SZ

Schaufenster-Ausstellung mit virtuellem Rundgang
Starkes Papier und starke Farben

Axel Müller stellt (gemeinsam mit seiner Tochter)im Ladenlokal an der Kölner Straße 27 in Siegen aus. Wegen der Covid-19-Pandemie ist vor Ort nur der Blick durchs Schaufenster möglich.
  • Axel Müller stellt (gemeinsam mit seiner Tochter)im Ladenlokal an der Kölner Straße 27 in Siegen aus. Wegen der Covid-19-Pandemie ist vor Ort nur der Blick durchs Schaufenster möglich.
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pebe Siegen. Optische Rhythmisierung, Wiederholung, Reihung. Farbschichten, die sich in Räumliches vorarbeiten, abstrakt-expressive Suchbewegungen – die Augen bekommen „Seh-Futter“, wenn sie in das Ladenlokal Kölner Straße 27 in Siegen (ehemals Hees Bürowelt) schauen. Die Fenster werden derzeit tatsächlich zu „Schau-Fenstern“, denn die Ausstellung von Axel und Wibke Müller mit dem Titel „Sehen – speichern – verändern. Arbeiten aus und auf Papier“ ist, Covid-19 geschuldet, eine unbegehbare. Aber was zunächst als Mangel erlebt wird, setzt dann eine andere, distanziertere, genauere Beobachtung in Gang. Es gibt jedoch auch einen virtuellen Rundgang, den Interessierte bei vimeo.com antreten können.

pebe Siegen. Optische Rhythmisierung, Wiederholung, Reihung. Farbschichten, die sich in Räumliches vorarbeiten, abstrakt-expressive Suchbewegungen – die Augen bekommen „Seh-Futter“, wenn sie in das Ladenlokal Kölner Straße 27 in Siegen (ehemals Hees Bürowelt) schauen. Die Fenster werden derzeit tatsächlich zu „Schau-Fenstern“, denn die Ausstellung von Axel und Wibke Müller mit dem Titel „Sehen – speichern – verändern. Arbeiten aus und auf Papier“ ist, Covid-19 geschuldet, eine unbegehbare. Aber was zunächst als Mangel erlebt wird, setzt dann eine andere, distanziertere, genauere Beobachtung in Gang. Es gibt jedoch auch einen virtuellen Rundgang, den Interessierte bei vimeo.com antreten können.

Künstlerischer Dialog von Vater und Tochter

„Corona hin, Corona her, wir wollen gesehen werden“, meint Axel Müller im Gespräch mit der SZ. Der 59-jährige Kunst- und Geschichtslehrer aus Wiehl wiederholt in Siegen ein Experiment von 2018: Damals stellte er in Netphen erstmals mit Tochter Wibke aus, die gerade ihr Kunststudium in Duisburg-Essen aufgenommen hatte. Nun eine Neuauflage des Vater-Tochter-Dialogs: Beide sind in ihrem künstlerischen Ausdruck weitergegangen. Axel Müller hat seine Arbeit rund um das Thema „Speicherungen“ intensiviert, Wibke Müller wagt sich in einen sehr expressiven farbigen Darstellungsraum vor, gewinnt aber mit partiell grafischem Herangehen andere, neue Sichtweisen. Axel Müller war allein vor Ort, Tochter Wibke äußerte sich später per Mail.

Reihenanordnung als Speicher

Axel Müllers Medien sind Papier und Pappe, die er vielfältig für flächige wie raumprägende Objekte einsetzt. Immer wieder taucht das Thema Serialität bei ihm auf. Ein Thema? „Ja“, nickt er, „ich habe Arbeiten ausgewählt, die starke Akkumulationen darstellen.“ Es gehe dabei um die Wiederholung von Ähnlichkeiten und Gleichförmigem, die in der Anordnung zu einem formal geschlossenen Objekt Kraft gewännen. Nicht umsonst weisen die gar nicht fragil wirkenden Arbeiten häufig deutliche Ähnlichkeiten mit technischen Akkulmulatoren auf, Papier und stabile Wellpappe, ohnehin „warme“ Materialien, intensivieren die Idee der Speicherung.
Müller geht weiter, nutzt natürliche Materialien wie Blätter oder Blüten, füllt sie in seine Objekte. Zum Speichern gehört eben auch der Gedanke des Füllens, des „Bergens, Verbergens und Aufbewahrens“: Schotenförmige Gebilde aus blauem Papier fassen getrocknete Lindensamen wie in einem Kokon. An der Wand eine große, dunkelfarbige Arbeit, mehrschichtig, Rhythmus ebenso andeutend wie das Speichern. Experimentell: eine kreisförmig angeordnete Arbeit aus acht dünnen Stelen.

"Second use" ist wichtig

Woher kommt diese Vorliebe fürs Papier? Es sei ursprünglich seine Liebe für Großformatiges, erklärt Müller schmunzelnd: „Ich habe anfangs auf großem, billigem Karton gemalt, da konnte nichts schiefgehen.“ Heute trete bei ihm der Gedanke des „second use“ in den Vordergrund, auch faszinierten ihn die materiellen Widersprüchlichkeiten, beispielsweise beim schwarzen Seidenpapier, wie es zum Einschlagen von Schuhen im Karton verwendet wird: „Das ist optisch schwer, aber vom Material her ganz leicht.“

Wibke Müller: Heimat als Sehnsuchtsort

Wibke Müller(25), die sich über die erneute Kooperation mit ihrem Vater freut, arbeitet noch an ihrem Hauptthema „Landschaften“. „Meine Heimat, das Oberbergische, ist ganz klar Inspirationsquelle Nummer 1 und wird immer mehr zum Sehnsuchtsort“, schreibt sie per Mail, und: „Das Leben in der Stadt ist mir oft zu laut und hektisch. Dann ziehe ich mich lieber in mein Atelier zurück.“ Ihre Bilder seien „Ausdruck von Momenten, Festhalten von einem sehr persönlichen Gefühl zu einem Ort bzw. einer Landschaft. Meine Arbeiten entstehen immer im Prozess und sind so spontane Reaktionen auf meine Erinnerungen und Gedanken.“
Je 20 Exponate steuern beide Müllers bei, Wibke Müller präsentiert teilweise großformatige Arbeiten auf Papier, aber auch sehr reduzierte, grafisch durchgeführte Malereien, die sich hin zu abstrahierten Signaten bewegen.  Auch in den expressiveren großen Arbeiten zeigen sich beim genauen Hinschauen in den Farbschichten fast meditative Linienkumulationen: Und plötzlich entsteht ein auch thematischer Dialog mit den Speicher-Arbeiten ihres Vaters. Wibke Müller schreibt gerade an ihrer Bachelorarbeit und will dann zum weiteren Studium nach Münster wechseln. An der Akademie will sie „noch mehr den Schwerpunkt auf die praktische Kunst verlegen“.

Direkter Kontakt wichtig

Vater und Tochter ist der Dialog mit der Öffentlichkeit sehr wichtig – bei aller Digitalisierung der Lebenswelten sei der direkte, analoge Kontakt zum Kunstwerk notwendig. Und auch die Resonanz, sagt Axel Müller, sei fürs künstlerische Arbeiten einfach notwendig. Deshalb seine Aufforderung: „Einfach mal reingucken!“

Axel Müller und Wibke Müller:
Ausstellung „Sehen – speichern – verändern“,
Siegen, Ladenlokal Kölner Str. 27,
noch bis zum 13. Dezember (Besichtigung nur von außen, virtueller Rundgang auf vimeo.com).

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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