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Ralf Strackbein über Regionalkrimis
Spannung und Spaß vor der Haustür

Dass Regionalkrimi-Autor Ralf Strackbein ein begeisterter Flieger und Pilot ist, zeigt sich durchaus auch beim Blick auf den Schreibtisch im „Romanschmiede-Büro“ in seinem Haus. Das Fliegen lehrt ihn, dass es nötig ist, auch mal mit einem „Bick von oben“ auf die eigene Region zu schauen.
  • Dass Regionalkrimi-Autor Ralf Strackbein ein begeisterter Flieger und Pilot ist, zeigt sich durchaus auch beim Blick auf den Schreibtisch im „Romanschmiede-Büro“ in seinem Haus. Das Fliegen lehrt ihn, dass es nötig ist, auch mal mit einem „Bick von oben“ auf die eigene Region zu schauen.
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  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

pebe Siegen.  Regionalkrimis haben Konjunktur. Immer noch, immer neu. Es macht, scheint’s, mörderischen Spaß, Verbrechen vor der Haustür zu beobachten und die Ermittler, ob Polizei oder Privatdetektiv, gleich mit. Einer der ersten, die den Trend zur Region erkannten und nutzten, war Ende der 80er-Jahre der Siegener Ralf Strackbein.
Er platzierte seinen cleveren und unkonventionellen Tristan Irle mitten in Siegens Altstadt. Und von dort aus steckt der alterslose Mittvierziger die Nase und seine Pfeife in all die ausgedachten Verbrechen, die unter dem Krönchen, auf Siegens sieben Bergen und im Umland geschehen – jedes Jahr eins. Die Fans warten schon auf Nummer 31 (kommt im Herbst).

pebe Siegen.  Regionalkrimis haben Konjunktur. Immer noch, immer neu. Es macht, scheint’s, mörderischen Spaß, Verbrechen vor der Haustür zu beobachten und die Ermittler, ob Polizei oder Privatdetektiv, gleich mit. Einer der ersten, die den Trend zur Region erkannten und nutzten, war Ende der 80er-Jahre der Siegener Ralf Strackbein.
Er platzierte seinen cleveren und unkonventionellen Tristan Irle mitten in Siegens Altstadt. Und von dort aus steckt der alterslose Mittvierziger die Nase und seine Pfeife in all die ausgedachten Verbrechen, die unter dem Krönchen, auf Siegens sieben Bergen und im Umland geschehen – jedes Jahr eins. Die Fans warten schon auf Nummer 31 (kommt im Herbst).

"Vorteil des Sujets"

„Ich wollte einen klassischen Krimi, der aber gezielt in der Region spielt“, sagt Autor und Magolves-Verlag-Gründer Strackbein im Interview mit der Siegener Zeitung. Er habe das sichere Gefühl gehabt, dass der lokale und regionale Schauplatz im Mittelpunkt stehen solle, um diesen „Vorteil des Sujets“ beim Erzählen nutzen zu können. Denn „wenn ich die Ecken der Stadt oder der Dörfer beschreibe, dann hilft das beim Widererkennen“. Und nicht nur das: Wer die Ecken kennt, bei der oder dem entstehen von allein Bilder im Kopf. Eine „literarische“ Schicht legt sich auf den Alltag.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe regionaler Autorinnen und Autoren, manche haben den Schritt in die Überregionalität gemacht – Jacques Berndorf zum Beispiel ist darunter mit den Eifelkrimis, das Autorenteam Kobr und Klüpfel, das den Allgäu zur Krimi-Region gemacht hat, oder Nele Neuhaus mit ihren Taunus-Krimis. Allgäu und Taunus haben es durch Verfilmungen mittlerweile sogar ins Fernsehen geschafft.

