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SZ-Interview zum Konzert des American String Quartet am 11. März in Dahlbruch
Stete Suche nach Perfektion

Das renommierte American String Quartet gastiert am 11. März im Dahlbrucher Gebrüder-Busch-Theater (v. l.): Wolfram Koessel, Daniel Avshalomov, Peter Winograd und Laurie Carney.
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  • Das renommierte American String Quartet gastiert am 11. März im Dahlbrucher Gebrüder-Busch-Theater (v. l.): Wolfram Koessel, Daniel Avshalomov, Peter Winograd und Laurie Carney.
  • Foto: Peter Schaaf
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Siegen/Dahlbruch/New York. Noch keine zweieinhalb Jahre ist es her, dass es dem Gebrüder-Busch-Kreis gelang, eines der weltweit renommiertesten Streichquartette in Dahlbruch zu präsentieren: das American String Quartet. Das Publikum erlebte „ein sensationelles Kammerkonzert“, wie unsere Zeitung damals resümierte. Nun ist es wieder so weit: Peter Winograd (1. Violine), Laurie Carney (2. Violine), Daniel Avshalomov (Viola) und Wolfram Koessel (Cello) gastieren am Mittwoch, 11. März, 20 Uhr, erneut im Gebrüder-Busch-Theater (zur Ticket-Verlosung: hier klicken), in der Reihe „Meisterliche Kammermusik“, präsentiert von der Siegener Zeitung und zum 250. Geburtstag des Komponisten in diesem Jahr ausschließlich mit Werken von Ludwig van Beethoven.

aww Siegen/Dahlbruch/New York. Noch keine zweieinhalb Jahre ist es her, dass es dem Gebrüder-Busch-Kreis gelang, eines der weltweit renommiertesten Streichquartette in Dahlbruch zu präsentieren: das American String Quartet. Das Publikum erlebte „ein sensationelles Kammerkonzert“, wie unsere Zeitung damals resümierte. Nun ist es wieder so weit: Peter Winograd (1. Violine), Laurie Carney (2. Violine), Daniel Avshalomov (Viola) und Wolfram Koessel (Cello) gastieren am Mittwoch, 11. März, 20 Uhr, erneut im Gebrüder-Busch-Theater (zur Ticket-Verlosung: hier klicken), in der Reihe „Meisterliche Kammermusik“, präsentiert von der Siegener Zeitung und zum 250. Geburtstag des Komponisten in diesem Jahr ausschließlich mit Werken von Ludwig van Beethoven. Anlässe genug für ein Interview, das unsere Kulturredaktion mit Bratschist Daniel Avshalomov per E-Mail führte:

1974, vor fast einem halben Jahrhundert, wurde das American String Quartet an der berühmten New Yorker Juilliard School gegründet, und mit Laurie Carney und Ihnen selbst ist immerhin die Hälfte der Musiker praktisch von Anfang an dabei. Wie schafft man es, über all die Jahre die Spannung, die Freude am gemeinsamen Musizieren aufrechtzuerhalten?

Avshalomov: „Es gibt vier Hauptzutaten für eine erfolgreiche Quartettbeziehung. Beim American String Quartet steht die Musik an erster Stelle. Unser Repertoire als Quartettspieler umfasst Hunderte großartiger Werke von nahezu allen der größten Komponisten, und unsere Motivation, Inspiration und Herausforderungen ergeben sich aus unserer Verpflichtung, die Musik auf eine Weise zum Leben zu erwecken, die die Intentionen des Komponisten so vollständig verwirklicht, wie wir sie zu verstehen in der Lage sind.
Dann kommt die Bereitschaft, hart zu arbeiten, einhergehend mit dem Wissen, dass wir als Musiker jeden Tag wachsen und uns verbessern können, wenn wir alle konstruktive Kritik üben und auch annehmen können.
Als nächstes ist da eine Sensibilität für die Stärken und Verletzlichkeiten des anderen, die uns dabei hilft, wie wir miteinander kommunizieren.
Und zuletzt (aber nicht, was die Wichtigkeit betrifft!) ist da der Sinn für Humor.
Ich bin froh, sagen zu können, dass wir all diese Eigenschaften von Anfang an hatten.“

Wo liegen die Vorteile, wo vielleicht auch die Nachteile, wenn man als Ensemble über einen so langen Zeitraum zusammen spielt?

