Fensterkonzert vor Kursana-Pflegeheim
Spielmannszüge musizieren

Mit Corona-gerechtem Abstand: 33 Spielleute der Spielmannszüge Hilchenbach und Gosenbach erfreuten die Bewohner des Kursana-Pflegeheims in Siegen mit feschen Melodien.
  • Mit Corona-gerechtem Abstand: 33 Spielleute der Spielmannszüge Hilchenbach und Gosenbach erfreuten die Bewohner des Kursana-Pflegeheims in Siegen mit feschen Melodien.
  • Foto: Spielmannszug
  • hochgeladen von Peter Helmes (Redakteur)

sz/gmz Siegen/Hilchenbach. „Wir haben uns selbst ins kalte Wasser geworfen“, sagt Stefan Aderhold, Mitglied des Spielmannszugs TuS 1865 Hilchenbach und gleichzeitig Kreisfachleiter für Spielmannswesen im Volksmusikerbund Siegen-Wittgenstein, im Gespräch mit der Kulturredaktion der Siegener Zeitung. Zum ersten Mal seit Herbst vergangenen Jahres, als man auf dem Pausenhof einer Hilchenbacher Schule zu einem gemeinsamen Open-Air-Musizieren zusammenkam, war es möglich, vor Publikum zu spielen. Überhaupt noch einmal gemeinsam zu musizieren. Das war „aufregend und belebend“ für alle, sagt Aderhold über das Erlebnis.
Gespielt haben Mitglieder des Hilchenbacher Tambourkorps gemeinsam mit Mitgliedern des Spielmannszugs des TV Gosenbach vor dem Kursana-Pflegeheim in Siegen: Die beiden Spielmannszüge helfen sich bei Bedarf immer mal wieder gegenseitig aus, erläutert Aderhold.
Aber wie ist das überhaupt möglich, dass gemeinsam „in echt“ gespielt wird? Und dann auch noch mit so vielen Leuten, sprich: 33 Musikerinnen und Musikern? Sie standen übrigens unter der Leitung von Benedikt Ibel (Gosenbach) und der musikalischen Leitung von Sabrina Hussing und Sonja Schreiber. Ist das nicht untersagt durch die Corona-Schutzverordnung? Nein, natürlich war das zweistündige Konzert von der Stadt Siegen genehmigt. „Es gibt nämlich“, führt Stefan Aderhold aus, „eine ,Lücke‘ in den Corona-Schutzverordnungen“, die ausdrücklich solche Fensterkonzerte als „Veranstaltungen im Freien“ zulässt – und zwar nur dann, wenn „die Ausführenden einen Mindestabstand von zwei Metern einhalten und die Zuschauer die Veranstaltung aus ihrer Wohneinrichtung verfolgen“.
Das war, so Aderhold, die Grundlage für die Genehmigung des Fensterkonzerts, das ungefähr drei Wochen vor dem Termin als Idee entwickelt wurde. Das Einholen der Genehmigung, das „Zusammentrommeln“ der Musiker, die Auswahl der Stücke sowie die (Termin-)Absprache mit der Pflegeeinrichtung waren innerhalb dieser drei Wochen erledigt, sodass sich am vergangenen Samstag 15 Autos nach Siegen in Bewegung setzten, um zu spielen. Diese Anzahl Autos war nötig, erklärt Stefan Aderhold, weil ja nur zwei maskierte Personen pro Fahrzeug erlaubt seien, wenn sie nicht aus einem Haushalt stammten …
Die Truppe stellte sich im erforderlichen Zwei-Meter-Abstand vor dem Pflegeheim auf und legte los. Ohne vorherige Probe, die ist ja nur professionellen Ensembles erlaubt. „Wir haben“, sagt Stefan Aderhold, „die Stücke natürlich auch so ausgesucht, dass wir sie ohne Probe hinbekommen."
Offenbar so gut, dass die Darbietungen den vielen Zuhörern in der Kursana-Pflegeeinrichtung immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Mehrfach öffneten die Pflegekräfte die Fenster, damit die Musiker den Applaus der Bewohner auch hören konnten, wenn Stücke wie „Preußens Gloria“, „Gut gelaunt“ oder „Trocadero Mambo“ erklangen: Spielleute-Musik aller Stilrichtungen.
Die Bewohner wurden innerhalb des Heims – natürlich ebenfalls auflagengerecht – so hinter ihren Fenstern und auf Balkonen positioniert, dass alle den Innenhof sehen konnten und den Spielmannszügen zuhören konnten. Auch auf der Zuhörerseite muss die Einhaltung der Vorschriften selbstverständlich gewährleistet sein.
Mit selbstgebastelten Geschenken von den Nachwuchsmusikern, die diese vor dem Gebäude ablegten, gab es eine weitere Überraschung für die Senioren.
Der Auftritt war für alle beteiligten etwas Spezielles – ganz besonders aber für Nick Veith vom Spielmannszug TV Gosenbach, der zum Auftakt des Konzerts sein „Freiluft-Debüt“ als Tambourmajor gab.

Nächster Auftritt in Planung

Zum Abschluss gab es dann auch nochmal ein großes Dankeschön der Heimleitung und des Pflegepersonals an alle für den schönen Auftritt und die damit verbundene Abwechselung für die Bewohner vom Alltag im Heim. Nach den positiv aufgenommenen Fensterkonzerten im vergangenen Jahr war auch dieser wieder ein rundum gelungener Auftritt, der hoffentlich viele Nachahmer findet, um die Menschen mit Musik zu begeistern, aber auch sich selbst als musiktreibendem Verein die Möglichkeit bietet, endlich wieder in der Öffentlichkeit aufzutreten.
Auch wenn sich nicht jeder Musiker und jede Musikerin der beiden Vereine derzeit wohlfühlt bei dem Gedanken, mit anderen gemeinsam zu musizieren, so ist für die, die wollen und können, jedenfalls klar: Das nächste Konzert dieser Art wird geplant.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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