen miteinander verbunden sind. Unterteilt in fünf Kapiteln – „Das wird super“, „Nichtraucher“, „Shakespeare“, „Soundcheck“ und „Glitterschnitter“ – seziert Sven Regener mit rauchiger Stimme seine Romanfiguren, die ganz und gar seine eigenen Geschöpfe sind.
Getragen von einem flotten Erzähltempo, lässt er Frank Lehmann, Erwin und zwei Berufsösterreicher im Café Einfall über die Vor- und Nachteile des Aufschäumens vom Milch – auch von Kondensmilch – räsonieren. Währenddessen informieren sich Chrissie, Kerstin, H.R. und Wiemer bei Ikea übers „Schöner Wohnen“, wobei H.R. feststellt, dass es in der Musterwohnung des schwedischen Einrichtungshauses so leblos aussieht wie nach dem Einschlag einer Neutronenbombe.

Bissige Ironie, galliger Humor, hinreißende Komik

Sven Regener spart nicht mit bissiger Ironie, galligem Humor und hinreißender Komik, um dem Romangeschehen stets eine schräge Note zu geben. Detailfreudig nimmt der Autor seine Zuhörer/-innen mit in die Vorbereitungen zur Kunstmesse „Wall City Noise“, bei der Raimund, Ferdi und Charlie, die drei von der eben gegründeten Band Glitterschnitter,  ihren großen Auftritt haben sollen. Natürlich läuft nicht alles rund, weil viele Leute „blöd wie Stulle“ sind, so manches Tape im Studio klemmt und im Club mit dem Namen „Intimfrisur“, nicht nur manche Frisur nicht sitzt. Viel Putz bröckelt beim Sound der Glitterschnitter-Bohrmaschine von der Decke, nicht minder heftig ist der Disput zwischen Wiemer und H.R., die sich seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Fixerstube „Drückeberger“ über das richtige Kunstverständnis streiten.

Hart am wahren Leben dran

Sven Regener steht neunzig Minuten unter Dampf. Aus dem Vorgelesenen wird ein Drehbuch, das sich zu Bildern in den Köpfen des Publikums verdichtet. Man bildet sich ein, den Krach zu hören, den Glitterschnitter auf dem Weg zu Ruhm mit Bohrmaschine, Schlagzeug und Synthesizer erzeugen, und man wird letztlich zu Teilhabern an den Drehungen und Windungen der Liebe, denen sich Sven Regeners Geschöpfe stellen müssen.
Viel Applaus gab es am Ende für eine Lesung, die sich wie „Atemlos durch die Nacht“ anfühlte. Mit „Glitterschnitter“ beweist der Bremer aus Berlin, dass er mit seiner Erzählkunst hart am wahren, wenn auch nach eigenem Gusto konstruierten Leben dran ist.

Autor:

Redaktion Kultur

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