„Es gibt bestimmte Arten von Fertigkeiten, die nur über einen langen Zeitraum erreicht werden können. Mittlerweile haben wir alle größeren Meinungsverschiedenheiten (und wahrscheinlich auch alle kleineren), die es in einer Gruppe geben kann, hinter uns. Das bedeutet, dass wir gelernt haben, fair zu kämpfen und auf produktive Weise unterschiedlicher Meinung sein zu können.
Bedenken Sie auch, dass wir personelle Veränderungen gehabt haben: Peter Winograd kam erst vor 30 Jahren dazu, und Wolfram Koessel ist in seinem 14. Jahr dabei – diese Infusionen frischer Energie und Ideen haben dazu beigetragen, das Quartett jung zu halten.“

Denken Sie, dass Sie – als weltweit gefeiertes und gerühmtes Streichquartett – den ultimativen Ton oder Klang schon gefunden haben, oder bleibt das eine ewige Suche nach einem noch zu erreichenden Ideal?

„Ich wage zu behaupten, dass wir mit der Bandbreite der Klangfarben, mit denen wir unsere Interpretationen gestalten können, zufrieden sind. Aber Tatsache ist, dass Perfektion stets gesucht werden muss. Man kann immer Wege finden, um besser zu werden.“

In Dahlbruch werden Sie ein reines Beethoven-Programm spielen, das so bei keinem Ihrer anderen Deutschland-Konzerte im März zu hören sein wird. Welche Rolle spielt das Beethoven-Jubiläumsjahr für das American String Quartet? Und welche Rolle spielt Beethoven generell im Leben des Ensembles?

„Wir spielen Beethoven seit unserem ersten Jahr, und wir werden Beethoven auch in unserem letzten Jahr spielen, wann immer das sein wird. Sein 250. Geburtstag hat es verdient, gefeiert zu werden, aber in mancher Hinsicht repräsentiert das den Zuckerguss auf einem Kuchen, der eigentlich schon lecker und nahrhaft ist. Der große Vorteil ist, dass mehr Menschen als je zuvor ihre Aufmerksamkeit auf seine Musik richten. Wir haben schon reine Beethoven-Konzerte und Konzertreihen gespielt, und in der nächsten Saison werden wir den kompletten Beethoven-Zyklus in New York, anderen Städten der USA und in Mexiko-Stadt spielen.“

Sie spielen alte und neue Musik, Uraufführungen, geben Konzerte mit Lesungen von Autoren … Was ist für Sie als Ensemble das Spannendste an Ihrer Arbeit, was vielleicht das Routinierteste – und was fehlt noch in der Sammlung? Was würden Sie als Quartett gerne noch ausprobieren?

„In unserem Alter scheint die Vorstellung, dass ein Konzert irgendetwas anderes sein sollte als die größte Musik, gespielt mit Leidenschaft und Hingabe, unerheblich zu sein. Wir sind oft gefragt worden, was das American String Quartet von anderen Gruppen unterscheidet – was unser ,Gimmick‘ ist. Unsere Antwort war lange die: Unser Trick ist, dass wir keinen Trick haben.
Aber vor Kurzem sind wir einige außermusikalische Kooperationen mit Autoren wie Tom Sleigh, Phil Klay und Salman Rushdie eingegangen, weil wir ihre Arbeit und ihre Ansichten darüber, was Kunst wirklich ist, sehr schätzen. Und weil wir uns damit wohl fühlen (und oft erstaunt sind darüber), wie die Worte und die Musik sich gegenseitig auf eine höhere Ebene bringen.
Was noch zu tun bleibt? Nun ja, wir haben noch nicht alle Haydn-Quartette in unserem Repertoire.“

Auf Ihrer Homepage zitieren Sie prominent die deutsche Wochenzeitung „Die Zeit“ mit den Worten „A quartet engraved in eternity“ (wörtlich: ein in die Ewigkeit eingraviertes Quartett) – ein großes, quasi über die Grenzen unserer diesseitigen Welt hinausweisendes Lob. Aber noch bewegen wir uns im Hier und Heute, und das 50-jährige Bestehen des American String Quartet kommt ganz langsam in Reichweite. Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft, für die nächsten Jahre aus?

„Unsere Ziele bleiben dieselben: als Musiker zu wachsen und uns weiterzuentwickeln, unsere Leidenschaft dem Publikum allerorten zu vermitteln und das, was wir gelernt haben, an die nachfolgenden Generationen von Musikern weiterzugeben. Wir sollten wohl auch ein paar mehr Aufnahmen machen.
Was die Ewigkeit angeht: Wir werden Sie wissen lassen, ob und wann wir einen Blick drauf werfen.“

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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