Die "Marke" Tristan Irle

„Dahinter steht ein anderes Konzept“, sagt Ralf Strackbein. Da werde auch der Name zur Marke gemacht. Das sei gar nicht sein vordringliches Ziel. Die „Marke“ sei eben Tristan Irle und, seit einigen Jahren, Raphael Olafsson – eine Figur, die ebenfalls kauzig daherkommt („Poirot ist sein Patenonkel“) und gern Latein redet (für die notwendige Kenntnis gebe es Nachschlagwerke, lacht Strackbein), aber nicht im Siegerland angesiedelt ist.

Wie ein Zeitfenster

Was selbst nach 30 Jahren das Reizvolle am Regionalkrimi ist? Der studierte Literaturwissenschaftler überlegt. „Ich glaube, dass man erzählte Geschichte produziert“, sagt er dann. Und erklärt: Der Regionalkrimi sei wie ein Zeitfenster in die Geschichte der Orte, in denen er spielt. Genaue Kenntnisse der Eigenarten einer Region seien für Autorinnen und Autoren nötig, deshalb sei ein großer Teil seiner Arbeit auch die exakte Recherche.
Eine gute Kenntnis der Region, in der man lebt, hält Ralf Strackbein für notwendig. Zum Beispiel zu wissen, dass es Haubergswirtschaft gebe, bedeute ja noch lange nicht, dass man auch wisse, was alles damit verbunden sei – von der Arbeit bis zu den rechtlichen Fragen, von der Struktur des Lebensraums Wald bis zu seiner Nutzung.

Blick auf zeitaktuelle Situation

„Geschriebene Geschichte ist dann greifbar“, fährt er fort. „Wenn ich mir die alten Irle-Bände vornehme, dann lese ich da im Hintergrund auch ein ganz anderes Siegen als heute.“ Es spiegele sich immer die jeweils zeitaktuelle Situation wider, und manchmal, gibt er zu, werde darin auch ein kritischer, aber humorvoller Blick spürbar – allerdings nicht immer, ab und zu tritt die „Heimat“ zugunsten der Mordmethode oder der handelnden Figuren in den Hintergrund.
Er selbst lese viele Romane, auch, um das Handwerk besser zu verstehen und für sein eigenes Schreiben zu lernen. Regionalkrimis aber lasse er aus der Hand, da sei für ihn die Gefahr des unbewussten „Abkupferns“ zu groß.
Dass Regionalkrimis weiterhin ein gut laufendes Segment auf dem Krimi-Buchmarkt seien werden, steht für ihn übrigens außer Frage. Er habe vor 30 Jahren diesen Schritt getan, sei anfangs belächelt worden, aber „schon der Verkauf des zweiten Bandes hat mir gezeigt, dass ich es richtig mache“. Und immerhin habe er seit drei Jahrzehnten als Autor wirtschaftlichen Erfolg.
Ist er heimatverbunden? Der 58-Jährige nickt als Antwort auf die Frage und meint dann: „Wenn es darum geht, dass ich gern hier lebe, dann ja. Ich bin hier zu Hause, arbeite hier und habe Familie, Freunde und Bekannte hier. Aber wenn ich die Chance bekäme, würde ich auch mal für ein Jahr nach Neuseeland gehen.“

Auch mal von außerhalb schauen

Die Region könne schon den Blick auf die Welt formen, fährt Strackbein fort. Dann deutet der begeisterte Pilot eines Ultraleicht-Fliegers auf die Flugzeugmodelle auf seinem Schreibtisch: „Aber man kann nur richtig auf die eigene Region sehen, wenn man die Perspektive auch mal außerhalb und von oben ansetzt.“ Es sei notwendig, bewusst in der Region zu leben, aber „ich muss mich lösen, um einen übergeordneten Blick einzunehmen“, sagt der Autor. Die Eigenart der Menschen einer Region zu kennen, bedeute, sie im Vergleich mit anderen Menschen aus anderen Regionen verstehen zu lernen. Und so landet der Flieger immer wieder gern in der Region und fühlt sich mit ihr verbunden.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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